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Vorfreude auf alte Zeiten

Das 106. Nordderby Bremen - HSV

Nach langer Zeit firmiert das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV erstmals nicht als ausgesprochenes Kellerduell. Es ist ein Spiel zweier Teams, deren Weg nach oben zeigt - und die ihre Fans endlich wieder zum Träumen bringen. Anstoß ist am Sonntag um 15.30 Uhr.

Grillitsch, Bartels und Kruse (v.l.) jubeln
Grillitsch, Bartels und Kruse (v.l.) jubeln Quelle: epa

Bremen gehört zu den Bundesliga-Standorten, deren Stadion nicht auf die grüne Wiese gepflanzt wurde, sondern mitten in der Stadt liegt. Das hat mitunter verkehrstechnische Nachteile, verleiht dem Fußballerlebnis an der Weser aber eine besondere Atmosphäre.

Gastronomie freut sich

So geht die Stimmung im Stadion fließend in die der zahlreichen Kneipen im "Viertel", wie der angrenzende Stadtteil genannt wird, über. Die heißen Taubenschlag oder Brommy Kneipe und vor ihnen stehen die Anhänger selbst bei "fiesem" Schmuddelwetter in Trauben bis auf die Straße.

Jahrelang sah man hier nach den Spielen vorwiegend trübe Gesichter, was vermutlich auch auf den Umsatz gedrückt hat. Das ist nun vorbei. "Wir haben unsere Fans und auch die Gastronomen in unserem Viertel belohnt", freute sich Trainer Alexander Nouri nach dem 3:0-Sieg gegen RB Leipzig - dem ersten richtig überzeugenden Heimspiel seit langer Zeit.

Wie bei der Meisterschaft

Thomas Delaney (Bremen) gegen den Schalker Max Meyer (l.)
Thomas Delaney (Bremen) gegen den Schalker Max Meyer (l.) Quelle: epa

Und als Ex-Präsident Klaus-Dieter Fischer gefragt wurde, wie er diesen Sieg erlebt hat, sagte er dem "Weser Kurier": "Ja, es hat sich angefühlt wie in den guten, alten Zeiten. Als ich vom Stadion ins Viertel gegangen bin, kam es mir vor, als ob wir die Meisterschaft gewonnen hätten. So haben die Menschen gefeiert."

Genauso war es beim folgenden 3:0 gegen Schalke 04 - und da es auswärts fast genauso gut lief, liegt Werder mit zwanzig Punkten aus den letzten acht Spielen auf dem dritten Platz der Rückrundentabelle. Doch noch ist Freude gebremst, die Euphorie nicht ganz losgelassen - dafür sorgen schon Nouri und die Spieler, die unablässig darauf hinwiesen, dass sie sich immer noch im Abstiegskampf befinden.

Scharte auswetzen

"Die Fans dürfen träumen", sagt Nouri zwar, muss aber das Umfeld nicht wie sein Hamburger Kollege Markus Gisdol vor zu hohen Erwartungen warnen. Gelingt nun aber auch noch ein Sieg gegen den HSV, dann können die Kneipenwirte für die restlichen Heimspiele schon mal die Getränkebestellungen hochfahren.

Dann wäre nicht nur die Scharte der 1:3-Niederlage des letzten Derby-Heimspiels ausgewetzt, sondern wohl der letzte Schritt aus dem Jammertal der vergangenen Jahre, in denen es zäh und holperig gegen den Abstieg und mehr als einmal nur ums nackte Überleben ging, vollzogen. Dann ginge der Blick ungebremst nach oben - dahin wo Werder herkommt und wieder hinwill.

Neue Ausstrahlung

Dass die Vorfreude auf neue Zeiten heute schon beim Gang durchs "Viertel" spürbar ist, liegt am neuen Gesicht dieser Mannschaft. Die hat neben der lange vermissten individueller Klasse, für die vor allem Max Kruse und Serge Gnabry stehen, auch als Team eine neue Ausstrahlung entwickelt hat.

Eine zentrale Rolle spielt dabei neben dem Trainer der dänische Winterzugang Thomas Delaney, der innerhalb kurzer Zeit mit seiner Präsenz auf und außerhalb des Platzes zum Führungsspieler geworden ist. An seiner Seite laufen auch alte Hasen wie Zlatko Junuzovic oder Theodor Gebre Selassie zu großer Form auf. Während in den vergangenen Jahren mehr als einmal die Fans ihre darniederliegende Mannschaft im Endspurt aufrichten musste, geht im Augenblick die Energie im Weserstadion einen anderen Weg - vom Rasen auf die Ränge.

HSV: Wintereinkäufe schlagen ein

Kyriakos Papadopoulos und Emil Forsberg
Kyriakos Papadopoulos (l.) gegen Emil Forsberg Quelle: dpa

Das 106. Nordderby hat auch deshalb einen besonderen Reiz, weil sich in Hamburg gerade ähnliches ereignet. Auch die Rothosen liegen mit zwanzig Punkten weit oben in der Rückrundentabelle und haben eine neue Euphorie unter den Fans entfacht. Auch sie haben durch ihre Wintereinkäufe Kyriakos Papadopoulos, Mergim Mavraj und Walace eine neue Stabilität erreicht, an der sich Spiele wie Lewis Holtby oder der Ex-Bremer Aaron Hunt aufrichten.

Gemeinsam ist beiden Mannschaften auch, dass ihnen mit Delaney (Verletzung) und Papadopoulos (Sperre) ausgerechnet die zentralen Figuren des Aufschwungs fehlen. Beide Teams sind aber so gefestigt, dass sie dies kompensieren können. Selbst eine Niederlage würde vermutlich keine von beiden Mannschaften aus der Bahn werfen. Auch wenn der Stimmungspegel im "Viertel" dann erstmal wieder sinkt.

Ergebnissen und Tabelle

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