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Großbaustelle Geißbockheim

Bundesliga, 14. Spieltag - Schalke - Köln

Ein halbes Jahr nach dem Jubelorkan zur ersten Europapokalteilnahme nach 25 Jahren hängt das abgeschlagene Liga-Schlusslicht 1. FC Köln in einer tiefen Herbst-Depression fest. Vor dem Samstagabendspiel auf Schalke ein analytischer Blick auf die wichtigsten Baustellen bei den Rheinländern.

Peter Stöger

Wäre Peter Stöger Trainer in Freiburg, hätte er zu diesem Zeitpunkt längst eine Jobgarantie auch für die Zweite Liga. Wäre er bei einem anderen Bundesligisten, hätten sie ihn höchstwahrscheinlich vor einigen Wochen schon vom Hof gejagt. Aktueller Stand: Bis zum Schalke-Spiel am Samstagabend darf der 51-Jährige erst mal weitermachen, dann wird neu überlegt.

Eine unwürdige Hängepartie für den Coach, nach vier Jahren zwar nicht aufregendem, aber solidem Fußball, kontinuierlich positiver Entwicklung – und einem viermonatigen Absturz sondergleichen. Stöger spricht, desillusioniert, von partiellen Wertverlusten innerhalb des Klubs und fordert nun eine klare Ansage von seinen Chefs. Was zeigt: Selbst die Nerven des Stoikers Stöger sind nicht unendlich strapazierbar.

Die Klubführung – ist sich uneins

Die Verantwortlichen beim Geißbock-Klub sind sich auch nach den vielen Krisensitzungen der letzten Wochen offensichtlich immer noch uneins, wie man mit Chefcoach Stöger verfahren soll. Die Verdienste des Österreichers in den zurückliegenden vier Jahren spielten dabei lange eine wichtige Rolle, mittlerweile dürfte dieser Aspekt aber überholt sein.

Entscheidender sind die Bedenken, kurz vor Weihnachten dann komplett ohne sportliche Führung da zu stehen. Dass der FC nach den Äußerungen von Vizepräsident Toni Schumacher über angebliche Probleme in Hannovers Führungsriege nach langer Zeit mal wieder als „niveaulos“ (96-Präsident Martin Kind) bezeichnet wird, macht die Sache nicht einfacher.

Die sportliche Leitung – steckt in einem Vakuum

Die Bundesregierung ist seit den gescheiterten Sondierungsgesprächen nur noch eine geschäftsführende Bundesregierung. Dem 1. FC Köln geht es seit dem nicht ganz unfreiwilligen Abgang von Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke Ende Oktober ähnlich.

Vielmehr: Die sportlichen Planungen stecken sogar in einem Vakuum – auch wegen der unklaren Situation um Trainer Stöger. Zwar gibt es mit Jörg Jakobs einen Sportdirektor – die frisch abgebrochenen Gespräche mit Hannovers Manager Horst Heldt zeigen aber, dass die Klubspitze prinzipiell nach einer externen Lösung sucht. Klar ist: Wer als Sportchef mal eine echte Herausforderung sucht, ist beim 1. FC Köln momentan goldrichtig.

Die Mannschaft – fühlt sich zermürbt

Beim 0:2 gegen Hertha BSC am Sonntag boten die Kicker des Geißbock-Klubs einen schon bemitleidenswerten schwachen Auftritt. Zehn Verletzte sind ein Aspekt dabei, taugen aber nicht als Erklärung für eine Partie haarscharf über dem leistungsmäßigen Nullpunkt.

Denn miserable Partien lieferte der FC auch vorher schon ab, in nominell besserer Besetzung. Kapitän Matthias Lehmann brachte die Stimmungslage zuletzt auf den Punkt: „Wenn du so viele Schläge in die Fresse kriegst, zermürbt dich das irgendwann. Das macht dich kaputt.“ Die Hängepartie um den Cheftrainer kommt erschwerend hinzu. Ebenso die jüngsten Dissonanzen zwischen Peter Stöger und Fitnesscoach Yann-Benjamin Kugel.

Die Fans – schreien nicht, sondern trauern

Beim bislang letzten Kölner Abstieg im Mai 2012 sorgten die Fans mit dunklen Rauchbomben für eine apokalyptische Atmosphäre im Stadion im Stadtteil Müngersdorf. Der Gleichmut – oder Fatalismus –, mit dem die Anhänger den Absturz im Herbst 2017 ertragen, ist nun fast schon verstörend.

Aggressionen auf den Tribünen blieben bislang die Ausnahme. Die sportliche Bankrotterklärung gegen Berlin verarbeiteten die Fans auf der Südtribüne und die Mannschaft bei ihrer kurzen Zusammenkunft nach dem Abpfiff so stumm, als wohnten sie der eigenen Beerdigung bei.

Die Aussichten – sind miserabel

Angesichts von elf Punkten Rückstand auf Rang 15 wies Trainer Stöger bereits darauf hin, dass das Kölner Maximalziel für diese Saison nur noch das Erreichen der Relegation sein kann. Eine – je nach Interpretation – sehr realistische oder sehr optimistische Aussage. Tasmania Berlin, bislang abschreckendstes Beispiel in der Bundesliga, hatte vor 52 Jahren nach 13 Runden mit sechs Treffern zwei Tore mehr und mit umgerechnet vier Punkten zwei Zähler mehr auf dem Konto als der 1. FC Köln jetzt.

Klar ist: Allein durch die Rückkehr zahlreicher verletzter Stammspieler (Hector, Risse, Bittencourt, Maroh) werden die Domstädter nicht wieder in die Spur finden. Sie müssen in der – diesmal besonders kurzen – Winterpause vor allem eine extrem gute Transferpolitik betreiben. Und vorher erst mal den dafür zuständigen Sport-Geschäftsführer finden.

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