Sie sind hier:

Erneuerung mit vielen Unbekannten

Sport - Erneuerung mit vielen Unbekannten

Pierre-Emerick Aubameyang liebt Comic-Figuren, Autos und Klamotten - außerhalb des Platzes eine schillernde Persönlichkeit. Kein Problem für den Trainer, solange der Gabuner Tore am Fließband erzielt.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.07.2017, 10:31

Der Großangriff aus der Premier League zeigt Wirkung: Nicht nur Topvereine wie Borussia Dortmund, sondern auch die Mittelklasse mit Eintracht Frankfurt stellt sich neu auf. Und setzt vorrangig auf junge Hoffnungsträger aus dem Ausland.

Das freie Wochenende hatten sich die Profis von Borussia Dortmund redlich verdient. Erst Shanghai, dann Shenzhen lauten die schweißtreibenden Stationen einer lange geplanten China-Reise, auf der sich der Bundesligist gerade befindet. Und  nach einem beeindruckenden 4:1 am vergangenen Freitag gegen Manchester United im Rahmen des Internationalen Champions Cup steht am Donnerstag (28.07.2016) noch ein Kräftemessen mit dem von Pep Guardiola trainierten Starensemble von Manchester City an.

Erste Annäherungen

Der Trip ins Reich der Mitte – finanziell bezuschusst von der Deutschen Fußball Liga (DFL) – dient nicht nur dazu, die Bekanntheit auf einem Wachstumsmarkt zu steigern. SportdirektorMichael Zorc spricht von einer „gesunden Mischung aus Trainingsinhalten, werthaltigen Spielen und repräsentativen Verpflichtungen“. Asien sei nun einmal „unser internationaler Kernmarkt“, so BVB-Vorstandschef Hans-Joachim Watzke, der mit Wohlgefallen registrierte, wie beim vom Hauptsponsor veranstalteten Galaabend  in einer Bar in Shanghai sich der spanisch sprechende Gonzalo Castro mit den spanischen Neuzugängen Marc Batra (FC Barcelona) und Mikel Merino (CA Osasuna) unterhielt. Dazu gesellte sich mit Sebastian Rode (FC Bayern) ein weiterer Zugang an den Tisch.

Ein Zeichen, dass das Zusammenwachsen schnell gelingt? Keiner der deutschen Topvereine tritt in der kommenden Saison so runderneuert auf wie der Vizemeister. Mit dem 50-Millionen-Paket für die Weltmeister Mario Götze und André Schürrle – beide fehlen bei der neuntägigen China-Tour – haben die Schwarz-Gelben ihr Personalpuzzle vervollständigt. „Der Trainer wirkt jetzt befreit“, hat Watzke festgestellt.

Englische Größenordnungen verbieten sich

Thomas Tuchel hätte sich vor einem Jahr sicher nicht vorstellen können, wohin seine formidable Premierensaison führen würde: dass vor allem die im Geld schwimmende Premier League einen Großeinkauf bei seinen Stars starten würde. Letztlich war Dortmund bei den gebotenen Gagen für Ilkay Gündogan (für 25 Millionen zu Manchester City) und Henrikh Mkhitaryan (für 42,5 Millionen zu Manchester United) chancenlos. Und zwischendurch hatte auch noch Mats Hummel (für 35 Millionen zum FC Bayern) seinen Abschied verkündet. Der Fluch der guten Tat.

Die Auswirkungen, die das Wegbrechen von „drei Säulen auf Topniveau“ (Tuchel) bedeutete, schienen zunächst fatal. Doch der BVB, auf das Szenario offenbar gut vorbereitet, läutete nicht nur den größten Personalwechsel seit zehn Jahren ein, sondern überzeugte eine Reihe vielversprechender Talente zum Wechsel. Allen voran der schnelle Flügelflitzer Ousmane Dembelé (19 Jahre, Stade Rennes), der portugiesische Europameister Raphaël Guerreiro (22, FC Lorient) oder der türkische Dribbler Emre Mor (18, FC Nordsjaelland) stehen für das „Projekt mit Perspektive“ (Zorc).

Erneuerung mit vielen Unbekannten

Eine andere Alternative hat der Verein nicht, denn finanzielle Lockrufe an fertige Spieler in englischen Größenordnungen auszusenden, verbietet sich für den deutschen Vizemeister, will er nicht sein Gehaltsgefüge sprengen. Es ist eine Erneuerung mit vielen Unbekannten – und reichlich Phantasie. „Wir müssen uns erst finden. Man tauscht nicht einfach ein paar Spieler aus, und schon läuft es“, betont Watzke, der darauf setzt, dass Tuchel aus dem Kader „eine harmonische Formation“ formt. Als Champions-League-Starter habe man schließlich eine Verpflichtung auf internationaler Bühne.

Die Summen, die auf dem überhitzten Transfermarkt kursieren, zwingen aber auch manch Vertreter der Mittelklasse zum Umdenken. Noch viel mehr als Borussia Dortmund versteht sich dabei Eintracht Frankfurt als Aus- und Weiterbildungsverein. „Junge Spieler, die dynamisch sind, eine gute Mentalität und hohe Geschwindigkeit mitbringen, sollen sich bei uns den Hintern aufreißen“, hat Fredi Bobic kürzlich bei einer Veranstaltung erzählt. Der neue Frankfurter Sportvorstand treibt zusammen mit Sportdirektor Bruno Hübner (Bobic: „Wir reden mehr miteinander als mit unseren Frauen“) einen fast schon radikalen Umbau voran.

Eintracht sucht Talente im Ausland

Guillermo Varela
Guillermo Varela Quelle: imago

Denn auch Cheftrainer Niko Kovac ist der Überzeugung, dass das Team mehr Tempo braucht, um eine Zittersaison zu vermeiden. Da aber deutsche Talente auf diesem Niveau nicht bezahlbar sind, fahndet die Eintracht – wie überwiegend auch der BVB - im Ausland und auf den Ersatzbänken der Renommierklubs. Mit Innenverteidiger Jesus Vallejo (19) und Mittelfeldspieler Omar Mascarell (23) kamen zwei Akteure aus der zweiten Reihe von Real Madrid.

Zuletzt  vermeldeten die Hessen das gebührenfreie Leihgeschäft mit Rechtsverteidiger Guillermo Varela, der zwar von Manchester United kommt, aber der 23 Jahre alte Uruguayer war auch bereits bei Real Madrid Castilla, der zweiten Mannschaft, unter dem damaligen Trainer Zinedine Zidane am Ball. Inwieweit solch prominente Umgebung und bekannte Lehrmeister den Durchbruch in der Bundesliga erleichtern, bleibt aber noch abzuwarten.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet