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Tradition gleich Stagnation?

Sport - Tradition gleich Stagnation?

Eine Stadt steht Kopf - und das, obwohl ihrem Verein Werder Bremen der Abstieg in die Zweitklassigkeit droht. Doch die Fans sind sicher, dass Werder gegen Frankfurt den Klassenverbleib perfekt macht.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.05.2017, 17:01

Viele Traditionsklubs der Bundesliga befinden sich seit Jahren auf dem Sinkflug. Aber noch nie war das Gedrängel großer Namen am Tabellenende so dicht wie vor dem letzten Spieltag (Samstag, 15:30 Uhr) in dieser Saison. Tradition scheint zur Bürde werden zu können, die rechtzeitige Veränderungen hemmt.

Drei Mannschaften müssen am kommenden Samstag noch um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga zittern: Der VfB Stuttgart, Werder Bremen und Eintracht Frankfurt spielen den zweiten direkten Absteiger sowie den Teilnehmer an der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg unter sich aus. Genaugenommen ist das ein teaminternes Duell: Alle drei Mannschaften gehören zum „Team Marktwert“, das sich Anfang des Jahres zusammengeschlossen hat, um die Kriterien für die Verteilung der Fernsehgelder neu zu justieren.

Team Marktwert trifft sich unten

Wenn es nach ihnen geht, soll künftig nicht mehr allein der Tabellenplatz zählen, sondern eine Art „Attraktivitäts-Bonus“ hineingerechnet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Werks- sowie von Investoren gesteuerten Klubs wie Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim und Leipzig zu erhalten. Neben den Genannten zählen noch der 1.FC Köln, der HSV und Hertha BSC zum Klub derer, die sich ungerecht bewertet fühlen.


„Ich prognostiziere, dass sich in fünf bis acht Jahren viele Traditionsvereine im Abstiegskampf befinden“, sagte Eintracht Frankfurts scheidender Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen vor knapp einem halben Jahr dem Kicker: „Klubs, die ähnliche Voraussetzungen haben wie die Eintracht, zum Beispiel Köln, Berlin, Bremen, Hamburg, Stuttgart und Hannover."

Schiefes Bild

Diese Prognose hat sich nun wesentlich schneller bewahrheitet als angenommen. Dennoch enthält die Gegenüberstellung Traditionsverein – Investorenklub eine deutliche Schieflage. So ist mit Hannover 96 ausgerechnet ein Klub bereits abgestiegen, der mit Martin Kind auch von einem Investor abhängig ist. Kind hat an vorderster Front für die Entschärfung der 50+1-Regelung gekämpft, die ursprünglich die Machtübernahme von Investoren verhindern sollte. Und auch die Abhängigkeit des Bundesliga-Dinos HSV von Milliardär Klaus-Michael Kühne ist kaum mehr bestreitbar.


Und Emporkömmling TSG Hoffenheim mischte lange Zeit im Abstiegskampf mit, nachdem Besitzer Dietmar Hopp die Geldzufuhr gedrosselt hatte. Überhaupt das Geld: Wenn es nur um die Höhe des Spieleretats ginge, hätten Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt absteigen müssen. Und auch Mainz 05 sowie der FC Augsburg wären hinter den nun Gefährdeten gelandet.

Geist gegen Druck

Die selbsternannten Traditionsklubs machen es sich also zu leicht, wenn sie ihre Misere mit ökonomischen Strukturen erklären. Der Wahrheit näher kommt ausgerechnet einer, der von der Krise der meisten Traditionsklubs profitiert. Auf die Frage, warum Klubs mit kleineren Budgets mitunter mehr Erfolg haben, sagte Mainz 05-Trainer Martin Schmidt: „Vielleicht, weil uns bewusst ist, dass wir aus weniger mehr machen müssen. Vielleicht, weil wir einen besonderen Geist erzeugen. Aber bestimmt auch, weil wir ruhiger arbeiten können. Bei den großen Klubs kann der Druck der Tradition oft auch zur Last werden.“


Die Verantwortlichen in Stuttgart, Bremen, Frankfurt und Hamburg können noch so oft Realismus anmahnen – das Gefühl von Größe und Bedeutung ist in der kulturellen DNA der Klubs angelegt. Als weiterer Bremsklotz wirken die in erfolgreichen Zeiten aufgebauten Apparate, Besitzstände und Kader, die schmerzvoll an die Realität angepasst werden müssen. Das bindet Energien, die auf dem Platz oft fehlen – oder erst in Gefahr und höchster Not freigesetzt werden.

Große Namen in unteren Ligen

Die unteren Ligen sind voll von ehemals großen Namen, die den Umbruch nicht rechtzeitig geschafft haben: Alemannia Aachen, Kickers Offenbach, Rot-Weiß Essen, MSV Duisburg, 1860 München, um nur ein paar zu nennen. Mancher hat die Realitätskur in der 2.Liga aber auch schon genutzt, um gestärkt und mit klarem Plan zurückzukehren. So wie Hertha BSC und der 1. FC Köln, die die Fahne des „Team Marktwert“ auch sportlich hochhalten.

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