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Eine EM nahe der Heimat

Frauenfußball-EM - Gruppe A: Dänemark - Belgien

Die belgische Frauen-Nationalmannschaft ist Neuling beim Turnier in den Niederlanden. Vielleicht ganz gut, dass es die Anhänger nicht so weit haben. Zum Auftakt trifft das Team in Doetinchem auf Dänemark (Sonntag, 20.45 Uhr/ZDF Livestream).

Tessa Wullaert
Tessa Wullaert Quelle: imago

Eines steht fest: Sollte es aus irgendwelchen Gründen bei der belgischen Frauen-Nationalmannschaft mal so etwas wie Heimweh geben, niemand wäre so schnell zu Hause wie der Turnierneuling. Unter den zur Verfügung stehenden Quartieren haben sich die Novizen ein Hotel in Tilburg gesucht, das vom Grenzörtchen Strijbeek gerade einmal 15 Kilometer entfernt liegt. Die moderne Industriestadt Tilburg hatte die belgische Delegation sich ganz bewusst als Basis genommen, als die Auslosung feststand.

Wullaert besetzt Schlüsselrolle

„Wir spielen in Breda und Tilburg, was nicht so weit weg ist von Belgien“, sagte Nationaltrainer Ives Serneels damals in Rotterdam, „das ist wichtig für unsere Fans.“ Zwar nicht die zehntausendfache Gefolgschaft, wie sie die Männer-Nationalmannschaft auf die Beine bringt, soll sich auf Reisen machen, aber einige Hundert reichen für den Anfang ja schon. Den Auftakt macht fürs belgische Team das Gruppenspiel gegen Dänemark (Sonntag, 20.45 Uhr/ZDF Livestream).

Es wird gleich zum Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Die Däninnen sind im Grunde Dauergast bei einer EM und entsprechend erfahren. Die Belgierinnen, bei denen mit Torhüterin Justin Simon Odeurs (USV Jena) und Angreiferin Tessa Wullaert (VfL Wolfsburg) zwei Bundesliga-Spielerinnen Schlüsselrollen bekleiden, betreten unbekanntes Terrain.

Dänemark hat mehr als doppelt so viele Spielerinnen

„Was den belgischen Frauenfußball betrifft, hoffe ich, dass all unsere Anhänger – ob sie in den Stadien sind oder am Fernseher – einen guten Eindruck von unserem Spiel bekommen“, formulierte Trainer Serneels ein übergeordnetes Ziel, das von der Platzierung ein bisschen abgekoppelt ist. Der 44-Jährige weiß: Der Nachbar Niederlande, Gegner im dritten Gruppenspiel, ist mit der Entwicklung ein ganzes Stück weiter.

Der belgische Verband hatte zuletzt rund 28.000 Frauen und Mädchen in der UEFA-Mitgliederstatistik ausgewiesen, die Fußball spielen. Nur zum Vergleich: Die Kollegen in Dänemark schöpfen aus einem Reservoir von fast 70.000 Fußballerinnen. Es gibt also noch einiges aufzuholen. Nirgendwo wurde das auch so deutlich, wie bei der 0:7-Abreibung, die Belgien am 30. Juni bei einem Testspiel in San Pedro del Pinatar gegen den EM-Mitfavoriten Spanien kassierte.

Auslandserfahrung ist wichtig

Eine Lehrstunde, die heilsame Wirkung haben soll. Zuletzt bei der Generalprobe gegen den deutschen Gruppengegner Russland gelang vor knapp einer Woche ein 2:0-Erfolg in Denderleeuw.  Und auch die Qualifikation erledigten die Belgierinnen allemal passabel: Am Ende sprang in einer Gruppe mit England der zweite Platz heraus.

Und immer mehr Spielerinnen sammeln Erfahrungen im Ausland: Janice Cayman stürmt für den aufstrebenden französischen Spitzenklub HSC Montpellier, Yana Daniels für Bristol Academy in England. Die wichtigste Rolle aber besetzt die Wolfsburgerin Wullaert, die als Rekordtorschützin die meiste Last trägt. Die inzwischen 24-jährige Mittelfeldspielerin hatte in jungen Jahren alle U-Teams des belgischen Verbands durchlaufen und wechselte vor zwei Jahren zum niedersächsischen Topklub, der ihr Titel garantieren konnte.

Wunschgegner Niederlande im 3. Spiel

„Wir waren schon sehr froh, dass wir Geschichte geschrieben haben. Wir haben hart dafür gearbeitet – und das ist belohnt worden“, erzählte die Anführerin der „Red Flames“ nach der Qualifikation. „Hauptsache, dass wir dabei sind.“ Vor der Auslosung äußerte sie zwei Wünsche: nicht gegen Deutschland antreten, „aber ich würde gerne gegen Holland spielen – das gibt eine gewisse Konkurrenz.“ Am 24. Juli wird die Sehnsucht nun prompt erfüllt. Im Willem II Stadion von Tilburg, das fürs Nachbarschaftsduell mit seinen 14.500 Plätzen eigentlich viel zu klein und seit Wochen restlos ausverkauft ist.

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