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Corinne Blatter: "Mein Vater ist nicht korrupt“

Sport - Corinne Blatter: "Mein Vater ist nicht korrupt“

Der Sieger der FIFA-Präsidentschaftswahl ist der Schweizer Gianni Infantino. Der UEFA-Generalsekretär setzte sich gegen Scheich Salman aus Bahrain durch und wird Nachfolger von Joseph Blatter.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.02.2017, 22:00

In der Heimat des suspendierten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter hält man nach wie vor zum einstigen Fußball-Sonnenkönig. Viele drücken heute beim FIFA-Kongress dem Kandidaten Gianni Infantino die Daumen. Er stammt aus Sepp Blatters Nachbarstadt. Doch das "Wunder vom Wallis“ ist unwahrscheinlich.

Visp, eine kleine Stadt mit 7000 Einwohnern in den Walliser Bergen, hat durchschnittlich 250 Tage Sonne im Jahr. Im Dorfkern gibt es ein altes Haus mit einer großen Sonnenuhr, die auf Latein zu bedenken gibt: "Fürchte alle Stunden außer der einen (deines Todes).“ Ein Mann aus Visp, der keine Furcht zu haben scheint, ist Sepp Blatter. Er war lange Zeit so etwas wie der Sonnenkönig der FIFA.

Sepp Blatter hat die wichtigsten Staatsmänner der Welt getroffen und den Fußballverband in ein Milliardenimperium verwandelt. Nun wehrt er sich gegen Korruptionsvorwürfe. Die Ethik-Kommission hat ihn gesperrt. In seiner Heimat in Visp hingegen stärkt man Sepp Blatter größtenteils den Rücken.

"Der Sepp ist nicht überheblich“

Norbert Müller spielte vor 50 Jahren mit Sepp Blatter zusammen beim FC Visp Fußball. Auf seinen Mannschaftskameraden von einst lässt er nichts kommen: "Der Sepp ist offen, intelligent und ein guter Kollege. Und er ist das geblieben, trotz seines hohen Amtes. Er ist überhaupt nicht überheblich, im Gegenteil.“

Corinne Blatter, Sepp Blatters einzige Tochter, sorgt sich um das Andenken ihres Vaters. Interviews gibt sie keine mehr, zuletzt versicherte sie dem ARD-Studio Genf: "Mein Vater ist nicht korrupt. Er hat nie Geld angenommen. Da lege ich meine beiden Hände ins Feuer.“ Corinne Blatter weiß, wie die FIFA-Welt funktioniert. 1998 organisierte sie den ersten FIFA-Wahlkampf für ihren Vater.

Sauer auf die US-Justiz

Sauer ist sie vor allem auf die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch und auf die Schweizer Staatsanwaltschaft. Die habe sich vor den Karren der Amerikaner spannen lassen, schimpft Corinne Blatter: "Die amerikanische Justiz hat auf ihrem Kontinent die Arbeit nicht machen können, also haben sie gesagt, wir gehen in die Schweiz.“

Corinne Blatter ist froh, dass ihr Vater in Visp nach wie vor großen Rückhalt hat. Sie wünscht sich: "Er soll den jetzigen Tag leben. Think about today, forget about tomorrow and forget about the future”, sagt Corinne Blatter, die in Visp eine Sprachschule für Englisch betreibt. Sie sagt den Satz ganz ohne australischen Akzent, obwohl sie lange Zeit "down under“ gelebt hat.

Kritiker wollen Grundschule umbenennen

In seiner Heimat hat Sepp Blatter allerdings auch Kritiker. So wollen manche die nach ihm benannte Grundschule umbenennen. Die Forderung gab es früher schon einmal, allerdings nicht wegen des Korruptionsskandals: "2011 wurden auf Druck der FIFA dem im Wallis ansässigen FC Sion wegen Unkorrektheit bei einem Transfer 32 Punkte in der Schweizer Meisterschaft abgezogen“, erinnert sich Hans-Peter Berchtold, Sportchef der Lokalzeitung "Walliser Bote“. Als Blatter damals nach Visp kam, hagelte es Proteste. Doch die Schule wurde nicht unbenannt. Noch heute steht "Primarschulhaus Sepp Blatter“ in Großbuchstaben auf der Fassade. Daran hat auch die Entscheidung der Ethik-Kommission nichts geändert. Nach vorne schauen lautet in Visp die Devise.

Manche in Visp hoffen nun auf ein "Wunder vom Wallis“ und drücken Gianni Infantino die Daumen.

Der 45 Jahre alte UEFA-Generalsekretär hat sich für die Blatter-Nachfolge beworben. Infantino ist in Brig geboren, dem Nachbarort von Visp. "Obwohl Brig und Visp fußballerisch in der zweiten Regionalliga große Konkurrenten sind, wäre Infantino erneut ein Oberwalliser als FIFA-Präsident. Zwei Herrscher über den Weltfußball innerhalb von zehn Kilometern, das wäre doch eine einmalige Sache“, schwärmt der Sportreporter Berchtold. Doch das "Wunder vom Wallis“ ist unwahrscheinlich. Corinne Blatter, die erfahrene FIFA-Wahlkämpferin, tippt auf Scheich Salman: "Wenn Afrika und Asien zusammenziehen, dann hat es der Rest schwer.“

Corinne Blatter riet ihrem Vater, nach Brasilien-WM aufzuhören

Nach wie vor ist Sepp Blatter bei der FIFA gesperrt. "Aufgrund seiner großen Verdienste um die Entwicklung des Weltfußballs hätten wir uns für ihn einen würdigeren Abgang gewünscht“, sagt der Visper Gemeindepräsident Niklaus Furger. Sepp Blatter bereut inzwischen, dass er nach der Brasilien-WM nicht auf seine Tochter gehört hat und zurücktrat.

Für den einstigen Sonnenkönig der FIFA fällt nun die große Abschiedsfeier mit Glanz und Gloria aus. Doch Tochter Corinne bereitet dafür eine andere Party vor: Sepp Blatter wird am 10. März 80 Jahre alt. Angst vor dem Alter hat Sepp Blatter nicht. Vor dem Tod auch nicht. Er folgt dem Rat der Sonnenuhr in seiner Heimatstadt.

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