FIFA WM 2018

WM ohne die USA - ein Problem für Fox

Sie sind hier:

WM ohne die USA - ein Problem für Fox

TV-Sender will mit Kampagne Begeisterung schüren

Was tun, wenn man die Übertragungsrechte für die Fußball-WM teuer erworben hat, aber die eigene Mannschaft gar nicht dabei ist? Was tun, wenn Fußball im eigenen Land ohnehin nur Randsport ist? Der US-Sender Fox Sports versucht, Antworten zu finden.

1:2 gegen Trinidad & Tobago - das WM-Aus für die USA.
1:2 gegen Trinidad & Tobago - das WM-Aus für die USA. Quelle: imago

Gut möglich, dass am Mittwoch schon alles anders ist. Dass die Mehrheit der stimmberechtigten Länder beim Kongress des Fußball-Weltverbandes FIFA in Moskau für die Gemeinschaftsbewerbung von Mexiko, den USA und Kanada votieren - und die Vereinigten Staaten somit 2026 zum zweiten Mal nach 1994 WM-Gastgeber werden. Denn 60 der 80 Turnierspiele würden zwischen New York und Los Angeles ausgetragen werden. Die Nachbarländer Mexiko und Kanada sind, genau genommen, nur Beiwerk - und dürfen sich über einige Vorrunden-Partien freuen. 

WM wird am Durchschnittsbürger vorbeigehen 

Gut möglich also, dass der Soccer in den USA wieder etwas in den Mittelpunkt rückt - bevor er dann erneut in sein Nischendasein verschwindet, über das er auch 2018 in der Heimat von American Football, Basketball und Baseball immer noch nicht hinauskommt. Man muss über keinerlei hellseherische Fähigkeiten verfügen, um zu erahnen, dass die WM in Russland den Durchschnitts-Amerikaner nicht interessieren, ihn sogar kaum erreichen wird. 

Wie auch? Die US-Nationalmannschaft ist erstmals seit 1986 nicht dabei. Ein Unentschieden beim Tabellenletzten Trinidad und Tobago hätte zum Abschluss der Qualifikation zur Reise nach Russland gereicht. Doch diese Hürde war zu hoch. Die USA verloren 1:2 - und somit spielt Panama nun erstmals bei einer WM. Die Fußball-Fans in den USA werden natürlich trotzdem in den kommenden Wochen einschalten. Sie werden die Messis, Ronaldos und Neuers dieser Welt bewundern. Doch wer sich eben nicht für Soccer interessiert - und das ist die Mehrheit - an dem wird dieses Turnier da irgendwo im fernen Russland vorbeigehen. 

Vom Schnäppchen zum Ladenhüter?

2014 waren die US-Fans noch voll dabei.
2014 waren die US-Fans noch voll dabei. Quelle: imago

Und genau das ist das Problem von Fox Sports. Der TV-Sender hatte Kontrahent ESPN ausgestochen, sich für rund 200 Millionen Dollar die Übertragungsrechte gesichert - und somit anscheinend ein Schnäppchen gemacht. Denn bei der WM vor vier Jahren gab in den USA tatsächlich so etwas wie Fußballbegeisterung. Erstmals in der Geschichte des Landes trafen sich Menschen in den Großstädten zum Public Viewing. Bis zu 25 Millionen verfolgten die Spiele der von Jürgen Klinsmann trainierten US-Mannschaft. “I believe that we will win”, hallte es über Marktplätze, durch Parks und Häuserschluchten. Der Glaube an etwas Großes vereinte die Fans - und erreichte sogar jene, die sonst nicht viel mit diesem Sport anzufangen wissen. 

Doch diesmal gibt es für die USA sportlich eben nichts zu gewinnen. Fox Sports muss diese WM aber trotzdem irgendwie vermarkten. Und da kam den Verantwortlichen eine Idee, die schon reichlich verzweifelt anmutet - und wie der berühmte Griff nach einem rettenden Strohhalm klingt. “Root for your roots”, lautet der Slogan, mit dem der Fernsehsender für die Weltmeisterschaft wirbt. Darin erfahren die Menschen, dass sie “durch ihre DNA mit dieser WM verbunden sind.” 

Erbgut-Tester hilft bei Suche nach eigenen Wurzeln 

Man solle also das Land unterstützen, in dem man seine Wurzeln habe. Denn laut Fox Sports hätten bei einer Umfrage 76 Prozent angegeben, dass sie "mehr WM-Spiele gucken würden, wenn ein Land ihrer Vorfahren dabei wäre". Um es nun den Menschen im Einwanderungsland USA leichter zu machen herauszufinden, aus welchem Winkel der Welt ihre Vorjahren einst kamen, hat sich der Fernsehsender mit einem Erbgut-Tester zusammengetan, der anhand einer Speichelprobe die DNA ermittelt - und so, wie es im Werbespot heißt, einem helfe, das entsprechende Team zu finden. 

 Und dann holen sie - typisch amerikanisch - ganz weit aus. Selbst, wenn man die Sprache nicht spreche, noch nie in dem Land seiner Vorfahren gewesen sei oder die Helden der jeweiligen Nation nicht kenne - so sei man doch durch seine DNA mit einem WM-Teilnehmer verbunden, heißt es in dem Werbefilmchen. Robert Gottlieb hält die Kampagne für einen “kreativen Weg, um zusätzliche Fans zu ermuntern, das wunderbare Spiel begeisternd anzunehmen, ein zweites Team zu entdecken und zu unterstützen.” Er arbeitet im Marketing von Fox Sports. Er muss dies natürlich sagen.

49,2 Mio Amerikaner haben deutsche Vorfahren 

Bei der bislang letzten Volkszählung im Jahr 2010 gaben 49,2 Millionen Menschen an, deutsche Vorfahren zu haben. Sie bildeten mit Abstand die größte Gruppe. Vielleicht erhalten Joachim Löw und sein Team also demnächst etwas mehr Unterstützung aus den USA. Probleme haben hingegen die 17,6 Mio US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln. Italien ist erstmals seit 1958 nicht bei einer WM dabei. 

Ob die Rechnung von Fox Sports letztlich aufgeht, ist zu arg bezweifeln. Nicht nur, weil diesmal kein US-Team spielt, sondern weil die Partien in Russland mitunter in der amerikanischen Nacht oder am frühen Morgen ausgetragen werden. Von Moskau sind es bis zur US-Ostküste sieben und rüber nach Kalifornien sogar zehn Stunden Zeitunterschied. Und eines ist noch wichtig: Die Amerikaner mögen aufgrund ihrer DNA zwar Deutsche, Mexikaner oder auch Italiener sein - doch sie sind eben zu allererst Amerikaner. Sie berauschen sich an ihrem Land, an ihrem Nationalstolz - und vor allem an sich selbst.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.