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Zwischen Rennwagen, Party und den nachdenklichen Tönen des Lebens

Viele kennen Lewis Hamilton nur als den Popstar der Formel 1, der viel Goldschmuck spazieren trägt und gern mit Musik- und Filmstars feiert. Aber Hamilton hat auch ganz andere Seiten.

Lewis Hamilton
Lewis Hamilton Quelle: dpa

Als viermaliger Weltmeister hat Lewis Hamilton jetzt sogar sein großes Idol Ayrton Senna überholt – was gerade jetzt in Brasilien immer wieder zu der Frage führt, ob er denn glaube, damit auch besser als Senna zu sein. Ein Vergleich, den Hamilton rigoros ablehnt - „weil Ayrton ja nicht die Zeit hatte, noch mehr Titel zu holen.“ Ansonsten würde er sich aber schon ganz gerne in der Tradition des unvergessenen Brasilianers sehen. Nicht nur auf der Strecke, sondern auch daneben - wo es nicht nur den „Bling-Bling“-Hamilton gibt, den die meisten kennen, sondern auch einen ganz anderen...

Millionen Follower bei Instagram & Co.

Er ist der absolute Popstar der Formel 1. Der Fahrer, dessen Bekanntheitsgrad weit über die Motorsportwelt hinaus ragt. Einer, der mit 3,4 Millionen Followern auf Instagram und 2,8 Millionen auf Twitter auch sehr auf seine Außenwirkung bedacht ist – und das dazu passende Image dementsprechend pflegt: Party machen auf den Bahamas oder in Miami, Night-Clubbing in Los Angeles, ein Auftritt bei einer Fashion Show mit Tom Cruise, ein Foto mit Kayne West hier, das nächste dann mit Rihanna dort, ein paar Abstecher ins Musikstudio, um an seinen eigenen Songs weiter zu arbeiten, sich, wann immer es geht, auch an den Rennwochenenden ein Klavier ins Hotelzimmer bringen lassen, um auch da „manchmal bis nachts um drei“, wie er selbst sagt. „Und dann nachher rauszugehen und zu gewinnen, das ist dann ein ganz besonderes Gefühl...“

Lewis Hamilton siegt in Sao Paulo
Lewis Hamilton siegt in Sao Paulo Quelle: ap

So redet einer, der natürlich auch der Welt zeigen will, dass er etwas ganz Besonderes ist. Und der es auch kann. Denn trotz der Ablenkung – die Leistung im Auto stimmt. In diesem Jahr mehr denn je, gerade in der zweiten Saisonhälfte blieb der 32-jährige Brite praktisch fehlerfrei, nutzte jede sich bietende Chance. So, dass alle Experten ins Schwärmen geraten, schon von einem ganz besonderen Moment in der Formel-1-Geschichte sprechen.

Selbstdarstellung als Kompensation

Aber so einer polarisiert natürlich auch – zumindest abseits der Rennstrecken. Durch diesen Jet-Set-Lebensstil, der genauso wie die Optik mit vielen Tattoos und schweren Goldketten nicht allen gefällt. Und dann zu spöttischen Bemerkungen führt, wenn Hamilton plötzlich erklärt, aus Gesundheits- und Umweltschutzgründen zum Veganer geworden zu sein – nach Ansehen einer einzigen Dokumentation auf You Tube zum Thema Massentierhaltung. Und wenn er auch noch wegen seines auf der Isle of Man angemeldeten Privatjets in den „Paradise Papers“ auftaucht, dann haben die Kritiker natürlich einen gewissen Angriffspunkt...

Aber es steckt wohl ein Grund hinter dieser Selbstdarstellung: Der kleine Lewis, farbiges britisches Einwandererkind mit karibischen Wurzeln, aufgewachsen im Arbeiterstädtchen Stevenage, nicht gerade einem Highlight der immer noch so klassenbewussten britischen Gesellschaft, iIn der Schule eher ein Underdog, dem seine Lehrer mehr als einmal zu verstehen gaben, aus ihm könne sowieso nichts werden, ist heute ein Weltstar. Und scheint jetzt gewisse Minderwertigkeitsgefühle aus jener Zeit kompensieren zu wollen, sich selbst und allen anderen zu beweisen: „Seht her, ich habe das geschafft, ich gehöre jetzt zur großen Glitzerwelt dazu.“

Der ganz andere Lewis Hamilton

Was aus dieser Zeit aber auch geblieben ist: Eben dieser andere Lewis Hamilton, den nur wenige kennen. Der, der im November 2016, mitten im WM-Finale, zwischen den letzten Rennen in Brasilien und Abu Dhabi, noch einmal zu seinem im Sterben liegenden Vertrauten und Freund Aki Hintsa fliegt. Der Finne, langjähriger Teamarzt von McLaren, der Hamilton dort schon bei seinem Formel-1-Debüt 2007 betreute, kämpft seit Jahren gegen eine Krebserkrankung, am Ende vergeblich. Hamilton verbringt einen der letzten Abende mit seinem Freund, „wir haben zusammen Musik gemacht“, erzählt er ein bisschen später auf Nachfrage leise. In den sozialen Netzwerken war davon nichts zu sehen, auch nicht davon, dass er auf Hintsas Beerdigung war. Das wirklich wichtige Private bleibt dann doch privat... So wie die Tatsache, dass er sich auch immer wieder bei der Familie nach dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher erkundigt, fragt, ob es irgendetwas gebe, was er tun könne, womit er helfen könne...

Der Hamilton, der Krisengebiete wie Haiti nach dem Erdbeben besuche, in der Hoffnung , „dass vielleicht auch andere, die das sehen, ermutigt werden, dort hin zu gehen und zu helfen.“ Und der das deswegen auch in den Sozialen Netzwerken postet, „in der Hoffnung, dass es bei manchen einen Punkt berührt, etwas auslöst. Vielleicht auch, dass man eigene kleine Probleme nicht mehr so wichtig nimmt.“ Der aber auch Unsicherheit über den Effekt zulässt: „Letztlich ist es wohl nicht viel mehr als ein ganz feines Haar, das man in einen großen Teich wirft.“ Trotzdem – der Lewis Hamilton, der immer mutiger wird, sich auch mal politisch zu äußern, der sich generell sorgt um den Zustand der heutigen Welt, für Gerechtigkeit und mehr Chancengleichheit eintritt, der wird in letzter Zeit immer deutlicher sichtbar: Wenn er begeistert von seinen Begegnungen mit Nelson Mandela schwärmt, deutlicher Kritik an US-Präsident Trump übt – und Vorbild gerade für Jugendliche sein will, denen er rät: „Glaube den Leuten nicht, die sagen: du kannst das nicht machen. Und verliere nie den Glauben an dich.“ Und das alles passt dann doch wieder ganz gut zu seinem großen Vorbild Ayrton Senna.

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