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Baku - ein ganz spezieller Kurs im Formel-1-Zirkus

Formel 1 - GP von Aserbaidschan

Zum zweiten Mal ist die Formel 1 auf dem Stadtkurs von Baku zu Gast (Start: So., 15 Uhr). Auf einer ganz besonderen Strecke – und in einer sehr speziellen Stadt.

Formel 1 – Strecke in Baku
Formel-1-Strecke in Baku Quelle: imago/HochZwei

Monaco steht für Glanz und Glamour, das Treffen der Schönen und Reichen – und für eine Strecke, auf der Überholen praktisch unmöglich ist. Singapur für den besonderen Charme eines Nachtrennens, für spektakuläre Bilder, für ein 2-Stunden-Rennen in tropischer Hitze und Schwüle, das den Fahrern alles abverlangt. Und Baku, das neueste Rennen im Formel-1-Kalender auf einem echten Stadtkurs? Vor allem einmal für eine ganz spezielle Kulisse. Für eine Stadt, die durch ihre sehr unterschiedlichen Aspekte eine besondere Faszination aufweist. Eine Mischung aus Dubai und Istanbul, mit dem ein oder anderen russisch-sowjetischen Einsprengsel aus der Vergangenheit, von der historischen Altstadt bis zu einem hyper-modernen Kulturzentrum, geschaffen von Startarchitektin Zaha Hadid.

Enge Kurven, lange Gerade

Formel 1 - Streckenabschnitt Baku Altstadt
Formel-1-Streckenabschnitt in der Altstadt von Baku Quelle: imago/Thomas Melzer

Und für eine Strecke mit einer ganz eigenen Charakteristik und der Besonderheit, 28 Meter unter Meeresspiegel zu liegen – womit sie die tiefstgelegene Strecke im Formel-1-Zirkus ist. Dazu mit extrem engen Passagen um die Altstadt, mit einer über zwei Kilometer langen Geraden, mit Spitzengeschwindigkeiten von an die 350 km/h und einem Schnitt von über 200 km/h. Ganz besonders eng ist die Einfahrt rund um den Altstadt-Bereich, Kurve acht, und die folgende Kurvenkombination. „Monaco ist nichts dagegen“, sagt Nico Hülkenberg. In diesem Jahr mit den breiteren und schwerer zu fahrenden Autos dürfte diese Streckenpassage die Piloten vor noch größere Herausforderungen stellen als bei der Premiere 2016.

Als besonders unfallträchtig erwies sich aber damals schon eine andere Stelle: Die Kurve 15, auch noch im Altstadt-Bereich, nicht gerade langsam, blind über eine leichte Kuppe, dann stark bergab, mit einer etwas merkwürdig platzierten Auslaufzone. Dort büßte damals Lewis Hamilton schon im Qualifying alle Chancen ein, als er, auf dem Weg zu einer fast sicheren Pole Position, mit einer halben Sekunde Vorsprung, seinen Mercedes in die Mauer setzte. Nach viel Chaos in den Trainings und den Rahmenrennen verlief der Grand Prix damals übrigens komplett unspektakulär, ohne größere Zwischenfälle – weil offensichtlich alle Fahrer gewarnt waren und ungewöhnlich vorsichtig zu Werke gingen. Galt doch vor dem Start bei vielen Teams die Ansage: „Wir müssen nur durchfahren, dann kommen wir automatisch in die Punkte.“ Was sich dann angesichts der allgemeinen Zurückhaltung als Irrtum erwies. „Bestimmt haben heute viele Leute Geld verloren, weil sie auf ein Safety-Car gewettet haben", witzelte Sebastian Vettel damals.

Noch kein Zuschauermagnet

Lediglich die Zuschauerzahlen in Baku entsprechen nicht dem Niveau der anderen spektakulären Stadtrennen. Allerdings sieht das Konzept des Veranstalters da auch von Anfang an anders aus. Die Tribünen sind nur auf 30.000 Besucher ausgelegt, das Rennen ist mit Sicherheit in erster Linie ein Event für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Elite des Landes, eine große Motorsportbegeisterung bei der Normalbevölkerung ist – mangels Tradition – nicht wirklich vorhanden. Außerdem sind da die hohen Eintrittspreise auf durchaus „normalem“ europäischem Niveau ein Hindernis. Vor allem, weil es der hiesigen Mentalität und Kultur eigentlich zuwider läuft, für eine Sportveranstaltung Eintritt bezahlen zu müssen. Bei vielen anderen Events, bis hin zu Weltmeisterschaften etwa im Ringen oder Boxen, die hier in der Vergangenheit auch schon stattfanden, sorgte die Regierung dafür, dass die Bevölkerung umsonst zuschauen konnte.

Eine Bevölkerung, die dem Formel-1-Zirkus zwar noch ein bisschen fremdelnd gegenübersteht, sich aber jetzt über die vielen ausländischen Touristen freut, die wegen des Grand Prix in die Stadt kommen und die generell versucht, so hilfsbereit und freundlich wie möglich zu sein. Und die die politische Kritik aus dem Westen an ihrem Land oft nicht so recht versteht. „Wir leben hier in Ruhe, auch die verschiedenen Religionen zusammen, haben Arbeit, der Lebensstandard ist für die meisten im Laufe der Zeit eher gestiegen – wenn man sich umschaut, wie es vielfach in unserer Nachbarschaft aussieht, dann geht es uns gut“, das hört man immer wieder, nicht nur von der offensichtlichen Elite, sondern auch durchaus von einfacheren Leuten.

Kein Vertrauen in eine Demokratie

Was offenbar viele glauben: Dass es gerade hier, in der so verworrenen und ethnisch komplizierten Kaukasus-Region ohne eine gewisse autoritäre Führung nicht funktioniere. „Wir alle hier sind wohl noch nicht weit genug für eine liberale Demokratie nach westlichem Vorbild. Wenn man das hier versucht, dann endet das in Gewalt und noch mehr Korruption,“ meinte denn auch ein Taxifahrer – eine Meinung, mit der er nicht alleine dasteht.

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