Neue Namen, alte Mittel

Sport - Neue Namen, alte Mittel

Fünf Kandidaten für einen Posten: Den um die Nachfolge des scheidenden FIFA-Chefs Sepp Blatter. Wahlfavorit ist Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa aus Asien.

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Die FIFA will am Freitag nicht nur einen Präsidenten wählen, sondern auch Reformen beschließen. Der Wahlkampf funktioniert aber nach den Regeln der alten Fußball-Welt und ihrer gesperrten Alpha-Tiere Blatter und Platini – Reisediplomatie, Gekungel und Allianzen bestimmen das Bild.

Auf der kleinen Insel Robben Island vor Kapstadt könnte am Montag zum zweiten Mal Fußballgeschichte geschrieben worden sein. Vor fast fünfzig Jahren gründeten hier inhaftierte Mitglieder der südafrikanischen Widerstandsbewegung den ersten schwarzen südafrikanischen Fußballverband. Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela spielte zwar nicht mit, dafür war Staatspräsident Jacob Zuma linker Verteidiger.

Diesmal gab nicht die Basis der Fußballgemeinde den Ton an, sondern das Establishment. Der Präsident des südafrikanischen Fußballverbandes Tokyo Sexwale, der hier einst ebenfalls als Häftling einsaß, empfing seinen Mitbewerber um den Posten des neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino auf der symbolträchtigen Insel.

Allianzen vor der Ziellinie

Über die genauen Inhalte der Gespräche drang nichts nach außen - aber Gastgeber Sexwale, der im Rennen um die Blatter-Nachfolge als chancenlos gilt, gab selbst den präzisesten Hinweis: "Vor der Ziellinie wird es Allianzen geben. Ich bin offen für Allianzen, ich bin offen für Verhandlungen." Die anderen drei Kandidaten, Scheich Salman aus Bahrain, Prinz Ali aus Jordan und der Franzose Jerome Champagne sollen ebenfalls eingeladen gewesen sein.

Nutznießer dieser Offenheit könnte ausgerechnet der Kandidat sein, der nach der alten Macht-Arithmetik der FIFA hier in Afrika ein Auswärtsspiel gehabt hätte. "Nach den Diskussionen mit vielen afrikanischen Verbandspräsidenten bin ich sehr zuversichtlich“, sagte UEFA-Generalsekretär Infantino, der bislang lediglich als zweitaussichtsreichster Kandidat galt.

Umstrittenes Abkommen zwischen Asien und Afrika

Bislang galt als gesichert, dass die 54 afrikanischen Fußballverbände nahezu vollzählig für den Wahlfavoriten, Scheich Salman stimmen würden. Das hatte zumindest der Präsident der Afrikanischen Konföderation CAF und FIFA-Interimspräsident Issaa Hayatou erklärt, nachdem kurz zuvor ein Kooperationsabkommen der CAF mit dem asiatischen Dachverband AFC geschlossen worden war, dessen Präsident Salman ist.

Die Beteiligten am Deal bestritten zwar einen Zusammenhang zwischen dem Abkommen, das die gegenseitige Unterstützung bei der möglichen Austragung zukünftiger Turniere beinhaltet, und der Wahlempfehlung. Doch Mitbewerber Prinz Ali fordert von der Wahlkommission des Fußball-Weltverbandes eine Untersuchung des Deals. Nicht nur für ihn sieht er aus wie ein Direktimport aus der alten Blatter-Welt, in der sich der Präsident vor allem die Unterstützung der afrikanischen Verbände mit einem dichten Netzwerk von Kooperationen aller Art sicherte.

Infantinos Reisediplomatie

Um das Erbe der verwaisten Blatterstimmen nicht kampflos aufzugeben, betrieb der europäische Kandidat Infantino in den letzten Wochen eine Reisediplomatie, die keinen Vergleich mit der von Franz Beckenbauer vor der WM-Vergabe an Deutschland scheuen muss. Auf Kosten der UEFA jettete er über vier Kontinente.

Für die kleinen Verbände, deren Stimmen genauso zählen wie die der großen, hatte er vor allem die Aussicht auf weitere WM-Startplätze, Sitze im FIFA-Exekutiv-Komitee und eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe im Gepäck. Besser hätten das Blatter und der ebenfalls gesperrte ehemalige UEFA-Boss Michel Platini auch nicht hingekriegt.

Die Schatten des arabischen Frühlings

Zusätzlich spielt Infantino die Vergangenheit Salmans in die Karten. Er soll während des blutig niedergeschlagenen arabischen Frühlings in Bahrein 2011 und 2012 als damaliger Chef des Fußballverbandes davon gewusst haben, dass auch Mitglieder der Fußball-Nationalmannschaft gefoltert wurden. Salman bestreitet dagegen, dass überhaupt irgendein Spieler gefoltert wurde.

Aber auch Infantino geht nicht unbelastet in die Wahl am Freitag. Ihm wird vorgeworfen, als UEFA-Generalsekretär und treuer Diener seines damaligen Chefs Platini einst die Reformen hin zu mehr Transparenz und Machtbegrenzung bei der FIFA mit blockiert zu haben, die dem Weltverband nun zu neuer Reputation verhelfen sollen. Die Stimmen der europäischen sowie nord- und südamerikanischen Verbände hat er trotzdem zum großen Teil sicher.

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