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Carina Vogt: "Geht schon wieder aufwärts"

Sport - Carina Vogt: "Geht schon wieder aufwärts"

Höher, schneller, weiter - Andreas Bauer, Cheftrainer der DSV-Springerinnen, über die Herausforderungen beim einzigen Weltcup im Frauenskispringen auf der Großschanze am Holmenkollen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.02.2017, 18:29

2014 krönte sich Carina Vogt sensationell zur ersten Skisprung-Olympiasiegerin der Geschichte, im vergangenen Winter gewann sie Doppelgold bei der Weltmeisterschaft. Vor dem Springen in Oslo (Donnerstag, 17 Uhr im zdfsport.de-Livestream) steckt die Überfliegerin in einer ersten Krise in ihrer Karriere: "Ich brauche einfach Sprünge, um das Gefühl und die Sicherheit wieder zurückzuholen."

Carina Vogt fühlt sich momentan „nicht so prickelnd“. Das ist kein Wunder, schließlich hat die Olympiasiegerin und Doppel-Weltmeisterin im Skispringen gerade die Plätze 28 und 23 beim Heim-Weltcup in Oberstdorf belegt. So schlecht wie in diesen Tagen war sie seit vier Jahren im Weltcup nicht mehr. Die Überfliegerin der letzten Saison, für die es immer nur aufwärts zu gehen schien, steckt in der ersten großen Krise ihrer so glanzvollen Karriere.

Kein Grund zur Aufregung

„Carina geht sehr gut damit um: ruhig und gefasst“, sagt Andreas Bauer vor dem einzigen Großschanzenspringen der Frauen am Donnerstag in Oslo. Der Bundestrainer selbst bleibt ebenfalls ruhig, auch wenn es für das gesamte deutsche Team am vergangenen Wochenende ausgerechnet vor heimischem Publikum eine „ziemliche Klatsche“ (Carina Vogt) gab.

„Es bringt ja auch nix, wenn man jetzt mit dem Hammer draufhaut. Das ist ja das Interessante am Leistungssport: Wir haben speziell mit Carina tolle Erfolge gefeiert, aber jetzt passt das Puzzle halt nicht zusammen“, so Bauer. Er bleibt aber auch deshalb gelassen, weil es in diesem Winter kein echtes Großereignis gibt – und Carina Vogt ist nun mal die Frau für die ganz wichtigen Titel, die erst bei der WM 2017 in Lahti und Olympia 2018 in Pyeongchang wieder vergeben werden.

Ursachen der Probleme erkannt

Skispringerin Carina Vogt in Aktion
Skispringerin Carina Vogt in Aktion Quelle: dpa

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum die erfolgsgewohnte Werbeträgerin für die fliegenden Frauen in diesem Winter in solch ungewohnte Probleme reingeschlittert ist. Im vergangenen Sommer verzichtete Vogt auf internationale Wettkämpfe und einige Trainingslehrgänge und widmete sich stattdessen ihrem Abschluss als Polizeimeisterin. „Du kannst als Frau vom Skispringen nicht leben und musst dich nebenbei auch um die Ausbildung kümmern. Also hat sie vor dieser Zwischensaison ohne WM und Olympia ihren Abschluss gemacht“, berichtet Bauer.

Zum Beginn des Weltcup-Winters fehlte Carina Vogt deshalb das Feingefühl und auch das Material-Setup passte nicht perfekt. Kurz vor Weihnachten hatte sie sich wieder an die Weltspitze herangetastet und landete beim Weltcup im russischen Nischni Tagil auf Platz vier. Es folgten mitten im Winter fünf Wochen ohne Weltcup für die Frauen. Beim ersten Wettkampf nach der Pause stürzte Vogt im japanischen Sapporo schwer. Sie blutete aus der Nase, erlitt eine Gehirnerschütterung und verbrachte fünf Tage im abgedunkelten Hotelzimmer ohne Training.

Mit Training aus dem Formtief

Vor Familie und Freunden in Oberstdorf wollte Vogt nun beweisen, dass sie wieder ganz vorn mitspringen kann –  doch der Schuss ging komplett nach hinten los. Beim Weltcup in der Heimat präsentierte sich die deutsche Vorzeigefliegerin komplett verunsichert. „Ich fühle mich in der Anfahrt nicht wohl, bin in jedem Sprung in einer anderen Position und habe Probleme, den Absprung zu treffen“, analysierte Vogt selbstkritisch. Es passt derzeit also nix, „auch das Feingefühl und die mentale Frische fehlen“, sagt Bundestrainer Bauer.

Das ist jedoch für die bodenständige Frau, die auch nach ihren unglaublichen Höhenflügen nie abgehoben hat, kein Grund zum Frust. Am Dienstag trainierte sie in Oberstdorf mit dem deutschen Team und testete Material, ehe es am Abend nach Oslo ging.  „Auf das Großschanzenspringen freue ich mich am meisten. Ich brauche einfach Sprünge, um das Gefühl und die Sicherheit wieder zurückzuholen. Dann geht es schon wieder aufwärts“, sagt Vogt. Und am Freitag gibt es dann in jedem Fall Grund zum Feiern: Da wird Carina Vogt 24 Jahre alt.

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