FIFA WM 2018

Reus: "Habe hart für die WM gearbeitet"

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Reus: "Habe hart für die WM gearbeitet"

Nach langer Leidenszeit steht der Dortmunder vor seiner ersten WM-Teilnahme

Sport | FIFA WM 2018 - Reus: "Habe hart für die WM gearbeitet"

Im Interview mit Thomas Skulski spricht Nationalspieler Marco Reus über die verpasste WM 2014 und seine Vorfreude auf das Turnier in Russland. Dort soll der Dortmunder endlich ein wichtiger Faktor im DFB-Team werden.

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Rakete Reus soll zünden

Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet am Freitag (19.30 Uhr / ARD) gegen den WM-Teilnehmer Saudi-Arabien in Leverkusen ihre Generalprobe. Ein wichtiger Faktor in Russland soll dann endlich einmal Marco Reus werden, der dort seine erste WM spielen würde.

Es sieht mitunter immer noch ulkig aus, wenn die deutschen Nationalspieler in der Sportzone Rungg ihr Aufwärmprogramm bestreiten. Da lassen sich die Torhüter an farbige Gummibänder festbinden und versuchen in die Luft zu hüpfen, während nebendran die Feldspieler schwere Schlitten über den gepflegten Rasen ziehen. Gerne im Stechschritt mit angezogenen Knien und zackigen Armbewegungen. Der Eindruck täuscht an den meist sonnigen Tagen im Trainingslager in Südtirol nicht: Marco Reus absolviert mit Akribie alle Übungen. Topfit.

Voller Tatendrang und Zuversicht.

Kaum zu glauben, dass der Topstar von Borussia Dortmund vor seiner ersten WM steht. „Wir hoffen alle, dass er die Woche übersteht“, hatte Bundestrainer Joachim Löw am Freitag vergangener Woche vor dem ersten Test gegen Österreich (1:2) gesagt. Reus kam in Klagenfurt als Einwechselspieler das erste Mal seit dem 29. März 2016 wieder zum Einsatz. Vor seinem 30. Länderspiel lag eine Pechsträhne mit so vielen Auszeiten, dass die Absenz bei der DFB-Auswahl nur folgerichtig war.

Und dann gibt es ja immer noch die tragische Geschichte, als sich der Hoffnungsträger am 6. Juni 2014 kurz vor der Abreise zur WM in Brasilien beim Benefizspiel gegen Armenien (6:1) das Syndesmoseband riss. Zwei Jahre später widerfuhr dem Flügelflitzer ähnliches: Auch die EM in Frankreich musste Reus wegen einer Schambeinentzündung absagen.

„Wenn etwas passiert, dann passiert es“

„Wenn es 2014 Schicksal war, dann war es so. Aber deswegen kommt 2018 nicht alles besser zurück – ohne harte Arbeit funktioniert es nicht“, weiß der 29-Jährige, der im Trainingslager mehr getan als die meisten Kollegen. Er wirkt ein bisschen muskulöser als früher, denn ein kleiner Schutzpanzer kann für einen Könner, der mit so viel Tempo und Finesse seine Gegenspieler stehen lässt, gewiss nicht schaden.

Plakat von Marco Reus
Plakat von Marco Reus
Quelle: dpa

Wenn Deutschland am Freitag (19.30 Uhr) in Leverkusen gegen Saudi-Arabien die WM-Generalprobe bestreitet, welche Rolle spielt dann seine eigene Vita? „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich denke da nicht dran. Aber es ist nicht so, dass ich deswegen nicht in einen Zweikampf gehe. Ich weiß aus meiner Erfahrung: Wenn etwas passiert, dann passiert es. Ich spiele einfach meinen Stiefel runter“, sagte am Dienstag beim Medientag, als sich um die deutsche Nummer elf fast ein Dutzend Journalisten gruppierten, während am Nachbartisch von Matthias Ginter zeitweise die Stühle fehlten.“

Bei der EM 2012 nicht mal Stammspieler

Der Bundestrainer hat zuletzt von der „Rakete“ Reus gesprochen, was der gebürtige Dortmunder erfreut registriert hat. In seiner Vita steht nur die EM-Teilnahme 2012, als er noch kein Stammspieler war: Im Viertelfinale gegen Griechenland (4:2) noch auf dem Platz, durfte er im Halbfinale gegen Italien (1:2) nur zuschauen. Eine Weltmeisterschaft sei noch was anderes als eine Europameisterschaft, sagt Reus: „Alles ist noch ein bisschen größer, die Leistungsdichte noch höher: Ich freue mich darauf.“

Seine lange Leidenszeit habe ihn nicht ernsthafter, sondern eher lockerer gemacht; weil er inzwischen weiß, wann er selbst den Fokus für sich finden muss. Das Turnier in Russland könnte nach einer Saison, in der der Unterschiedsspieler Reus erst ab dem 22. Spieltag zum Einsatz kam und in der Bundesliga noch sieben Tore erzielte, genau zum richtigen Zeitpunkt kommen.

Gedanken gehen über den Fußball hinaus

„Ich habe den Anspruch an mich, der Mannschaft auf dem Platz zu helfen – und ich kann der Mannschaft helfen.“ Auf der linken Außenbahn, aber auch zentral hinter den Spitzen kann er spielen. Seine Stärken beschreibt er so: „Läufe in die Tiefe machen, Chancen kreieren, Torabschluss – aber das bringen alle anderen Offensivspieler auch ein, sonst wären sie nicht hier.“

Dass mit Leroy Sané der ärgste Konkurrent ausgebootet wurde, hat auch Reus gewissermaßen überrascht, aber jede Überheblichkeit geht ihm aufgrund der eigenen Vita ab. „Ich hatte genug Zeit, um über mein Leben nachzudenken. Natürlich ist das unser Job und wir verdienen auch eine Menge Geld, aber grundsätzlich gibt es viele Dinge, die wichtiger sind als Fußball.“

Ihn hat vor 20 Jahre Zinedine Zidane beeindruckt

Ihm ist anzumerken, dass ihm der Blick in die Zukunft mehr liegt als die Betrachtung der Vergangenheit. Die erste WM hat er im Kindesalter wahrgenommen, als der Stern von Zinedine Zidane bei der WM 1998 in Frankreich erstrahlte. „Das hat mich geprägt.“ Unweigerlich kommt die Frage auf, wie er denn vor vier Jahren den vierten deutschen WM-Titel erlebt hat. „Ich war im Urlaub.“

Natürlich hat er sich auch das Finale angeschaut, „aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich früh ins Bett gegangen bin.“ Erst am Morgen danach habe er erfahren, dass der Siegtorschütze gegen Argentinien, sein Freund Mario Götze, sogar ein Reus-Trikot in die Kameras hielt. „Da habe ich mich gleich bedankt.“ Nun ist der Kumpel und Klubkollege derjenige, der die WM 2018 aus der Ferne erlebt. Die Geschichte wäre richtig rund, würde Reus nun die Heldenrolle von Götze übernehmen.

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