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Eintracht - Werder: Begegnung der Gegensätze

Spielszene Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt

Sport - Eintracht - Werder: Begegnung der Gegensätze

Das zweitschlechteste Team der Rückrunde empfängt das viertbeste Team der Rückrunde: Eintracht Frankfurt und Werder Bremen haben vor dem Duell (20:30 Uhr) eine Berg- und Talfahrt hinter sich, die unterschiedlicher kaum hätte verlaufen können.

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Wie sich im Fußball mit einem Moment die ganze Stimmungslage wendet, das hat Werder-Boss Klaus Filbry auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr mit einem eingespielten Video vorgeführt. Zu sehen war der Freudentaumel, als sich gefühlt ganz Bremen nach dem Last-Minute-Siegtor von Papy Djilobodji am letzten Spieltag in den Armen lag. Werder war gerettet, Gegner Eintracht Frankfurt musste in die Relegation.

Fast elf Monate ist dieser Moment nun her, und seitdem haben beide Vereine eine Berg- und Talfahrt hinter sich, die unterschiedlicher kaum hätte verlaufen können, wenn sich die Klubs am Freitagabend (20.30 Uhr) im Frankfurter Stadtwald erneut gegenüberstehen.

Bilanz eines Abstiegskandidaten

Werder schwebt nach 19 von 21 möglichen Punkten aus den vergangenen sieben Spielen auf Wolke sieben, ist mittlerweile viertbestes Team der Rückrunde. Und das alles, nachdem das neue Jahr mit vier Niederlagen in Folge so schlecht begonnen hatte. Bremen ist mit seiner Siegesserie direkt raus "aus einer der größten Sackgassen, die es im sportlichen Bereich gibt" (Kapitän Zlatko Junuzovic).

Die Eintracht hingegen ist in eine Einbahnstraße geraten, die am Main allerorten für Ernüchterung sorgt: Zwei Punkte bei 1:13 Toren aus den letzten acht Spielen – das ist die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Seit 438 Minuten wartet man auf einen Torerfolg. Frankfurt ist das zweitschlechteste Team der Rückrunde. Und so kann es passieren, dass derjenige Klub (Werder), der am 20. Spieltag noch Drittletzter war, nun denjenigen (Eintracht) überholen kann, der zu diesem Zeitpunkt als Tabellen-Dritter gelistet war.

Werders rauschhafter Frühling

Was ist passiert, warum sind die einen auferstanden, die anderen abgestürzt? "Wir bringen eine Gemeinschaft des Willens auf den Platz, schütten dort unser Herz aus", erklärt Alexander Nouri den Stehaufmännchen-Effekt: "Und mit den Resultaten ist die Überzeugung gewachsen." Der Werder-Trainer, der erst beim Klassenerhalt ein Arbeitspapier für die kommende Saison bekommen soll, spricht gerne von Inspiration.

Sein Draht zur Mannschaft ist intakt, doch hätte sich der 37-Jährige trotz der Rückendeckung von Geschäftsführer Frank Baumann kaum weitere Auswärtsniederlagen im Februar leisten dürfen. Mit einem Auswärtssieg beim FSV Mainz (2:0) gelang der Turnaround, der das Team in einen fast rauschhaften Frühling trug.

Kovac zerrt an seiner Mannschaft

Spielszene Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Im Hinspiel traf Frankfurts "Fußballgott" Meier gegen Werder. Quelle: imago

Und Kollege Niko Kovac? Der ließ nach der Rettung im vergangenen Sommer gemeinsam mit Sportvorstand Fredi Bobic bei der Eintracht keinen Stein auf dem anderen, intensivierte das Training, veränderte das Team hinter dem Team. Und fahndete nach jungen, hungrigen Spielern. Kovacs Multi-Kulti-Kader ging die Hinrunde mit einem klaren Plan an, sammelte Punkte in der Liga und Sympathien beim Publikum, war unbequem für jeden Gegner.

Bis heute zerrt Kovac viel an seiner Mannschaft, lässt sie nicht in Ruhe. Vielen Beobachtern kommt das vor als seien die Profis das ganze Jahr im Trainingslager. Der Coach nennt das Verletzungspech, die Chancenverwertung, die er zuletzt "zum Heulen" fand, als Ursachen für den Abwärtstrend. Er selbst aber schwächte seinen derzeit verletzten Torgaranten Alexander Meier, dem er immer weniger vertraut.

Kein Realitätsverlust

Die beiden auf ihre Art stark in Stadt und Region verwurzelten Vereine geben vielleicht ein gutes Beispiel dafür, wie anfällig das Gebilde eines Traditionsvereins ist. Beide Klubs wissen, wo sie herkommen. Niemals hat Kovac eine andere Zielvorgabe ausgegeben, als die ominösen 40 Punkte zu erreichen – würden die erreicht, dann sei "alles in Ordnung", so der Coach zuletzt wieder nach dem 0:1 in Köln. Der 45-Jährige wollte seiner Elf zur Rückrunde nicht unnötigen Druck machen. Sein Credo: "Wir sind noch nicht so weit."

Realitätsverlust kann den Hessen also niemand unterstellen. Auch den Hanseaten nicht. "Die Fans dürfen träumen, wir bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden", beteuert Nouri, der noch einen "weiten Weg" bis zum Klassenerhalt ausgemacht hat. Zuletzt hat Wortführer Junuzovic die Europapokal-Gesänge aus der Ostkurve nach dem 3:0 gegen Schalke als unpassend brandmarkt. "Wir müssen realistisch bleiben und 'Europa' gar nicht in den Mund nehmen."

Und vielleicht kommt es ja so, dass sich auf der Zielgeraden noch alles einpendelt. Und für beide in der Endabrechnung jeweils ein Mittelplatz herausspringt. Genau dort waren Eintracht Frankfurt und Werder Bremen ja vor der Saison auch allseits verortet worden. Und dann würde alles auch weniger dramatisch als am 14. Mai vergangenen Jahres enden.

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