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Tognoni: "Es wird noch viel Schlamm aufgewühlt"

Sport - Tognoni: "Es wird noch viel Schlamm aufgewühlt"

Sven Voss spricht mit Studiogast Guido Tognoni über die FIFA-Präsidentschaftswahl. Vom neuen starken Mann Gianni Infantino fordert er jetzt Taten ein und blickt auf dessen Rolle in der "neuen" FIFA.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.02.2017, 23:00

Die Neu-Wahl des FIFA-Präsidenten hat die Fußballwelt in Atem gehalten. Ebenso die Frage, ob zaghafte Reformversuche taugen, den Zerfall des maroden Weltverbandes aufzuhalten. Im aktuellen sportstudio sprach Sven Voss mit FIFA-Kritiker Guido Tognoni über die FIFA-Präsidentschaftswahl. Vom neuen starken Mann Gianni Infantino fordert der Kritiker jetzt Taten ein und blickt auf dessen Rolle in der "neuen" FIFA und prophezeit ihm dabei keine leichte Amtszeit.

von Oliver Trust

Guido Tognoni schaut meinst ernst drein, wenn er über sein Thema, die FIFA, spricht und so ziemlich jeden, der im Fußballgeschäft eine Rolle spielt. Trotzdem gibt es ein paar Scherze im Zusammenhang mit Guido Tognoni, über die der Schweizer selbst herzlich lachen kann. Zum Beispiel den, dass sich Call-Center und Marketingabteilungen von großen Unternehmen viel Arbeit sparen könnten, wenn sie sein Telefonregister hätten. In den vergangenen Wochen und Monaten dürfte die Wertsteigerung von Tognonis Telefondaten-Schatz neue Grenzen gesprengt haben.

Kronzeuge

Kaum ein anderes Sport-Thema dominierte die Schlagzeilen rund um den Erdball wie die Skandale rund um den Fußball-Weltverband. Und mitten drin er. Doch Tognonis Rolle ist im Gegensatz zu vielen seiner "Kontakten" die des Insiders und Kronzeugen. Aus gutem Grund. Der Mann, der fünf Sprachen (Deutsch, Italienisch, Englisch, Spanisch und Französisch) spricht kennt sie alle - die schillernden Hauptdarsteller wie die unauffälligen Hintermänner im gigantischen weltumspannenden Fußball-Geschäfts-Apparat.

Tognoni war Teil des Apparates, aber offensichtlich nie Teil der undurchsichtigen Geschäfte und Affären, die die Fußball-Welt in ihren Grundfesten erschüttern. Mehr als ein Jahrzehnt stand er in Diensten der FIFA - als Marketingexperte und Pressechef.

Zwei Mal (1995 und 2003) feuerte ihn der umstrittene Noch-FIFA-Präsident Sepp Blatter. Auch, weil sich Tognoni nicht mit dessen kuriosem Geschäftsgebaren anfreunden konnte.

Blatter-Bekämpfer

Der Rechtsanwalt und ehemalige Journalist ist ein Spezialist in Sachen Fußball-Verbände und deren Innenleben. Sicher sogar der Spezialist schlechthin, allein auf Grund seines detaillierten Wissens über interne Abläufe. Einige Jahre begleitete er den ehemaligen Präsidenten des europäischen Verbandes UEFA, Lennart Johansson, und dessen Kampf gegen Blatter um den FIFA-Thron. Er beriet in Doha die Organisatoren der „Asien-Spiele“ und ist heute als Berater weltweit operierender Firmen tätig.

In Sachen FIFA und Fußball scheut er sich nicht, unbequeme Wahrheiten auszusprechen oder, Meinungen zu vertreten. Die Wahl Gianni Infantinos zum neuen FIFA-Präsidenten kann wohl keiner besser analysieren als Tognoni. Einen "Übergangskongress" nennt er die Wahl, verbunden mit dem verzweifelten Versuch, "die FIFA in einen Normalzustand zu versetzen".

"Jahrzehntelang im Sumpf"

Den Zustand des Fußball-Weltverbandes und die unglaublichen Schmiergeldskandale beschreibt er so: Man stecke weiter tief im Sumpf, "Jahrzehnte lang ging es wirklich um Millionenbeträge. Und, jahrzehntelang hat das funktioniert“. Bis Behörden verschiedener Länder (USA und Schweiz) eingriffen und skrupellose Schiebereien aufdeckten.

Was bedeutet es also für die Fußballbranche, dass der Blatter-Zögling Infantino gewonnen hat? Wäre Scheich Salman al Khalifa, der umstrittene Chef des asiatischen Verbandes, vielleicht die bessere Wahl gewesen? Keine Frage: Fundierter und spannender als Guido Tognoni wird das keiner erklären können.

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