FIFA WM 2018

Harmonie und Ausgewogenheit

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Harmonie und Ausgewogenheit

Joachim Löw hat bei der Wahl seines 23-Mann-Kaders das große Ganze im Blick

Auf Bernd Leno, Jonathan Tah, Nils Petersen und Leroy Sané verzichtet Joachim Löw bei der Mission Titelverteidigung. Der Bundestrainer hatte für die WM 2018 in Russland allein das große Ganze im Blick.

Bundestrainer Joachim löw trinkt vor der finalen Bekanntgabe des WM-Kaders einen Espresso
Bundestrainer Joachim Löw bei der finalen Bekanntgabe des WM-Kaders
Quelle: reuters

Bei Sonneneinstrahlung und Flutlicht wirkt die Sportzone Rungg in Girlan noch ein bisschen beeindruckender als ohnehin schon. Alles bestens gepflegt, alles auf neuestem Stand. Am Montagmorgen schütteten die Arbeiter das frisch gemähte Gras aus Plastikkästen in große Container – obwohl die deutschen Nationalspieler am Montag kurzfristig trainingsfrei bekamen, musste alles seine Ordnung haben.

Vier Kicker werden die akkurat gepflegten Rasenflächen ab sofort nicht mehr betreten. Zur Mittagszeit verkündete Joachim Löw – nachdem er am obligatorischen Espresso genippt hatte - die Namen jenes Quartetts, dass es nicht auf die 23er-Kaderliste für die WM schaffte: Bernd Leno, Jonathan Tah, Nils Petersen und Leroy Sané.

Wie ein Passagier am Check-in

„Es gibt sicherlich deutlich schönere Tage im Leben eines Bundestrainers, wenn man vier so tolle Spieler nach Hause schicken muss“, beteuerte der 58-Jährige und wählte den Vergleich vom Passagier, „dem beim Check-In am Schalter vor dem Flug nach Moskau gesagt wird, dass er nicht in die Maschine einsteigen darf.“ Die Entscheidung sei wahnsinnig knapp gewesen; „wie bei einem 100-Meter-Lauf, wenn das Zielfoto helfen muss“.

Vor allem die Ausbootung des bei Manchester City hoch geschätzten und erst 22 Jahre alten Außenspielers Sané gilt als Paukenschlag. Die Positionen seien durch Thomas Müller und Marco Reus gut besetzt, Julian Draxler habe große Fortschritte gemacht, erklärte Löw nach dem Verlassen des Pressezeltes in der Sportzone Rungg. „Es war eine sehr knappe Entscheidung zwischen Leroy Sané und Julian Brandt.“ Doch der Kader müsse ausgewogen besetzt sein. „Wir konnten nicht auf der Verteidigerposition noch jemand wegnehmen, um offensiv einen Spieler mehr zu haben.“

Für Trapp spricht die größere Harmonie

Weniger Diskussionen als beim zum besten Jungprofi der englischen Premier League gewählten Sané bringt der Verzicht auf die drei anderen Akteure. Durch die Gesundung von Manuel Neuer musste ein Torwart noch weichen. Leno und Kevin Trapp hätten sich auf Augenhöhe bewegt, erklärte Löw. Was letztlich neben den von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke angeführten Trainingsleistungen den Ausschlag gegeben haben könnte: Trapp, bei Paris St. Germain allein im Pokal eingesetzt, gilt als integrer Charakter, während Leno in Juniorenzeiten unter DFB-Obhut mit der aktuellen Nummer zwei Marc-André ter Stegen häufig aneinandergeriet. Da hat wohl der Harmoniefaktor den Ausschlag gegeben.

Weder Petersen noch Tah sind überrascht

Anders verhält sich der Fall bei Nils Petersen, den Löw nicht nur in zwischenmenschlicher Hinsicht schätzen gelernt hat. Nur: „Die Zeit war aber für ihn relativ knapp. Er hat seine Qualitäten, aber Mario Gomez ist sehr gut in Form, wirkt  körperlich sehr präsent. Ich musste mich auf dieser Position entscheiden, wer neben Timo Werner mitgehen darf.“ Der 29-jährige Torjäger des SC Freiburg hatte nach seinem Länderspiel-Debüt selbst bedauert, nicht mehr Argumente für eine Nominierung liefern zu können.

Ebenfalls eine Vorahnung hatte den gegen Österreich nicht eingesetzten Abwehrspieler Jonathan Tah beschlichen. Der 22 Jahre alte Profi von Bayer Leverkusen war lediglich „als Backup für Jerome Boateng“ (Löw) gedacht. Der Abwehrmann vom FC Bayern wird am Dienstag nun wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen.

Das große Ganze im Blick

Löw wirkte wie einer, der ohnehin nur das große Ganze im Blick hat und für den WM-Auftakt gegen Mexiko (17. Juni) voll im Plan liegt. Und dass die Kaderzusammenstellung für Russland nicht das Binnenklima gefährdet, verdeutlichte Kapitän Manuel Neuer mit der Nachricht, „dass in den Gruppenchat jeder reingeschrieben und uns Glück gewünscht hat“. Für den Bundestrainer steht nun der aus seiner Sicht „ausgewogene und für alle Eventualitäten gewappnete“ WM-Kader, der sein letztes Testspiel am Freitag in Leverkusen gegen Saudi-Arabien bestreitet.

„In einigen Bereichen müssen wir noch intensiv arbeiten, denn in Klagenfurt ist einiges nicht so gelaufen wie gedacht.“ Gerade der Abfall in Sachen Dynamik und körperliche Präsenz, sagte Löw, sei vorhersehbar gewesen. Sein Versprechen: „Wir werden noch einen Schritt nach vorne machen.“ Bereits noch in Südtirol auf Rasenplätzen, in denen dem Augenschein nach kein Halm krumm wächst.

Joachim Löw

FIFA WM 2018 - Ohne Leno, Petersen, Sané und Tah zur WM

Bundestrainer Joachim Löw hat seinen finalen Kader für die WM in Russland bekanntgegeben. Die größte Überraschung: Neben Bernd Leno, Jonathan Tah und Nils Petersen gehört auch Leroy Sané nicht zum 23-Mann-Aufgebot des DFB.

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