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Machen neue Regeln die Formel 1 noch langweiliger?

Großer Preis von China, Sonntag 8 Uhr

Viele Formel-1-Piloten hatten schon im Vorfeld gewarnt: Das neue Reglement würde zu noch weniger Überholmanövern führen. Der China-GP (So., 8 Uhr) könnte jetzt endgültige Aufschlüsse geben.

Sebastian Vettel im Ferrari
Sebastian Vettel im Ferrari Quelle: epa

Was macht einen Formel-1-Grand Prix für die Zuschauer besonders attraktiv? Viel Action auf der Strecke, sagen wohl die meisten. Und das heißt für sie vor allem: packende Zweikämpfe und Überholmanöver. Doch gerade letzteres fehlte schon in den letzten Jahren immer wieder – und scheint in dieser Saison  erst recht Mangelware zu werden. 

Mehr Breite, komplexere Frontflügel

Die Ursache ist klar: Schon immer war es schwierig, dicht hinter einem anderen Auto herzufahren – weil durch die Luftverwirbelungen des Vorausfahrenden die eigene Aerodynamik gestört wird. Nun sind die Autos noch breiter geworden, was diese Verwirbelungen erhöht. Gleichzeitig erlaubt das neue Reglement eine immer komplexere Frontflügel-Architektur. Das bedeutet aber: Diese Flügel sind für „unruhige Luft“ noch anfälliger.  „Die Autos über mehr aerodynamischen Grip schneller zu machen, das ist der falsche Weg“, warnte auch Nico Rosberg schon 2016, „das wird die Rennen nicht besser, sondern schlechter machen.“

Der Auftakt-GP 2017 in Melbourne schien das zu bestätigen: Ganze fünf Überholmanöver gab es während des kompletten Rennens, die meisten davon eher im hinteren Mittelfeld, als dort durch kurzfristige Probleme zurückgefallene, eigentlich aber schnellere Autos, wie der Williams von Lance Stroll, an deutlich langsameren „Nachzüglern“ nicht vorbeigingen. „Wo man früher eine Sekunde schneller sein musste, um vorbeizukommen, sind es jetzt zwei“, sagt Lewis Hamilton. Und selbst „Überholkönig“ Max Verstappen, der noch während der Tests getönt hatte, „ich kann mit jedem Auto überholen“, musste jetzt zugeben: „Es war unmöglich, an jemanden vorbeizukommen.“

Auch Reifen spielen eine Rolle

Was außerdem eine Rolle spielt: Die in diesem Jahr wesentlich haltbareren Pirelli-Reifen sorgen dafür, dass es da zu keinen so großen „Einbrüchen“ und Unterschieden wie in den letzten Jahren kommt. Ein weiterer Faktor also, der einen erfolgreichen Angriff auf einen Vordermann erschwert.

Einige Experten, darunter auch Niki Lauda, warnten trotzdem vor vorschneller Panik. Vor allem, weil die Strecke von Melbourne grundsätzlich dafür bekannt ist, durch ihre Charakteristik mit vielen ineinander übergehenden mittelschnellen Kurven ziemlich „überholfeindlich“ zu sein.  Es gibt zwar auch einzelne Jahre, in denen das Rennen im Albert Park mit  an die 40  Überholmanövern aufwarten konnte – aber das war dann immer besonderen Umständen geschuldet: Safety-Car-Phasen, die das Feld zusammenbrachten, Abbrüchen und Neustarts, Wetterkapriolen wie kurzen Regenschauern.

Überholen nur noch auf Geraden?

Shanghai dagegen gilt mit seinen langen Geraden als  sehr „überholfreundlich.“ Wobei sich da die Frage stellt: Sind Überholmanöver auf einer Geraden, die nur aufgrund des Geschwindigkeitsüberschusses durch das DRS-System zustande kommen, wirklich das, was die Fans sehen wollen? Die meisten sagen „Nein“, bezeichnen eigentlich nur das „Ausbremsen in den Kurven als „echtes Überholen“.  Mercedes-Pilot Valtteri Bottas hofft freilich, dass längere Geraden auch dabei helfen könnten, ganz ohne  DRS: „Die breiteren Autos schlagen quasi größere Löcher in die Luft. Deshalb wirkt auf der Geraden der Windschatten besser. Wenn die Gerade lang genug ist, sollte uns das helfen, vor dem Bremspunkt auf den Vordermann aufzuschließen.“ Um dann in der  Kurve angreifen zu können. Klappt das, besteht zumindest für die Mehrzahl der Strecken Hoffnung. Wenn nicht – dann hat die neue Formel 1 ein neues großes Problem.

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