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Lieberknecht und Braunschweig: Unbefristete Liebe

Fußball - 2. Bundesliga | 32. Spieltag

Der Aufstieg in die Bundesliga wäre schön, ist aber kein Muss: Torsten Lieberknecht behauptet sich im zehnten Jahr in Folge bei Eintracht Braunschweig. Das Teamwork zwischen Trainer und Verein basiert auf einer großen Portion Vertrauen, die in der Hektik des bezahlten Fußballs immer seltener vorkommt.

Torsten Lieberknecht
Torsten Lieberknecht Quelle: dpa

Seine lockere Art ist nicht gespielt. Torsten Lieberknecht, mit Eintracht Braunschweig wieder einmal auf dem Weg nach oben, sieht keinen Anlass, um im Aufstiegsrennen zu hyperventilieren. Den üblichen Druck lässt er ins Leere laufen. Der smarte Chefcoach glänzt in einem Verein, mit dem er im Grunde verheiratet ist. Alle mögen ihn dort und lassen ihn machen. Dass Lieberknecht die Niedersachsen schon ein Jahrzehnt lang voller Ehrgeiz und Leidenschaft trainiert, hat Seltenheitswert. „Und Torsten wird noch lange für die Eintracht tätig sein“, versichert Sportdirektor Marc Arnold. Aber was, wenn Braunschweig am Montag (20.15 Uhr) im Zweitliga-Spitzenspiel gegen Union Berlin seine große Aufstiegschance verspielt? Dann bleibt Lieberknecht trotzdem der Liebling der Blau-Gelben. Seine bodenständige Art passt einfach perfekt zum Verein und zur Stadt.

Lieberknecht, der Wandelbare

Während des Spiels ist er oft ein impulsiver Wüterich, der auch mal gegen Werbebanden tritt und viel schreit. Hat sich der Stress gelegt, kann der 43-Jährige schnell wieder seinen charmanten Dackelblick aufsetzen und mit Pfälzer Dialekt sanft parlieren. Genau solch eine Identifikationsfigur mit Pfiff braucht ein von Tradition und Sehnsucht beladener Verein wie Eintracht Braunschweig.

Seit 2008, als Lieberknecht vom Amateur- zum Profitrainer aufsteigen durfte, ist es mit den „Löwen“ kontinuierlich bergauf gegangen. Dass sich der Trainer an seiner Daueraufgabe abnutzt, lässt sich nicht erkennen. „Es ist und bleibt ein Traum, dass ich diesen Job ausüben darf“, sagt Lieberknecht. Solche Lobeshymnen an den Arbeitgeber – und dann auch noch ernst gemeinte – hört man im bezahlten Fußball nur noch selten bis gar nicht.

Lieberknecht, der Beständige

Sören Oliver Voigt
Sören Oliver Voigt

Vor drei Jahren hatte die unbefristete Liebe zwischen Fans, Verein und Trainer ihren vorläufigen Höhepunkt erlebt. Lieberknecht war mit der nicht gerade vermögenden Eintracht 2013 ins Oberhaus aufgestiegen. Er vollbrachte das Kunststück, aus einer vermeintlichen Durchschnittsmannschaft ein Spitzenteam zu formen. Dass er den sofortigen Abstieg ein Jahr später unbeschadet überstanden hat, liegt an einer außergewöhnlichen Konstellation.

Lieberknecht als Mann an der Außenlinie und Arnold als Pendant hinter den Kulissen gehen ihren Weg seit neun Jahren gemeinsam. Dazu kommt mit Soeren Oliver Voigt ein Geschäftsführer, der auch auf ihrer Wellenlänge liegt. „Wir wissen, wie der andere tickt. Das gilt für den Fußball und die allgemeine Lebenseinstellung“, findet Voigt.

Lieberknecht, der Treue

Es stand bisher nie zur Debatte, ob Lieberknecht nach dem einen oder anderen Durchhänger hätte entlassen werden sollen. Und die Versuche von Werder Bremen, den begehrten Trainer in die Bundesliga zu locken, ließen sich leicht abwehren. Dass Lieberknecht eines Tages Braunschweig verlässt, erscheint lediglich dann möglich, wenn er selbst aufgeben würde.

Nur einer hat im Profigeschäft noch länger durchgehalten. Frank Schmidt steht beim 1. FC Heidenheim schon seit September 2007 unter Vertrag. In beiden Fällen stellen sich Außenstehende die Frage, ob eine solche Form von Treue nicht irgendwann ermüdet. Aber Lieberknecht und Schmidt haben das Vertrauen in ihre Arbeit mehrheitlich mit Erfolgen beantwortet. Sollte Eintracht Braunschweig tatsächlich wieder aufsteigen, wird mit Lieberknecht ein Mann belohnt, dessen Haltbarkeitsdatum als Trainer einfach nicht ablaufen will.

Rund um den Auf- und Abstieg

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