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Dramatisches Formel-1-Finale in Abu Dhabi

Holt Rosberg den Titel?

Eine WM-Entscheidung im letzten Rennen, das ist für deutsche Formel-1-Titelträger nichts Neues. Mehrfach ging es dabei sehr dramatisch zu. Nico Rosberg könnte am Sonntag in Abu Dhabi (14 Uhr) in seinem entscheidenden WM-Rennen auf derartige zusätzliche Spannung sicher gern verzichten.

Formel 1: Hamilton und Rosberg
Formel 1: Hamilton und Rosberg Quelle: reuters

Michael Schumacher stand mehrfach im Mittelpunkt dramatischer WM-Entscheidungen: 1994 kam er mit einem Punkt Vorsprung gegen Damon Hill zum Finale nach Australien, galt dort in Adelaide als klarer Favorit, dominierte dann aber von Anfang an nicht wie erwartet. Weil die FIA beim Rennen zuvor in Japan, wie schon öfters in jenem Jahr, wieder einmal eine Unregelmäßigkeit am Benetton, diesmal am Getriebe, entdeckt habe und das Team daraufhin kurzfristig ändern musste, wie Insider noch heute munkeln.

Schumachers Super-Gau

Schumacher stand, in Führung liegend unter Druck, rutschte von der Strecke, Hill ging etwas ungeduldig vorbei, gab so dem Deutschen aber die Chance, mit beschädigtem Auto dagegen zu halten. Die folgende Kollision warf beide aus dem Rennen, brachte Schumacher aber den ersten WM-Titel seiner Karriere – und teilweise harte Kritik an seiner Fahrweise, aber keine weiteren Folgen.

1997 war es ebenfalls ein Punkt, der Michael Schumacher vor dem Finale in Jerez von Jacques Villeneuve trennte. Als der Kanadier einen Angriff startete, provozierte Schumacher eine Kollision, bei der er allerdings selbst ins Kiesbett flog und das Rennen nicht beenden konnte. Villeneuve reichte ein dritter Platz zum Titel. Schumachers Uneinsichtigkeit über seinen Fehler sorgte für noch mehr Kritik als die Aktion an sich. Später erkannte die FIA Schumacher alle WM-Punkte ab, so dass Heinz-Harald Frentzen offiziell auf die Vize-Weltmeister-Position aufrückte.

Das ging gerade nochmal gut

2003 in Japan brauchte Schumacher nur einen Punkt, selbst bei einem Sieg seines Rivalen Kimi Räikkönen. Ein Punkt – beim damaligen Wertungssystem ein achter Platz. Doch im Laufe des Rennens fiel der Ferrari-Pilot nach einer Kollision mit Takuma Sato auf den letzten Platz zurück, musste sich wieder nach vorne kämpfen - während der Finne, knapp hinter Schumachers Teamkollegen Rubens Barrichello auf Rang zwei liegend, immer noch Siegchancen hatte.

Am Ende schaffte er den achten Platz, obwohl ihm ausgerechnet Bruder Ralf in der letzten Schikane noch einmal ins Heck krachte. WM-Titel Nummer sechs war damit sicher.

Vettel überrascht

Sebastian Vettel sah sich bei seinem ersten Titelgewinn 2010 in Abu Dhabi einer bisher unbekannten Situation in der Formel 1 gegenüber: Erstmals konnten beim Finale noch vier Fahrer Weltmeister werden: Neben ihm noch Mark Webber, Fernando Alonso und Lewis Hamilton. Vettel lag vor dem Rennen als Dritter 15 Punkte vor Alonso.

Doch Ferrari machte den strategischen Fehler, sich zu sehr auf den als Hauptkonkurrenten angesehenen Webber zu konzentrieren, dessen Strategie zu kopieren. Als Alonso dann auch noch hinter Vitaly Petrov im Renault hängenblieb, reichte Vettel der Sieg zum doch etwas überraschenden ersten Titelgewinn.

Drei Punkte sind es am Ende

2012 sorgte eine starke Aufholjagd von Sebastian Vettel im Herbst dafür, dass er nach zwischenzeitlich deutlichem Rückstand doch wieder mit 13 Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso nach Brasilien kam. Im Regenchaos von Interlagos kollidierte er gleich in der ersten Kurve ausgerechnet mit Lokalmatador Bruno Senna, drehte sich und musste dem Feld hinterher jagen. Ein typischer Rennunfall, beiden war durch einen dazwischen liegenden Force India die Sicht versperrt. Was ein paar ausrastende deutsche Fans nicht daran hinderte, Sennas Facebook-Seite mit Morddrohungen zu überschwemmen.

Kurzfristig war Alonso virtuell Weltmeister, aber Vettel konnte sich wieder bis auf Platz sechs vorkämpfen, so dass Alonso auch ein zweiter Platz nicht mehr reichte: Vettel war mit drei Punkten Vorsprung erneut Champion.

Rosbergs Spezialfall: Teamduell

Nico Rosbergs WM-Titelkämpfe sind ein gewisser Sonderfall: Kämpfte er doch in seinen Titelfights immer gegen seinen Teamkollegen – in der Tradition großer historischer Teamduelle, auch wenn die nicht immer im letzten Rennen der Saison entschieden wurden. Bei den berühmtesten, den Kämpfen zwischen Ayrton Senna und Alain Prost, fielen die „Crash-Entscheidungen“ zweimal, 1989 und 1990, schon im vorletzten Rennen in Japan.

Das knappste WM-Finale aller Zeiten, ebenfalls zwischen zwei McLaren-Teamkollegen, ging allerdings bis zur letzten Runde im letzten Rennen 1984: Damals lag dann Niki Lauda, heute „Chef“ der beiden Mercedes-Titelkandidaten,in Estoril am Ende einen halben Punkt vor Alain Prost. Dass er 2014 in Abu Dhabi den Titel durch einen technischen Defekt an Hamilton verlor, beunruhigt Rosberg nicht: „Über so etwas mache ich mir keine Gedanken, das wäre nur negativ. Im Gegenteil, es hilft sogar, so eine Endkampf-Situation schon einmal erlebt zu haben. Dadurch bin ich dieses Mal viel ruhiger und gelassener.“

WM-Entscheidung im letzten Rennen
Jahr WM-Sieger (Kontrahent)
1950 Nino Farina (Juan Manuel Fangio,Fagiola)
1951 Juan Manuel Fangio (Alberto Aascari)
1956 Juan Manuel Fangio (Stirling Moss)
1958 Mike Hawthorne (Stirling Moss)
1959 Jack Brabham (Tony Brooks, Stirling Moss)
1962 Graham Hill (Jim Clark)
1964 John Surtees (Graham Hill, Jim Clark)
1967 Denny Hulme (Jack Brabham)
1968 Graham Hill (Jackie Stewart)
1974 Emerson Fittipaldi (Clay Regazzoni)
1976 James Hunt (Niki Lauda)
1981 Nelson Piquet (Carlos Reutemann, Jacques Laffite)
1982 Keke Rosberg (Didier Pironi)
1983 Nelson Piquet (Alain Prost, René Arnoux)
1984 Niki Lauda (Alain Prost)
1986 Alain Prost (Nigel Mansell, Nelson Piquet)
1994 Michael Schumacher (Damon Hill)
1996 Damon Hill (Jacques Villeneuve)
1997 Jacques Villeneuve (Michael Schumacher)
1998 Mika Häkkinen (Michael Schumacher)
1999 Mika Häkkinen (Eddie Irvine)
2003 Michael Schumacher (Kimi Räikkönen)
2006 Fernando Alonso (Michael Schumacher)
2007 Kimi Räikkönen (Lewis Hamilton, Fernando Alonso)
2008 Lewis Hamilton (Felipe Massa)
2010 Sebastian Vettel (Fernando Alonso, Mark Webber, Lewis Hamilton)
2012 Sebastian Vettel (Fernando Alonso)
2014 Lewis Hamilton (Nico Rosberg)

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