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So kann Vettel noch den Titel holen

Formel 1-Saison 2018

24 Punkte Rückstand hat Sebastian Vettel vor dem Start in die zweite Saisonhälfte auf Lewis Hamilton. Trotzdem ist der WM-Titel für ihn noch möglich. Wenn in den noch ausstehenden neun Rennen einige Faktoren zusammen spielen.

Sebastian Vettel im Ferrari
Sebastian Vettel im Ferrari Quelle: epa

Letztes Jahr kam Lewis Hamilton mit einem Rückstand aus der Sommerpause, trumpfte dann aber ganz groß auf und holte sich sogar schon vorzeitig in Mexiko den Titel. Dieses Jahr hat Sebastian Vettel einen Rückstand aufzuholen – und er ist sehr zuversichtlich, das zu schaffen. Denn die Vorzeichen sind teilweise anders als im Vorjahr. Vettel sieht noch viel Entwicklungspotenzial im Ferrari: Es gebe noch viele Bereiche, wo man wisse, dass man noch zulegen könne – das sei letztes Jahr nicht unbedingt so gewesen, meint der Heppenheimer. „Und außerdem haben wir uns letztes Jahr dann natürlich auch einige entscheidende Fehler geleistet, wenn das diesmal nicht passiert, sollten wir wesentlich besser dastehen.“

Die Tatsache, dass die Roten im Moment sogar einen Motorenvorteil zu haben scheinen, könnte bei den vielen „Motorenstrecken“ im Restprogramm einiges ändern. Spa und Monza vor allem sind ja Strecken, auf denen es extrem auf Motorleistung ankommt, aber auch in Sotschi, Suzuka und Austin ist die Power ausgesprochen wichtig. Dazu kommt mit Singapur noch ein Kurs, der Mercedes in der Vergangenheit nie lag, ähnlich wie Monaco oder unter normalen Bedingungen auch Ungarn – wenn nicht gerade ein Regenguss im Qualifying alles auf den Kopf stellt.

Auch weiter Motorenvorteil für Ferrari?

Beide Teams, Ferrari und Mercedes, werden hier in Spa wohl ihre dritte und letzte neue Motorenspezifikation einsetzen. Ferrari testete die neue Entwicklungsstufe bereits vor der Sommerpause in Ungarn bei den Kundenteams Haas und Sauber, nachdem dort alles zufriedenstellend funktionierte, ist jetzt auch das Werksteam dran. Bei Mercedes macht man zwar offiziell noch ein Geheimnis draus, ob die neue Spezifikation hier oder erst in einer Woche in Monza zum Einsatz kommen soll – aber intern scheinen die Weichen Für Spa gestellt.

Das Mercedes damit das Leistungsdefizit gegenüber Ferrari, dass sich in den letzten Rennen zeigte, komplett ausgleichen oder vielleicht sogar wieder vorbeiziehen könnte, wünscht man sich bei den Silbernen zwar, aber sehr optimistisch klang Mercedes-Sportchef Toto Wolff zuletzt in dieser Beziehung nicht. Zu groß schien ihm offenbar der Abstand und auch die Verwunderung, wie dem großen Konkurrenten auf einmal dieser Sprung gelungen sein könnte. Freilich könnte auch ein bisschen Zweckpessimismus dahinter stecken und auch Mercedes noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorne machen – erste Antworten wird wohl schon dieses Wochenende geben.

Eines ist freilich klar: Regnen sollte es in dieser Saison möglichst kaum noch, will Vettel seine Titelchancen behalten. Denn Regen spielt Hamilton und Mercedes in die Karten, wie zuletzt in Hockenheim und Ungarn gesehen. Im Nassen ist der Mercedes offenbar einfacher zu fahren, wie zum Beispiel der Schweizer TV-Experte Marc Surer feststellte. Und er bringt die Reifen besser und schneller ins richtige Temperaturfenster – in der heutigen Formel 1 ein ganz wichtiger Faktor.

Vettels mentale Stärke

formula one grand prix of great britain, silverstone, united kingdom - 08 jul 2018
Sebastian Vettel in Silverstone Quelle: epa

Vettels mentale Stärke Ein wichtiger Faktor ist aber auch die psychische Stärke eines Fahrers in einem extrem engen und harten Titelkampf. Frühere Chefs von Sebastian Vettel sehen in dem 31-Jährigen inzwischen auch einen sehr reifen und mental starken Piloten, der alles habe, um seinen fünften Titel zu gewinnen. Red-Bull-Teamchef Christian Horner meint: „Ein paar charakterbildende Jahre bei Ferrari haben ihn zu einem kompletteren Fahrer gemacht. Er ist sehr gut unter Druck. Im Team ist er der Fels in der Brandung. Wenn er nach der Sommerpause seine Chance wittert, dann wird es sehr schwer, ihn zu schlagen.“

Und auch der frühere BMW-Motorsportchef Dr. Mario Theissen glaubt: „In diesem Jahr scheint er viel ruhiger zu sein, wenn er eine Situation reflektieren muss - besonders nach einem schlechten Ergebnis.“ Man müsse einfach während seiner Karriere lernen, dass man nicht alles kontrollieren könne, und das habe Vettel anscheinend geschafft: „Manchmal kommt man an eine Strecke, man ist sich sicher, dass man das Wochenende dominieren wird, und dann geht man ohne Punkte nach Hause.“ Genau das also, was ihm in Hockenheim passierte, als er in Führung liegend ausschied. In solchen Situation seinen jüngere Piloten - unter anderem auch Vettel früher - schnell "am Boden zerstört. Ich habe den Eindruck, dass er diese Phase hinter sich hat. Er nimmt die Dinge so, wie sie kommen. Er versteht, dass es nicht in seiner Macht liegt. Man muss das dann abhaken und sich auf das nächste Rennen konzentrieren.“

Vettel selbst betonte ja in diesem Jahr schon öfters genau diese neue Herangehensweise – und hofft, sich dadurch einen Vorteil gegenüber Hamilton zu erarbeiten. Dass der manchmal, wenn es nicht so gut läuft, zu Frust und einer gewissen Resignation zu neigen scheint, ist in diesem Jahr an einigen Wochenenden sogar schon seinen britischen Bewunderern aufgefallen.

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