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FIFA will Schadenersatz von korrupten Funktionären

Sport - FIFA will Schadenersatz von korrupten Funktionären

Der Fußball-Weltverband hat erstmals eingestanden, dass es bei der Vergabe von Weltmeisterschaften Korruptionsfälle gegeben hat. Zugleich stellt die FIFA Schadenersatzforderungen gegen Ex-Funktionäre.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.03.2017, 12:00

Die FIFA hat bei den US-Behörden Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe gegen frühere Funktionäre des Weltverbandes eingereicht. Unter den vom Fußball-Weltverband der Korruption Beschuldigten sind Jack Warner, Chuck Blazer und Jeffrey Webb. Zugleich räumte die FIFA erstmals ein, dass bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 und 2010 Bestechungsgelder geflossen sind.

Die FIFA klagt die Korrupten an - die kriminellen Ex-Funktionäre sollen die Millionen-Zeche für den Skandal zahlen: Unter der Führung des neuen Präsidenten Gianni Infantino ist der
Fußball-Weltverband in die Offensive gegangen und fordert von seinen einstigen Strippenziehern Schadenersatz in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro. Die FIFA-Anwälte verschickten ein entsprechendes Gesuch kurz vor der letzten Sitzung des Exekutivkomitees am Donnerstag und Freitag an die New Yorker Staatsanwaltschaft.

Konkrete Vorwürfe gegen Jack Warner

In dem Schreiben wird die FIFA auch konkret:  So habe Gastgeber Südafrika vor der Vergabe der WM-Endrunde 2010 Bestechungsgelder in Höhe von zehn Millionen Dollar in die Karibik überwiesen.Wie seit langer Zeit vermutet, ist das Geld nun auch nach Ansicht der FIFA an die früheren Funktionäre Jack Warner (73), Chuck Blazer (70) und einen weiteren Offiziellen gegangen.  Demnach haben die beiden damaligen Mitglieder des Exekutivkomitees und ein weiterer Exko-Angehöriger das Geld im Gegenzug für ihre Stimmen zugunsten von Südafrika erhalten. Die Südafrikaner haben bisher stets bestritten, Bestechungsgelder gezahlt zu haben. Offiziell waren die zehn Millionen Dollar als Fußball-Entwicklungshilfe deklariert.

Jack Warner
Jack Warner Quelle: reuters

Der frühere FIFA-Vize Warner (Trinidad und Tobago), der auch im Skandal um die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland eine Schlüsselrolle spielen soll, hat laut der FIFA zudem vor der Vergabe der WM 1998 Bestechungsgelder angenommen. Allerdings nicht vom späteren Gastgeber Frankreich, sondern vom unterlegenen Bewerber Marokko. Laut der FIFA hätten es die Marokkaner im Vorfeld der WM-Vergabe 2010 erneut bei Warner und Blazer (USA) mit einem Bestechungsgeld in Höhe von einer Million Dollar versucht, seien damit aber gescheitert. Auch bei der Wahl des FIFA-Präsidenten im Jahr 2011 habe sich Warner bestechen lassen, als er dafür sorgte, dass Kandidat Mohamed Bin Hammam die Stimmen des karibischen Fußballverbandes bekam.

Vertrauenspositionen missbraucht

"Die Angeklagten habe ihre Vertrauens-Positionen bei der FIFA sowie in anderen internationalen Fußball-Organisationen missbraucht. Sie verursachten damit massiven und andauernden Schaden für die FIFA, ihre Mitgliedsländer und die Fußballgemeinschaft", sagte Infantino (45): "Die Gelder, die sie eingesteckt haben, standen dem Fußball in der ganzen Welt zu. Sie waren für die Entwicklung und Förderung des Spiels gedacht. Die FIFA fordert das Geld zurück und wir sind entschlossen, es zu bekommen - ganz egal, wie lange es dauern wird."

In ihrem Schreiben beruft sich die FIFA ausdrücklich auf ihr Recht als Opfer-Organisation, die jahrzehntelang unter den Machenschaften der Täter gelitten habe. Der Weltverband richtet sich dabei nach geltendem US-Recht.

41 Angeklagte

Ex-Präsident Joseph S. Blatter (80), der in der Schweiz bislang nur angezeigt ist, kann deshalb (noch) nicht Teil des Verfahrens sein. Der suspendierte UEFA-Chef Michel Platini (60) ist bislang sogar nur Zeuge. Sollten Blatter und Platini angeklagt werden, will die FIFA auch in der Schweiz ihre Rechte wahren.

Gianni Infantino bei der PK nach der Wahl
Gianni Infantino Quelle: dpa

Angeklagt sind in den USA 41 Personen aus dem schmutzigen FIFA-Dunstkreis. Das Recht auf Schadenersatz hat der Weltverband bei denen, die sich bereits schuldig bekannt haben, dies noch tun oder rechtskräftig verurteilt sind. 171 Millionen Euro sind bislang als Strafzahlungen von den Ex-Funktionären an die US-Justiz geleistet wurden, 90 Millionen Euro liegen auf eingefrorenen Konten - Geld, das die FIFA nun zumindest in Teilen einfordert. Bislang steht die Rechnung bei mindestens 50 bis 60 Millionen Euro. Tendenz: rasant steigend.

"Fans auf der ganzen Welt beraubt"

"Die Angeklagten beraubten nicht nur die FIFA, sondern auch Spieler, Trainer und Fans auf der ganzen Welt, die von den FIFA-Programmen profitieren", äußerte Infantino, der noch deutlicher wurde: "Diese Gelder waren dafür bestimmt, um Plätze zu bauen - und nicht Villen oder Pools. Mit den Geldern sollte Fußball-Ausrüstung gekauft werden - und nicht Juwelen und Autos. Die Gelder waren für Jugendspieler und Trainerausbildung gedacht - und nicht um verschwenderische Lebensstile zu finanzieren. Wenn die FIFA dieses Geld zurückbekommt, wird es direkt für den ursprünglichen Zweck verwendet - für die Förderung und Entwicklung des Fußballs."
Zu den Kriminellen, die ihre Taten bereits gestanden haben, gehören prominente Namen wie der von Whistleblower Chuck Blazer, Daryan Warner, Sohn von Skandalfunktionär Jack Warner, und Jeffrey Webb. Zu Dutzenden sitzen noch Angeklagte in Haft oder zittern vor der Auslieferung in die USA.

Schwarze Kassen und Bestechung

Beim Ex-Boss des Kontinentalverbandes für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik CONCACAF fordert die FIFA schnelles Eingreifen: Webb feierte zuletzt eine ausufernde Geburtstagsparty für seine Frau. Einen entsprechenden Bericht inklusive eines Bildes von Webb am Pokertisch schickte die FIFA gleich mit an die US-Justiz. Es müsse zwingend nochmals geprüft werden, ob Webb sein Vermögen tatsächlich korrekt angegeben hat - oder ob der auf Kaution freigelassene Ex-Funktionär derzeit Geld verschleudert, das eigentlich der FIFA gehören sollte.

Die FIFA bezieht sich in der Schadenbemessung, die längst noch nicht abgeschlossen ist, auf die finanziellen Einbußen durch jahrelang gezahlte Gehälter und Prämien sowie in private Taschen und schwarze Kassen umgeleitete (Bestechungs-)Gelder. Dazu gehört auch die dubiose Zahlung von zehn Millionen Dollar aus Südafrika Richtung Karibik, die von der FIFA nun endgültig als Mittel zum Stimmenkauf für die WM 2010 eingestuft werden.

Beginn der Vergangenheitsbewältigung

Auch sei das Ansehen des Weltverbandes durch die dunklen Machenschaften schwer geschädigt worden, ebenso die Marke an sich und die Geschäftsbeziehungen. Erheblich ins Geld gingen für den Weltverband auch die Anwälte der Kanzlei Quinn Emanuel, die den Weltverband im vergangenen Horror-Jahr verwalteten und nun die Anklageschrift führen.

Der Zeitpunkt passt perfekt: Nach der Exko-Sitzung wird Infantino aller Voraussicht nach für die Finanzperiode bis 2018 ein Minus von 550 Millionen Dollar verkünden müssen - die Rücklagen von gewaltigen 1,5 Millionen Dollar werden schrumpfen. Allerdings wird
der Schweizer dann die meistgestellte Frage der vergangenen Jahrzehnte beantworten können. Knapp einen Monat nach dem endgültigen Ende der Ära Blatter wird das Gehalt des früheren FIFA-Bosses offengelegt. Es ist der nächste Schritt der langwierigen
Vergangenheitsbewältigung.

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