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Sperre für Blatter und Platini - Einsprüche sind angekündigt

Sport - Sperre für Blatter und Platini - Einsprüche sind angekündigt

Der gesperrte FIFA-Chef Blatter sieht sich als Opfer der FIFA-Ethikkommission, wie er Markus Harm im ZDF-Interview sagt. Er sieht sich nicht in der Verantwortung für die anderen FIFA-Funktionäre.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.12.2016, 18:52

Die FIFA-Ethikkommission hat gegen Joseph S. Blatter und Michel Platini jeweils eine achtjährige Sperre verhängt. Für beide bedeutet die Sanktion das Karriereende - und für den Weltfußball die Chance auf den Neuanfang. Blatter und Platini kündigten bereits an, gegen die Sperre vorzugehen..

Aus für die Granden des Weltfußballs: Die Tage von Joseph S. Blatter und Michel Platini in FIFA und UEFA sind endgültig gezählt. Die Ethikkommission des Weltverbandes verhängte am Montagmorgen eine jeweils achtjährige Sperre gegen die beiden bereits provisorisch suspendierten Funktionäre. Ihnen wird Untreue und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Für Platini (60) bedeutet die Sanktion das Ende seiner Präsidentschaftsambitionen bei der FIFA. Blatter kündigte umgehend seinen Einspruch an.

Nicht überzeugende mündliche Vereinbarung

Zum Verhängnis wurde dem einst so mächtigen Duo die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.


"Ich bin immer noch der Präsident", sagte Blatter während einer kuriosen Pressekonferenz, in drei Sprachen wies er alle Vorwürfe zurück. "Ja, verraten - das könnte das richtige Wort sein", sagte Blatter: "Ich war heute sehr traurig. Sonst bin ich das nicht. Aber ich bin auch ein Kämpfer. Es ist nicht möglich, dass diese Angelegenheit so zu Ende geht." Die Ethikkommission könne den Präsidenten gar nicht verbannen.


Blatter habe in "seiner Eigenschaft als FIFA-Präsident" die Zahlung bewilligt, "die einer rechtlichen Grundlage im zwischen den beiden Offiziellen am 25. August 1999 schriftlich abgeschlossenen Vertrag entbehrte", teilte die Ethikkommission mit: "Weder in seiner schriftlichen Eingabe noch in seiner persönlichen Anhörung konnte Joseph S. Blatter eine andere rechtliche Grundlage für diese Zahlung nachweisen." Die "Behauptung einer mündlichen Absprache" wurde als "nicht überzeugend" abgewiesen. Platini und seine Anwälte hatten ebenfalls vergeblich versucht, die Kammer von der Belastbarkeit einer mündlichen Vereinbarung zu überzeugen.

Blatter fühlt sich gemobbt

Die Ermittler vermuten Schmiergeld für Blatters Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2011. Beide Funktionäre hatten immer wieder die Rechtmäßigkeit der Zahlung beteuert - die Richter entschieden anders. Blatter und Platini haben demnach gegen die Artikel 20 (Angebot oder Annahme von Geschenken oder anderen Vorteilen), 19 (Interessenkonflikt), 15 (Loyalität) und 13 (Allgemeine Verhaltensregeln) des FIFA-Ethik-Codes verstoßen. Für den Vorwurf der Bestechung und Korruption reichten die Beweise in den Augen der rechtsprechenden Kammer nicht. Blatter wurde zudem zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 (rund 46.000 Euro) Schweizer Franken verurteilt, Platini muss eine Geldstrafe in Höhe von 80.000 (rund 74.000) Schweizer Franken zahlen.

"Es ist plötzlich modern geworden, auf Sepp Blatter zu schlagen", hatte Blatter am Wochenende dem Sonntagsblick gesagt. Zuvor hatte er gebetsmühlenartig wiederholt, er habe weder gegen ethische noch juristische Regeln verstoßen - nie. Und überhaupt, die Ethikkommission sei gar nicht berechtigt, ihn als Präsidenten aus dem Verkehr zu ziehen. Blatter hatte das Gremium 2006 selbst ins Leben gerufen. Jetzt spricht er von Mobbing.
Für Platini ging es dennoch um viel mehr als für Blatter, der im Endeffekt nur noch um einen sauberen Abschied als FIFA-Boss gerungen hatte. Der Franzose wollte mit aller Macht der neue FIFA-Präsident werden, dafür müsste er aber bis zum 26. Januar 2016 nachträglich als Kandidat registriert werden. Als von der Ethikkommission sanktionierter Funktionär ist dies unmöglich. Die Zeit für Einsprüche wird knapp.

Fünf Kandidaten für die Zeit nach Blatter

"Ich bin schon verurteilt, ich bin schon verdammt", hatte Platini am Samstag in einer von seinen Anwälten verbreiteten Stellungnahme gesagt. Zu seinem Anhörungstermin war der gesperrte Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gar nicht erst erschienen. Dahinter steckte eine durchschaubare Taktik - die Diskreditierung der FIFA-Richter, um so schnell wie möglich die nächsten Instanzen anrufen zu können. Ein Prozessmarathon droht.


Als nächste Instanz müssten beide vor die FIFA-Berufungskommission ziehen, danach stünde der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof auf dem Programm. Der hat Platinis Einspruch gegen die provisorische 90-Tage-Sperre vom 8. Oktober bereits abgeschmettert. Es sei dadurch kein Schaden für Platini entstanden, hieß es. Nach der Sportgerichtsbarkeit würden ordentliche Gerichte am Zug sein. Der (Image-)Schaden für die FIFA wäre kaum abzusehen.

FIFA auf Blatter-lose Zeit vorbereitet

Dabei hatte sich der Weltverband in den vergangenen Wochen gut auf die Zeit nach Blatter und Platini vorbereitet. Für die Präsidentschaftswahl am 26. Februar 2016 sind fünf mehr oder weniger sinnvolle Kandidaten gemeldet, ein großes Reformpaket soll beschlossen werden, die inhaftierten FIFA-Funktionäre in der Schweiz werden nach und nach an die US-Justiz ausgeliefert.

    Auf ihrer Internetseite veröffentlichte die FIFA die Stellungnahme der rechtsprechenden Kammer unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert in deutscher Übersetzung:

    "Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission unter dem Vorsitz von Hans-Joachim Eckert hat Joseph S. Blatter, FIFA-Präsident, und Michel Platini, Vizepräsident und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees sowie UEFA-Präsident, jeweils für acht Jahre für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten (administrativ, sportlich und anderweitig) gesperrt. Die Sperren treten mit sofortiger Wirkung in Kraft.


    Das Verfahren gegen Joseph S. Blatter betraf in erster Linie eine Zahlung der FIFA von CHF 2 Millionen im Februar 2011 an Michel Platini. In seiner Eigenschaft als FIFA-Präsident bewilligte Joseph S. Blatter die Zahlung an Michel Platini, die einer rechtlichen Grundlage im zwischen den beiden Offiziellen am 25. August 1999 schriftlich abgeschlossenen Vertrag entbehrte. Weder in seiner schriftlichen Eingabe noch in seiner persönlichen Anhörung konnte Joseph S. Blatter eine andere rechtliche Grundlage für diese Zahlung nachweisen. Seine Behauptung einer mündlichen Absprache wurde als nicht überzeugend erachtet und von der Kammer abgewiesen.

    Die Beweise, die der rechtsprechenden Kammer im vorliegenden Fall vorlagen, reichten nicht im geforderten Ausmaß für den Nachweis, dass Joseph S. Blatter mit der Zahlung die Ausübung oder Unterlassung einer offiziellen Handlung von Michel Platini im Sinne von Art. 21 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Bestechung und Korruption) bezweckte.


    Die Handlung von Joseph S. Blatter gegenüber Michel Platini ohne rechtliche Grundlage ist aber ein Verstoß gegen Art. 20 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen). Joseph S. Blatter befand sich zudem in einem Interessenkonflikt. Dennoch übte er seine davon betroffenen Aufgaben weiterhin aus und versäumte es, diesen Interessenkonflikt und seine persönlichen Interessen hinsichtlich seiner künftigen Tätigkeit offenzulegen, womit er gegen Art. 19 Abs. 1, 2 und 3 des FIFA-Ethikreglements (Interessenkonflikte) verstieß.

    Indem er die Interessen der FIFA nicht voranstellte und nicht alles unterließ, was den Interessen der FIFA zuwiderlaufen könnte, verletzte Joseph S. Blatter seine Loyalitätspflicht gegenüber der FIFA und damit Art. 15 des FIFA-Ethikreglements (Loyalität).

    Joseph S. Blatters Handlungen entbehrten ethischen Verhaltens, verstießen gegen die anwendbaren Gesetze und Bestimmungen sowie das FIFA-Regelwerk, soweit auf ihn anwendbar, und zeugten von einem Missbrauch seiner Stellung als FIFA-Präsident, womit er gegen Art. 13 des FIFA-Ethikreglements (Allgemeine Verhaltensregeln) verstieß.

    Er wurde deshalb für acht Jahre für alle Fußballtätigkeiten gesperrt und mit einer Geldstrafe von CHF 50 000 belegt.


    Die Untersuchung gegen Joseph S. Blatter wurde von Robert Torres, Mitglied der Untersuchungskammer der Ethikkommission, geleitet. Der Schlussbericht zur Untersuchung wurde am 20. November 2015 an die rechtsprechende Kammer überwiesen. Die rechtsprechende Kammer hatte am 23. November 2015 ein formelles Verfahren eröffnet. Die Anhörung von Joseph S. Blatter fand am 17. Dezember 2015 in Zürich statt.

    Das Verfahren gegen Michel Platini betraf in erster Linie eine Zahlung von CHF 2 Millionen, die er im Februar 2011 von der FIFA erhalten hatte. Die Zahlung an Michel Platini hatte keine rechtliche Grundlage im schriftlichen Vertrag, den die beiden Offiziellen am 25. August 1999 abgeschlossen hatten. Michel Platinis Behauptung einer mündlichen Absprache wurde als nicht überzeugend erachtet und von der Kammer abgewiesen.

    Die Beweise, die der rechtsprechenden Kammer im vorliegenden Fall vorlagen, reichten nicht im geforderten Ausmaß für den Nachweis, dass Michel Platini die Zahlung für die Ausübung oder Unterlassung einer offiziellen Handlung im Sinne von Art. 21 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Bestechung und Korruption) erhalten hatte.

    Das Verhalten von Michel Platini ohne rechtliche Grundlage ist aber ein Verstoß gegen Art. 20 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen). Michel Platini befand sich zudem in einem Interessenkonflikt. Dennoch übte er seine davon betroffenen Aufgaben weiterhin aus und versäumte es, diesen Interessenkonflikt und seine persönlichen Interessen hinsichtlich seiner künftigen Tätigkeit offenzulegen, womit er gegen Art. 19 Abs. 1, 2 und 3 des FIFA-Ethikreglements (Interessenkonflikte) verstieß.

    Indem er die Interessen der FIFA nicht voranstellte und nicht alles unterließ, was den Interessen der FIFA zuwiderlaufen könnte, verletzte Michel Platini seine Loyalitätspflicht gegenüber der FIFA und damit Art. 15 des FIFA-Ethikreglements (Loyalität).

    Michel Platini ließ zudem ein absolut glaubwürdiges und integeres Verhalten vermissen und offenbarte damit fehlendes Bewusstsein für seine Pflichten und die damit verbundenen Obliegenheiten und Aufgaben. Sein Handeln entbehrte ethischen Verhaltens, verstieß gegen die anwendbaren Gesetze und Bestimmungen sowie das FIFA-Regelwerk, soweit auf ihn anwendbar, und zeugte von einem Missbrauch seiner Stellung als FIFA-Vizepräsident und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, womit er gegen Art. 13 des FIFA-Ethikreglements (Allgemeine Verhaltensregeln) verstieß.

    Michel Platini wurde deshalb für acht Jahre für alle Fußballtätigkeiten gesperrt und mit einer Geldstrafe von CHF 80 000 belegt.

    Die Untersuchung gegen Michel Platini wurde von Vanessa Allard, Mitglied der Untersuchungskammer der Ethikkommission, geleitet. Der Schlussbericht zur Untersuchung wurde am 20. November 2015 an die rechtsprechende Kammer überwiesen. Die rechtsprechende Kammer hatte am 23. November 2015 ein formelles Verfahren eröffnet. Die Verhandlung fand am 18. Dezember 2015 in Zürich im Beisein von Michel Platinis Anwälten statt."

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