FIFA WM 2018

Der Kampf gegen den Titel-Fluch

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Der Kampf gegen den Titel-Fluch

WM 2018: DFB-Elf vom Jäger zur Gejagten

Weniger Tage vor dem Beginn der Fußball-WM hat Bundestrainer Joachim Löw ein paar Sorgenfalten mehr bekommen.

Testspiel gegen Saudi Arabien
Quelle: ZDF

Es gibt ja aufmerksame Beobachter bei der deutschen Nationalmannschaft, die bei Joachim Löw immer mal wieder über das scheinbar unveränderte Erscheinungsbild staunen. Was so nicht stimmt: Der Bundestrainer tut einiges für seine Ertüchtigung - wie zuletzt im Trainingslager in Südtirol - doch geht der Alterungsprozess nicht am 58-Jährigen vorüber.

Die Jäger sind die Gejagten

Die vielen Rückblicke auf die vergangenen WM-Turniere zeigen die Veränderungen an Löw selbst eindrucksvoll. 2006 bei der Heim-WM in Deutschland als Assistent von Jürgen Klinsmann wirkt er fast noch blutjung, 2010 in Südafrika bei seiner ersten WM als Chef sitzt er fast unverändert auf dem Podium. 2014 in Brasilien sieht das Gesicht schon reifer, aber selbst im Gewitterregen von Recife noch tiefenentspannt aus.

Löw hat kürzlich erzählt, warum 2018 alles anders ist – und auch bei ihm vielleicht das eine oder andere Sorgenfältchen dazu gekommen ist. „Der Druck ist generell immer groß, wenn Deutschland zu einem Turnier fährt. Weil, alle wollen ja irgendwie in Deutschland, dass man ins Halbfinale, Finale kommt, möglichst den Titel mit nach Hause bringt. Aber ein Unterschied zu 2014 ist schon gegeben. In Brasilien sind wir so ein bisschen mitgelaufen mit einigen anderen. Wir konnten uns in das Turnier so langsam ein bisschen reinspielen.“

Doch aus dem Jäger sind die Gejagten geworden. Weltmeister, Confed-Cup Sieger, Qualifikation mit zehn gewonnenen Spielen: „Jetzt ist natürlich klar: Deutschland gehört irgendwie jetzt mal vom Thron gestoßen.“ Eine Mission Titelverteidigung, neuerdings unter einem Slogan „ZSMMN nach dem Stern greifen“ gebündelt, ist schnell ausgerufen, aber die WM-Historie spricht eine ganz andere Sprache: 2006 war für Brasilien im Viertelfinale Schluss, 2010 ging Italien in der Vorrunde baden und 2014 hatte Spanien nach zwei Partien alles verspielt. Der Fluch des Weltmeisters.

Spanien als warnendes Beispiel

Die Spanier sind insofern ein warnendes Beispiel, weil Löw bei aller Wertschätzung für den Kollegen Vicente del Bosque immer wieder angemahnt hat, der zweifache Europameister und Weltmeister habe damals den Umbruch verpasst. Aus Sicht von del Bosque seien die Unterschiede inzwischen so gering, dass „eine Hegemonie über vier oder acht Jahre äußerst schwierig wird.“

Löw steuerte insofern gegen, dass er vor allem in den Freundschaftsspielen selbst gegen Frankreich, Spanien oder Brasilien extrem viel experimentiert hat und den Confed Cup im vergangenen Jahr mit der B-Besetzung bestritt.

Neun Weltmeister noch im Kader

Der Triumph gab ihm Recht - und die Leistungsdichte die Freiheit, letztlich sogar seinen Finaltorschützen aus Rio de Janeiro, Mario Götze, ohne größeres Wehklagen der Öffentlichkeit zuhause zu lassen. Über Spieler wie André Schürrle, Benedikt Höwedes oder Shkodran Mustafi redet gar keiner mehr. Und der „Rookie of the year“, der beste junge Spieler der Premier League, Leroy Sané, rauschte durchs Rüttelsieb, weil er Löws Warnschüsse im Vorlauf nicht hören wollten.

Neun Weltmeister hat der Badener noch im Kader, und wenn Mesut Özil rechtzeitig fit wird, könnten acht davon gleich im ersten WM-Gruppenspiel gegen Mexiko (Sonntag 17 Uhr/ZDF) in der Startelf stehen. Nur die Außenverteidiger Joshua Kimmich und Jonas Hector sowie Stürmer Timo Werner wären neu. Löw allerdings denkt so nicht. „Die Mannschaft, die im ersten Spiel spielt, spielt nicht das ganze Turnier durch. Wichtig ist, dass wir Leute haben, die von der Bank für Entscheidungen sorgen können und Impulse geben.“

Bloß kein Achtelfinale gegen Brasilien

Doch zuletzt gab es eher Störfeuer zu bekämpfen. Die Debatte um Ilkay Gündogan und Özil und ihre Zugehörigkeit zum großen Ganzen ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nicht losgeworden. Auch die salbungsvollen Sätze, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend sprach („Ich finde, wir brauchen jetzt alle, damit wir gut abschneiden, deshalb würde ich mich freuen, wenn mancher Fan auch klatschen könnte"), ändern nichts daran, dass viel Porzellan zerschlagen worden ist, weil die beiden türkischstämmigen Nationalspieler vor einem Monat dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ihre Trikots überreichten.

Es kommt insofern zur Unzeit, weil die Mannschaft noch nicht den Fokus gefunden hat. Die Testspiele gegen Österreich (1:2) und Saudi-Arabien (2:1) müssen die letzten Warnschüsse gewesen sein. Und Löw sagt ja selbst: „Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft.“ Trotzdem muss die Qualität ausreichen, um die Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea schadlos zu überstehen. Danach setzt ohnehin das freie Spiel der Kräfte ein. Bei unglücklicher Fügung ist schon im Achtelfinale eine Begegnung mit dem Rekordweltmeister Brasilien möglich; vorausgesetzt einer der Topfavoriten schludert und wird Gruppenzweiter.

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