Sie sind hier:

Rollenwechsel in Orange

Frauenfußball-EM in den Niederlanden: Niederlande - Norwegen

Die Frauen sollen richten, was die Männer nicht mehr schaffen: Eine Fußballbegeisterung lostreten. Am Sonntag (18 Uhr/live im ZDF) eröffnet der Gastgeber gegen Norwegen die Frauenfußball-EM.

Niederländische Fußballfans
Niederländische Fußballfans Quelle: imago

Wer in Utrecht junge Einheimische fragt, was denn einer der besten Anlaufpunkte der viertgrößten Stadt in den Niederlanden sei, der bekommt oft zu hören: An der Utrechter Oude Gracht, am Jankershof oder an der Neude warten etliche urgemütliche Kneipen oder Restaurants auf Gäste. An den alten Werftkellern an den Kaimauern soll es an Sommertagen ein Vergnügen sein. Doch die Studentenstadt mit ihrem ganz eigenen Charakter ist auch für den Fußball zu haben: Als der FC Utrecht sich mit einem furiosen 7:3 im Elfmeterschießen im Rückspiel gegen AZ Alkmaar durchsetzte, herrschte Ausnahmezustand. Nicht nur im Stadion Galgenwaard.

Der Turnierdirektor ist optimistisch

Doch die Männer haben hier erst einmal zurückzustehen: Aus Utrecht kommt der Startschuss für die erstmals mit 16 Teams ausgetragene Frauen-EM, wenn Gastgeber Niederlande am Sonntag das Turnier gegen Norwegen (18 Uhr/live im ZDF) eröffnet. Und er könnte stimmungsvoller kaum sein: Das mit einer Kapazität für knapp 24.000 Zuschauer fassende Stadion ist restlos ausverkauft. Dasselbe gilt für das zweite Gruppenspiel am 20. Juli gegen Dänemark im Het Kasteel Stadion von Rotterdam und sowieso für das Nachbarschaftsduell mit Belgien vier Tage später in Tilburg.

Ein Meer von Orange erwartet die niederländischen Fußballerinnen, die diese Woge der Begeisterung nutzen wollen. Bisher bedeuteten die 15.637 Zuschauer, die in der Women’s Champions League die Partie FC Twente gegen FC Barcelona im Grolsch Veste Stadion von Enschede sahen, Rekord für den Frauenfußball. Turnierdirektor Bert van Oostveen kann seine Vorfreude kaum zügeln.

Internationale Erfahrung

Logisch, dass die erst im Januar installierte Trainerin Sarina Wiegman, eine ehemalige Nationalspielerin, unbedingt die Vorrunde überstehen und eigentlich auch ins Halbfinale will. Mit der noch 20 Jahre jungen Torjägerin Anna Miedema steht eine Topstürmerin im Kader, die in der vergangenen Saison beim FC Bayern ihr Ausnahmetalent zeigte, nun aber zum FC Arsenal wechselte. Auch Jackie Groenen ( 1. FFC Frankfurt), Jill Roord oder Lineth Beerensteyn (beide FC Bayern) kommen aus der Frauen-Bundesliga.

Auch in die EM 2013 in Schweden starteten die Niederlande mit hohen Erwartungen und trotzten dem späteren Europameister Deutschland zum Auftakt ein 0:0 ab. Doch letztlich zahlte das Ensemble ebenso Lehrgeld wie im Oktober vergangenen Jahres bei der 2:4-Niederlage im Testspiel gegen die DFB-Auswahl. Reichen jetzt die Fortschritte, um ein Ausrufezeichen im fußballbegeisterten Land zu setzen, dessen Männer-Nationalmannschaft zuletzt fast nur Pleiten produzierte und die auf 24 Teilnehmer aufgeblähte EM in Frankreich verpasste?

Es gibt einen Riesenehrgeiz

Der deutsche Assistenztrainer Markus Högner, ausgewiesener Holland-Experte, hat das Team in zwei Testspielen gegen Japan (0:1) und gegen Österreich (3:0) beobachtet und ist von der aktuellen Leistungsfähigkeit überzeugt: „Ich glaube, dass die Niederlande einen Riesenehrgeiz haben, dieses Turnier zu gewinnen. Und nicht zu vergessen: Die Niederlande zehren nach einem Titel. Sie habe lange bei den Männern nichts mehr erreicht, aber der Frauenfußball hat sich unheimlich entwickelt.“ Auch die UEFA hat hohe Erwartungen: Niederlande und Deutschland sind die Kernmärkte, die allein im Laufe des Turniers rund 180 Millionen Fernsehzuschauer (für alle 31 Spiele) bringen sollen.

„Viel Herzblut“, sagt DFB-Direktorin Heike Ullrich, hätten die niederländischen Organisatoren darauf verwendet, nicht nur die richtigen Austragungsorte - Breda, Deventer, Doetichem, Enschede, Rotterdam, Tilburg und eben Utrecht – auszuwählen, um ein familien- und fanfreundliches Event der kurzen Wege auszurichten. Tatsächlich ist kein Spielort weiter als zwei Stunden Fahrtzeit vom anderen entfernt – die 205 Kilometer zwischen Breda und Enschede sind die größte Distanz.

Frauenfußball in den Niederlanden groß

Der Königliche Niederländische Fußballbund (KNVB), der sich als Ausrichter dieser Veranstaltung vor drei Jahren gegen sechs Bewerber durchsetzte, hat bereits kräftig die Werbetrommel gerührt. „Sie werden ein charmantes Turnier auf holländische Art organisieren“, glaubt Ullrich, die international bestens vernetzt ist. Die Anstrengungen als Ausrichter gehen einher mit der Unterstützung, die der KNVB für weibliche Projekte aufbringt, die mit vier Millionen Euro jährlich gefördert werden.

Die Niederlande zählen mit Deutschland, England, Frankreich, Norwegen und Schweden zu jenen Ländern, die mehr als 100.000 aktive Frauen und Mädchen in der Mitgliederstatistik ausweisen. Mehr als 145.000 waren es bereits 2015/2016, davon 90.364 unter 18 Jahre. Die Wachstumsrate der vergangenen sechs Jahre lag bei 21 Prozent, aktuell beträgt sie sechs Prozent. 4311 Frauenteams sind gemeldet. Zum Vergleich: In der jüngsten DFB-Mitgliederstatistik finden sich mit 5819 Teams nicht viel mehr.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.