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Die Ringe immer im Blick

Sport - Die Ringe immer im Blick

Die Qualispiele zur Frauenfußball-EM nutzt Silvia Neid zum Testen. Deswegen nominierte sie einen großen Kader. Außerdem im Interview mit ZDF-Reporter Martin Wolff: Saskia Bartusiak und Almuth Schult.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.04.2017, 17:53

Das Ziel Rio de Janeiro überstrahlt bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft alles. In den Vorlauf aufs olympische Fußballturnier ist auch das anstehende EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei in Istanbul (16 Uhr/live ZDF) eingebettet.

Eine lange Vorbereitung und viele Lehrgänge sind mitnichten eine Erfolgsgarantie. Aber Silvia Neid findet es - wie fast alle Kollegen auf der Trainerbank - halt viel besser, wenn sie ihre Nationalmannschaft mit ausreichend Anlauf auf ein Großereignis vorbereiten kann. "Ich liebe es, Turniere vorzubereiten, einen Plan zu entwickeln. Lösungen zu finden. Das hat sich in all den Jahren nicht verändert", hat die Bundestrainerin im aktuellen "DFB-Journal" verraten.

Vier Lehrgänge im Juni und Juli

Das dominante Ereignis für den deutschen Frauenfußball ist nun einmal das Olympische Fußballturnier in Brasilien, zumal das Turnier vom 3. bis 19. August auch Neids Abschied bedeutet. "Es ist nicht so, dass ich mir bei der Vorbereitung auf Olympia jetzt permanent sage: 'Du musst das alles ganz besonders intensiv erleben.‘ Natürlich wird es in der Rückschau etwas Besonderes sein", räumt die 51-Jährige ein.

Und deshalb sind besondere Maßnahmen ausgetüftelt: Zwischen dem 20. Juni und 23. Juli sind gleich vier Vorbereitungslehrgänge geplant und zwei Testspiele (in Regensburg und Paderborn) vereinbart, um dann mit 18 Spielerinnen - mehr sind nicht erlaubt - am 27. Juli nach Brasilien zu fliegen. Unweigerlich sind auch die anstehenden EM-Qualifikationsspiele in Istanbul gegen die Türkei (Freitag, ab 15:45 Uhr, live im ZDF) und in Osnabrück gegen Kroatien (Dienstag, 18 Uhr) eingebettet in den olympischen Vorlauf. Die hochbegabte Sara Däbritz spricht das auch klipp und klar an: "Jedes Spiel ist jetzt auch eine Vorbereitung auf Olympia."

Ein Trio vom FC Bayern kann aufrücken

Dreimal haben die deutschen Fußballerinnen bislang bei Olympischen Spielen die Bronzemedaille gewonnen - 2000, 2004 und 2008. Im Finale von Rio de Janeiro zu stehen, wäre allzu verlockend - ansonsten könnte es passieren, dass die deutsche Delegation die Olympiastadt gar nicht zu Gesicht bekommt. Doch wie reif ist der Kader schon, in dem mit Torhüterin Nadine Angerer und Torjägerin Celia Sasic nach der WM in Kanada echte Führungspersönlichkeiten verabschiedet wurden?

"Einige junge Spielerinnen müssen mehr und mehr Verantwortung übernehmen und sollen in diese Rolle reinwachsen", sagt Silvia Neid. Bei einem Turnier würden Nuancen entscheiden, "da brauchst du solche Spielerinnen." Speziell Leonie Maier (23 Jahre), Melanie Leupolz (22) oder eben Sara Däbritz (21), allesamt vom Meister FC Bayern, könnten da aufgrund ihrer Veranlagung eine prägende Rolle spielen.

Es braucht Vergleiche auf hohem Niveau

Steffi Jones im Portrait
Steffi Jones soll nach Rio 2016 den Posten von Silvia Neid übernhemen Quelle: imago

Ihren Reifeprozess wird Steffi Jones begleiten, die ab September die Verantwortung übernimmt. Die gebürtige Frankfurterin gibt sich nach eigener Aussage offen "für Neues und Veränderungen". Interessant allemal, dass sich die 43-Jährige mit Markus Högner und Verena Hagedorn einen Mann und eine Frau ausgesucht hat, die ihr assistieren. Klar ist auch für Steffi Jones: Es braucht möglichst viele Leistungsvergleiche auf höchstem Niveau.

Deshalb war im März die Teilnahme am vom US-Verband ausgerichteten "SheBelieves Cup" ein wichtiger Gradmesser. Nach Siegen gegen den nächsten WM-Ausrichter Frankreich (1:0) und den WM-Dritten England (2:1) lieferte vor allem die Partie gegen Weltmeister und Olympiasieger USA (1:2) wichtige Erkenntnisse. "Wir haben nach 15 Minuten den Fight gegen die USA angenommen und das wirklich gut gemacht", lobte Silvia Neid.

Rückflug noch am Spieltag

Der Erkenntnisgehalt aus den EM-Qualifikationsspielen hält sich dagegen meist in Grenzen. Auch die Türkei taugt trotz aller Fortschritte im vergangenen Jahrzehnt als aktueller Weltranglisten-60. noch nicht zum echten Gradmesser. Wichtig ist der Bundestrainerin, vermehrt spielerische Akzente zu setzen. Unter "Raum-, Zeit- und Gegnerdruck" die Technik weiterentwickeln, nennt die Bundestrainerin wiederholt als wichtigstes Ziel, "außerdem das Spiel im Angriffsdrittel mit einem effektiven Torabschluss."

Das deutsche Aufgebot, in dem die Mittelfeldspielerinnen Lena Goeßling (Knieverletzung) und Melanie Behringer (Kapselriss im Sprunggelenk) verletzungsbedingt absagen musste, hält sich aus Sicherheitsgründen nicht länger als nötig in der Millionen-Metropole am Bosporus auf. Noch am Spieltag geht es um 22 Uhr zurück an den Flughafen Münster/Osnabrück - kurz nach Mitternacht soll der Flieger landen.

"Das Ziel sind sechs Punkte"

Im Hotel Klosterpforte in Harsewinkel erfolgt dann über das Wochenende die weitere Vorbereitung auf das EM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien am Dienstag. "Unser Ziel sind für die beiden Spiele sechs Punkte. Es muss jedoch jeder Spielerin klar sein, dass man dafür 100 Prozent geben muss, sonst können dir auch diese Mannschaften den Schneid abkaufen", fordert Silvia Neid. "Das hat etwas mit einer guten Einstellung und Zweikampfverhalten zu tun - und damit letztlich mit dem Kopf."

Die künftige DFB-Abteilungsleiterin Scouting wird froh sein, wenn sie an die Pflichtaufgaben in diesem Monat einen Haken gemacht hat. Um sich dann ganz der Vorbereitung auf das Event des Jahres zu widmen - dem besonderen Kick am Zuckerhut. "Olympische Spiele sind einfach ein Highlight - für jeden Sportler."

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