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Letzter Feinschliff für die DFB-Frauen

Deutschland - Chile: Generalprobe für die Frauenfußball-WM

15 Spielerinnen aus dem Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft betreten mit der WM in Frankreich (7. Juni - 7. Juli) völliges Neuland. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg baut ihr Team daher um ein festes Gerüst, das bereits bei der Generalprobe gegen Chile (Do., 17.45 Uhr/ARD) Halt geben soll.

Martina Voss-Tecklenburg

Der Media Day ist bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft mittlerweile vor einer EM oder WM obligatorisch. In zwei holzvertäfelten Stuben in einem Seitenflügel vom Golf Resort Achental im bayrischen Grassau kamen diesmal die Spielerinnen zur Unterredung mit den Medienvertretern zusammen. An Tischen, auf denen fein säuberlich die 23 Namen lagen. „Wie beim Speed-Dating“, sagte Marina Hegering von der SGS Essen und lachte. Obwohl sie bereits 29 Jahre alt, hatte die Allrounderin mit den Sommersprossen eine solche Prozedur ja noch nie mitgemacht.

Ihre Teilnahme am Turnier in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) beschreibt die zweifache Nationalspielerin selbst als „kleines Wunder“, weil sie nach einer langwierigen Knöchelverletzung mit langwieriger Wundheilungsstörung jahrelang von der Bildfläche aus der Frauen-Bundesliga verschwunden war. Aber mit ihrer Unerfahrenheit ist sie gar nicht allein: 15 Fußballerinnen aus dem deutschen Kader gehen in ihre erste WM.

Popp und Marozsan in der ersten Reihe

Umso wichtiger, dass das recht unbekümmerte Ensemble vor dem letzten Test gegen Chile in Regensburg (Donnerstag 17.45 Uhr/ARD) schnell zusammenfindet. Dafür sollen Teamabende wie ein WM-Opening am offenen Feuer sorgen. Oder aber auch der WM-Slogan, der beim Training auf einer Banderole präsentiert wurde: „Zeit zu glänzen. Auf nach Frankreich“. Zum anderen sind mehr denn je die Führungsspielerinnen gefragt. Der viel beachtete Commerzbank-Spot, mittlerweile in siebenstelligen Bereichen aufgerufen, beginnt zwar mit dem Satz „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt“, was eigentlich nicht gänzlich richtig ist.

Die dort prominent platzierte Dzsenifer Marozsan hat gerade mit Olympique Lyon wieder das Triple gewonnen und ist zur besten Fußballerin der französischen Liga gewählt worden. „Ich bete jeden Tag: Lieber Gott, lass' diese gute Form noch ein paar Wochen anhalten“, sagt Voss-Tecklenburg über Marozsan. Die 89-fache Nationalspielerin gilt ebenso als Gesicht wie Kapitänin Alexandra Popp, meinungsstarke Angreiferin vom VfL Wolfsburg mit sogar 95 Länderspielen. Wenn die Bundestrainerin von Stützen für ihre „zentrale Achse“ redet, dürfen sich diese beiden immer angesprochen fühlen.

Der nächste Schritt für Leupolz und Däbritz

Namentlich genannt werden von der 51-Jährigen ferner zwei Mittelfeldspielerinnen vom FC Bayern: Melanie Leupolz (25 Jahre/ 57 Länderspiele) und Sara Däbritz (25/ 59). Das Bayern-Gespann hat Vorbildwirkung. 2015 bei der WM in Kanada galten Leupolz und die im Sommer zu Paris St. Germain wechselnde Däbritz noch als aufstrebende Talente, nun tragen sie große Verantwortung für die WM-Mission. „Die Jungen müssen an den Erfahrenen wachsen. Nicht umgekehrt“, fordert Voss-Tecklenburg. In der Abwehr kristallisiert sich bislang noch keine Chefin heraus, zumal Voss-Tecklenburg freiwillig auf die im Aufbauspiel limitierte Babett Peter verzichtete, woraufhin die 31-Jährige nach 118 Länderspielen umgehend aus dem Nationalteam zurücktrat.

Und dann ist da noch die bange T-Frage: Die Schulterprobleme von Almuth Schult sind zwar insofern überstanden, dass die Stammtorhüterin am Mittwochvormittag das Abschlusstraining im Dauerregen am Rande der Chiemgauer Alpen beschwerdefrei absolvierte. Aber noch immer sind die Restzweifel an ihrer WM-Tauglichkeit nicht ausgeräumt. Man wolle von „Tag zu Tag entscheiden“, sagte die 28-Jährige. Bei einer Absage würde dem Team eine wichtige Stütze wegbrechen, denn Vertreterin Merle Frohms vom SC Freiburg hat erst vier Länderspiele bestritten. Die 24-Jährige simuliert allerdings täglich den Ernstfall, dass sie bei der WM gebraucht werde, „dass ist für mich einfacher, als wenn ich andersherum denke.“

Zielsetzung vorsichtig formuliert

Als Ziel hat Voss-Tecklenburg bislang offiziell nur die Olympia-Qualifikation benannt, wofür der zweifache Weltmeister unter den drei besten europäischen Teams sein müsste – ausgenommen England, das sich nicht für Tokio 2020 qualifizieren kann. Intern wird mit dem WM-Halbfinale geliebäugelt, weil die DFB-Frauen dann Teil der Finalwoche in Lyon wären. Umso wichtiger, dass das Team vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen China (8. Juni) nun bei der Generalprobe am Himmelfahrtstag ein positives Signal sendet, „das Spiel soll Sicherheit geben“, sagt Voss-Tecklenburg. Den WM-Teilnehmer aus Südamerika preist die Trainerin als technisch starken Gegner, dem es aber an „Tempo, Robustheit und Torgefahr“ fehle.

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