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Die Formel 1 in der Klimadebatte

Auch die Formel 1 kann sich vor gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschließen. In der Klimadebatte sieht sie sich vor allem als Hightech-Entwicklungslabor, die auch die Serienproduktion nachhaltiger machen kann.

Lewis Hamilton im Mercedes in Melbourne
Hybridtechnologie, Energieeffizienz: Wichige Faktoren für Formel-1-Motoren.
Quelle: reuters

Klimawandel, Fridays for Future, Forderungen nach Veränderungen im allgemeinen Mobilitätskonzept. Da ist die Formel 1 oft Zielscheibe heftiger Kritik, gilt als schlichtweg nicht mehr zeitgemäßer Anachronismus.

Doch prinzipiell scheint das Thema zumindest bei einigen in der Formel 1 angekommen zu sein: Weniger vielleicht bei so manchen Älteren aus der Generation, die immer noch gerne dem puren Racing mit möglichst lauten und PS-starken 12-Zylinder-Verbrennungsmotoren hinterher trauern. Aber doch bei vielen, die Verantwortung tragen. Auch bei Mercedes, wo man sich im Gegensatz zu manch anderem Team nicht scheut, auf ZDF-Online-Anfrage offen dazu Stellung zu nehmen.

Formel 1 als Entwicklungslabor

Als Unternehmen wisse man, so heißt es da, dass man heute mit dem Klimawandel vor einer gewaltigen Herausforderung stehe, einer Herausforderung, die weit über die Formel 1 hinausgehe. Als Hochleistungs-Entwicklungslabor für die Automobilindustrie werde dabei auch Formel 1 und Formel E eine wichtige Rolle spielen.

Was den Mercedes-Verantwortlichen wichtig ist: Dass es dabei heute nicht mehr in erster Linie um einen direkten Transfer von Teilen in die Serie geht, sondern vor allem auch um Entwicklungsprozesse, Forschungs- und Lösungswege, um allgemeine Ziele zu erreichen. Die zum Beispiel darin bestehen, dass in weniger als drei Produktzyklen die Neuwagenflotte von Mercedes-Benz CO2-neutral werden soll und dass bis 2022 alle europäischen Werke CO2-neutral produzieren, also auch die Formel 1-Standorte im englischen Brackley und Brixworth.

Wolff-Kinder bei Fridays for Future

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat selbst Kinder im Teenager-Alter, die bei Fridays for Future engagiert sind: "Die gehen Freitags auch nicht in die Schule, die sind bei den Demos dabei. Und das ist auch absolut okay so. Ich halte diese Bewegung für gut und richtig", sagt Wolff.

Und wenn ihn seine Kids fragen, wie er denn heute seinen Job in der Formel 1 rechtfertige? "Dann würde ich ihnen sagen, dass unsere Technologie die effizientesten Motoren auf dem Planeten darstellt, mit 50 Prozent thermischer Effizienz. Damit können wir viel für die Serie tun, dort dazu beitragen, wirklich nachhaltig zu werden."

Hybridtechnologie

FIA-Präsident Jean Todt schlägt in die gleiche Kerbe: "Genau auf Grund dieser Problematik ist das gegenwärtige Motorenreglement ja so entscheidend. Hybridtechnologie, Energieeffizienz, immer geringerer Benzinverbrauch, das sind doch wichtige Faktoren für die Zukunft. Natürlich muss sich die Formel 1 anpassen an eine Welt, die sich verändert, immer kritischer auf Umwelt- und auch Sicherheitsfragen schaut."

In den Gesprächen der Teams mit den Formel-1-Bossen von Liberty Media stehen freilich derzeit noch andere Themen im Vordergrund. Da geht es zwar auch um das Reglement, aber eben doch mehr um kommerzielle Themen wie Geldverteilung, Budget-Cap und die allgemeinen geschäftlichen Rahmenbedingungen des Sports.

Thema Nachhaltigkeit

Doch auch F1-Oberchef Chase Carey kommt nicht darum herum, zumindest öffentlich zu betonen, dass Nachhaltigkeit natürlich ein wichtiges Thema sei, mit dem man sich beschäftige. Auch er verweist dabei auf das neue Reglement ab 2021, zum Beispiel darauf, dass das ja den zumindest teilweisen Einsatz von E-Fuels vorschreiben wird. Was durchaus zu Entwicklungssprüngen in diesem Technologie-Bereich führen könnte – im begrenzten High-Tech-Umfeld Formel 1 geht manches schneller und effizienter als sonst in großen Konzernen.

Eines ist den Verantwortlichen klar: Diejenigen, die sehr extrem auf sofortige Verbannung aller fossilen Brennstoffe und auch auf massive Veränderungen der kompletten derzeitigen Mobilitäts- und Lebensweise drängen, wird man nicht überzeugen können. Diejenigen, die eher auf die notwendige Veränderung durch technischen Fortschritt setzten und deshalb eine beschleunigte Entwicklung in dafür relevanten Bereichen begrüßen, schon viel eher.

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