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FC Bayern: Wider die Vernunft

Fußball-Bundesliga, 30. Spieltag

Der FC Bayern ist zurück im Ligaalltag. Und auch wenn Lewandowski und Hummels gegen Mainz wohl einsatzbereit sind, beweisen Neuers Saison-Aus und Boatengs Ausfall, dass der FCB zuletzt offenbar die Grenzen der Vernunft überschritten hat. Chef Rummenigge treibt aber schon wieder an.

Mats Hummels (r) und Robert Lewandowski
Gegen Mainz wohl dabei: Mats Hummels (r.) und Robert Lewandowski Quelle: imago/photoarena/Eisenhuth

Das erste Eingeständnis hatte es beim FC Bayern schon vor dem Rückspiel bei Real Madrid am Dienstag gegeben. Es handele sich ja auch „um ein außergewöhnliches Spiel“, hatte Karl-Heinz Rummenigge gesagt. Diese Einschränkung folgte, nachdem er eingeräumt hatte, was ohnehin offensichtlich war. „Ein kleines Risiko“ sei es schon, die angeschlagenen und im Eiltempo wieder einigermaßen hergestellten Spieler Manuel Neuer, Robert Lewandowski, Jérôme Boateng und Mats Hummels in die Vollbelastung zu schicken. So der Vorstandsvorsitzende vor dem zweiten Viertelfinale der Champions League und er hatte dabei vermutlich noch untertrieben.

Boateng und Martinez angeschlagen

Neuer, Boateng und Hummels spielten dann 120 Minuten durch, Neuer in den letzten Minuten sogar mit einer Fraktur im linken Fuß. Lewandowski war kurz vor Ende der regulären Spielzeit herausgenommen worden. Allerdings nicht wegen seiner vorherigen Schulterprellung, sondern aus taktischen Gründen, wie Trainer Carlo Ancelotti den Wechsel begründete.

Vor der Rückkehr in den Ligaalltag an diesem Samstag gegen Mainz folgte das nächste, zumindest indirekte Eingeständnis, dass der FC Bayern mit seinen jüngsten Personalentscheidungen offenbar die Grenzen der Vernunft überschritten hat. Für Neuer ist die Saison beendet. Neben dem Torwart fällt auch Innenverteidiger Boateng aus, zumindest gegen Mainz. Der Nationalspieler hatte sich trotz einer Adduktorenblessur durch den Kampf gegen Real geschleppt, genauso wie Hummels, später Neuer und vielleicht auch Lewandowski, wenngleich dies beim Polen nicht erkennbar war. Am Freitag sagte Ancelotti, Boateng habe wie sein Innenverteidigerkollege Javier Martínez „noch kleine Probleme“. Beide werden gegen Mainz fehlen. Aber keine Sorge, am Mittwoch im Pokalhalbfinale gegen Dortmund „werden sie bereit sein“, versprach Ancelotti. Notfalls wohl so bereit, wie Neuer, Lewandowski, Boateng und Hummels in Madrid waren. Zumindest Hummels und Lewandowski scheinen die Strapazen verkraftet zu haben. Sie sollen gegen Mainz einsatzfähig sein.

Grenzen überschreiten

Es ist in den aufgeregten und scharfzüngigen Debatten um die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters Viktor Kassai nach dem Aus in Madrid ein bisschen untergegangen, dass Hummels ein paar Einblicke in die Praxis der medizinischen Abteilung seines Arbeitgebers gegeben hat. Ob es unvernünftig gewesen sei, trotz seiner Sprunggelenksverletzung überhaupt und dann auch noch zwei Stunden zu spielen, war der Innenverteidiger gefragt worden. „Unvernünftig nicht. Wir konnten nicht unbedingt viel kaputt machen, es war ja schon kaputt“, antwortete Hummels witzelnd und führte ernsthaft aus: „Ich musste halt nur ein bisschen über die Schmerzgrenze gehen. Natürlich auch ein bisschen über die Belastungsgrenze, nachdem ich acht Tage lang recht wenig gemacht habe. Jérôme und ich haben einfach alles ausgeblendet, was irgendwie körperlichen Behinderungen zu tun hatte.“ Folgeschäden erwarte er nicht, „ich weiß aber nicht, ob der Fuß die 120 Minuten so gut verkraftet“, sagte Hummels. Die Adduktoren von Boateng, der zuweilen sichtbar hinkte, haben die zwei Stunden Volllast in Madrid wohl nicht so gut verkraftet.

Hummels hat auch über seine eigene Verwunderung gesprochen, dass sein Einsatz überhaupt möglich geworden war. „Das muss ich schon sagen: Das war beeindruckend“, sagte der Nationalspieler, „ich habe es ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten, dass es funktioniert. Vor allem, nachdem es am Samstag noch einmal einen kleinen Rückschlag gegeben hatte, als der Fuß nach wenig Belastung wieder angeschwollen war.“ Aber, erzählte er weiter, „irgendwie war ab Sonntag alles in Ordnung – und dann hat es wunderbar funktioniert.“

Rummenigge, der Antreiber

Dass dieses „Irgendwie“ Fragen aufwirft, wissen die Bayern. Und sie wissen ebenso, dass die Annahme naheliegt, dass der übliche und erlaubte Einsatz von Schmerzmitteln im Fußball und dem gesamten Spitzensport eine Rolle gespielt haben dürfte. Ob sie gegen Dortmund, wenn es um den Erhalt der nächsten Titelchance geht, wirklich im eigentlichen Sinne fit sein werden, sei dahingestellt. Rummenigge treibt die Belegschaft derweil vor dem Spiel gegen Mainz schon wieder an, damit die verbliebenen Ziele erreicht werden. „Lasst uns nochmal alles geben, dass die Saison positiv verläuft“, so sein Auftrag und weiter, „um die Meisterschaft so schnell wie möglich perfekt zu machen.“ Das klang nach: weiter, immer weiter, egal wie.

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