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Die richtigen Lehren gezogen

Hinrunden-Bilanz der Fußball-Bundesliga

Die Bundesliga hat aus der Sinnkrise des deutschen Fußballs offenbar schneller gelernt als die Nationalmannschaft. Der Kampf um die Meisterschaft ist endlich wieder spannend und ein Quintett überwintert in den Europapokalwettbewerben.

Dortmund jubelt nach einem Tor.
Endlich wieder Spannung an der Spitze: Der BVB ist Herbstmeister vor den Bayern.
Quelle: ZDF

Die Einladungen sind längst verschickt, die Registrierungen erfolgt: Der Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL), der alljährlich in einer Frankfurter Eventlocation stattfindet, ist diesmal für den 15. Januar terminiert. Ein Pflichttermin für alle Protagonisten. Und eine Zusammenkunft, die der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christian Seifert, gerne nutzt, um Grundsätzliches zum deutschen Profifußball loszuwerden.

Einige lobende Worte sind der Bundesliga gewiss, die ihr Zwischentief überwunden hat. Alles muss besser werden - so hieß es vor Beginn der Spielzeit 2018/2019.

Zur Halbzeit ist zu konstatieren: Vieles ist bereits besser geworden. Der sportliche Bereich hat eine Qualitätsoffensive erfahren. Und da das deutsche Oberhaus in wirtschaftlicher Hinsicht vorbildlich arbeitet - 16 von 18 Klubs schrieben zuletzt schwarze Zahlen - , steht Seifert neuerdings auch als Chairman dem World Leagues Forum vor, ein Zusammenschluss aus rund 40 Profiligen weltweit.

Zeichen der Zeit erkannt

Die DFL stellt gerne zwei Fakten gerne heraus: Nur in die nordamerikanische Football-Profiliga NFL gibt's mehr Zuschauer in den Stadien. Und keine andere europäische Topliga weist einen solch hohen Toreschnitt von knapp über drei Treffern pro Spiel aus.  Beide Kennziffern lassen noch keinen direkten Rückschluss auf die fußballerische Qualität zu, aber der Mehrwert gegenüber der vergangenen Saison ist unbestritten.

Manager und Trainer der Bundesliga haben offenbar deutlich eher als die A-Nationalmannschaft die Lehren aus einer Sinnkrise gezogen, die nach dem ersten Vorrundenaus bei einer Weltmeisterschaft nicht mehr zu leugnen war.

Während Bundestrainer Joachim Löw noch den Reinfall in der Nations League brauchte, um wirklich mit Überzeugung die Reformprozesse durchzuziehen, waren die Kollegen im Liga-Alltag schneller. "Wenige Monate nach dem enttäuschenden WM-Sommer hat der deutsche Profifußball an vielen Stellen begeistert", konstatierte Liga-Präsident Reinhard Rauball bereits im Herbst.

Gute Zwischenbilanz im Europapokal

Frankfurts Torschütze Luka Jovic (l) und Cheftrainer Adi Hütter freuen sich
Frankfurts Erfolgstrainer Adi Hütter freut sich mit Luka Jovic.
Quelle: ZDF

Sicherlich ist es zu früh, von einer Renaissance des deutschen Vereinsfußballs zu sprechen, aber der Weg weist in die richtige Richtung. Im aktuellen UEFA-Jahresranking haben nur die spanischen Vertreter mehr Punkte (13,571) gesammelt als die deutschen (13,071).

Mit Borussia Dortmund, dem FC Bayern und FC Schalke 04 qualifizierten sich drei Teams fürs Achtelfinale der Champions League. In der Europa League stürmte Eintracht Frankfurt mit sechs Siegen - Novum in der deutschen Europapokalgeschichte - zum Gruppensieg, den auch Bayer Leverkusen holte.

Neue Spannung im Titelkampf

In erster Linie erfreut sich der Anhänger jedoch endlich mal wieder über einen Meisterschaftskampf, der diesen Namen auch verdient. Würde sich diese Langeweile auf Dauer fortsetzen, warnte Seifert oft genug hinter vorgehaltener Hand, sei das ausgesprochen schädlich für die Auslandsvermarktung.

Nun leitet ausgerechnet der Branchenführer FC Bayern den Umbruch erst mit Verzögerung ein, was die Konkurrenz listig zu nutzen wusste. Sechs Punkte liegt der ewige Primus nach der Hinserie zurück.

Kovac "sehr urlaubsreif"

Trainer Niko Kovac findet die veränderte Ausgangslage für den Meisterschaftskampf gar nicht so schlimm: "Die letzten sechs Jahre waren ja sehr eintönig. Vielleicht brauchen wir das mal, dass wir von hinten schieben, dass wir den Druck erhöhen."

Der neue Coach blickt nach eigener Aussage auf eine Hinrunde "mit einem guten Anfang und Ende - und zwischendrin kleine Dellen". Er selbst sei nun "sehr urlaubsreif", sagte er mit einem Augenzwinkern im aktuellen sporstudio.

Beim Herbstmeister Borussia Dortmund fielen die Renovierungsarbeiten vergangenen Sommer umfassender aus, weil neben Lucien Favre (Cheftrainer) mit Sebastian Kehl (Leiter der Lizenzspielerabteilung) und Matthias Sammer (Berater) frische Expertise von außen half. Anderswo wurde bei strukturellen Defiziten eingegriffen: In Leipzig oder Mönchengladbach wurden beispielsweise eigene Mannschaftsärzte eingestellt.

Viele Trainer denken offensiv

Eine Hinwendung zur Vernunft ist auch in der Trainerfrage zu beobachten. Die Ablösung von Heiko Herrlich bei Bayer Leverkusen war am vierten Advent erst die zweite Veränderung, nachdem zuvor nur Markus Weinzierl beim VfB Stuttgart den glücklosen Tayfun Korkut abgelöst hatte. Die Verantwortlichen haben erkannt, dass es zu billig ist, immer nur das schwächste Glied der Kette auszutauschen.

Was zudem auffällt, wie mutig mancherorts die Fußballlehrer ihre Philosophie durchziehen. Bei Werder Bremen steht der Verrat an den eigenen Werten bei Florian Kohfeldt auf dem Index. Dafür nimmt der 36-Jährige sogar Punktverluste in Kauf. Bei Eintracht Frankfurt steht derselbe offensive Ansatz unter dem Österreicher Adi Hütter für einen hohen Unterhaltungsfaktor.

Neue Typen, neue Torjäger

Das torhungrige Trio mit Luka Jovic, Sébastian Haller und Ante Rebic hat es in die Notizbücher zahlreicher Großklubs gebracht. Die Combo vom Main steht für die neuen Typen, die die Lust auf die Liga neu belebt haben.

Alassane Plea jubelt
Gladbachs neuer Torjäger Alassane Plea
Quelle: ZDF

Der Dortmunder Superjoker Paco Alcácer, der Gladbacher Torjäger Alassane Plea oder die Düsseldorfer Überraschung Dodi Lukebakio belegen zudem, dass es nicht immer exorbitante Summen braucht, um neue Stars zu entdecken. Manchmal verstecken sie sich auf den Ersatzbänken in Spanien oder England.

Als neues Einkaufsland spielt zudem Frankreich zunehmend eine wichtige Rolle, was selbst den Mittelbau à la Mainz auf ein höheres Niveau hebt. Über diesen Weg weltmeisterlichen Einfluss in die Bundesliga zu holen, ist gewiss nicht verkehrt, wenn deutsche Defizite in der Nachwuchsförderung nicht so schnell zu beheben sind.

Aus diesem nicht mehr zu leugnenden Fakt könnte allerdings noch ein Langzeitproblem für die Liga erwachsen, dem Seifert vielleicht schon am 15. Januar auch mahnende Worte widmet.

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