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Ohne neuen Mahner

Sport - Ohne neuen Mahner

Für Pep Guardiola war es die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, für Neu-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti das Heimdebüt. Am Ende des Testspiels siegten die Münchner mit 1:0 gegen Manchester City.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.07.2017, 22:15

Der FC Bayern verzichtet nach Matthias Sammers Abschied vorerst auf die Neubesetzung des Sportvorstandes. Bedarf besteht auch wegen der Expertisen von Kaderplaner Michael Reschke und der allseits erwarteten Rückkehr von Ex-Präsident Uli Hoeneß nicht.

Als Carlo Ancelotti vor wenigen Tagen tatsächlich auch einmal zum Rücktritt Matthias Sammers befragt worden ist, da sprach aus dem neuen Trainer des FC Bayern ganz der Profi. „Ich bin mir sicher, dass Matthias Sammer sehr wichtig für diesen Verein war. Aber wir müssen seine Entscheidung respektieren. Wir werden eine Lösung ohne ihn finden“, sagte Ancelotti.

Freundliche Floskeln zum Abschied

Es war eine dieser standardisierten Antworten, die häufig zu hören sind in der Fußballbranche. Verübeln konnte man es dem Italiener nicht, dass er sich nach wenigen Tagen beim FC Bayern und ohne persönlichen Bezug zum früheren Sportvorstand Sammer für die freundlichen Floskeln entschied. Bemerkenswert war vielmehr, dass er mit seinen unverfänglichen Sätzen aus dem Basis-Baukasten des Ballgewerbes keineswegs alleine dastand. Auch von jenen, die beim deutschen Meister viel mit Sammer zu tun gehabt hatten, ließ sich ja kaum mehr vernehmen.

Karl-Heinz Rummenigge etwa erzählte jüngst, man habe Sammer ein Sabbatical angeboten. Der 48-Jährige habe aber „ziemlich klar gesagt, dass er das Kapitel Bayern München beenden wollte. Das ist etwas, was wir akzeptieren mussten“, sagte der Vorstandschef. Der Technische Direktor, das stellte Rummenigge dabei rasch klar, werde weiterhin für die Kaderplanung zuständig bleiben. „Michael Reschke brauchen wir in seiner Rolle, die er jetzt hat, und das ist das Scouting“, sagte Rummenigge. Die Position des Sportvorstandes solle dagegen erst einmal nicht neu besetzt werden, man werde die Aufgaben verteilen. Wie schon seit Sammers leichtem Schlaganfall im April, von dem er nach eigenen Angaben inzwischen vollständig genesen ist.

Sammers Dienste nicht mehr notwendig

Aus Rummenigges nüchtern vorgetragenen Sätzen ließ sich heraushören, dass sich das Bedauern beim FC Bayern über Sammers Ausstieg in Grenzen hält. Und auch, dass es seine Dienste nicht so unbedingt gebraucht hatte wie jene von Reschke, der seit seinem Wechsel 2014 von Bayer Leverkusen im Verborgenen die Transfers von Arturo Vidal, Douglas Costa, Joshua Kimmich und Kingsley Coman maßgeblich vorbereitet hatte und viel Lob bekam für seine zuverlässigen Expertisen.

Sammer dagegen werden die Transfers von Mario Götze, Sebastian Rode und Jan Kirchhoff zugerechnet. Alle drei sind mittlerweile wie Sammer nicht mehr beim FC Bayern. Der Titelgewinn in der Champions League 2013 fiel in Sammers Amtszeit seit 2012, ebenso wie vier Meistertitel und drei Pokalsiege. Doch so richtig erschloss sich dem Publikum nie, worin genau Sammers Beitrag lag. Das Triple 2013 wird ziemlich exklusiv mit Trainer Jupp Heynckes in Verbindung gebracht.

Mahnen müssen jetzt andere

Sammer galt stets nur als „Mahner“, der Strömungen in der Mannschaft nachspürte und vor Selbstgefälligkeit warnte. Wirklich vermissen dürfte das niemand beim FC Bayern, wenngleich Thomas Müller zuletzt sagte, Sammer habe „uns immer wieder geschärft“ und Probleme angesprochen, „da dürfen wir jetzt nicht in Trägheit verfallen“. Doch tiefes Bedauern klingt irgendwie anders.

Uli Hoeneß am 23.11.2015
Uli Hoeneß soll wieder alte Funktionen übernehmen Quelle: dpa

Spekuliert wird über externe Nachfolgekandidaten wie Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl, zumindest mittelfristig. Und ebenso darüber, ob Sammers Rückzug mit der bevorstehenden Rückkehr von Uli Hoeneß zusammenhängen könnte. Erwartet wird ja, dass der ehemalige Präsident und Aufsichtsratschef sein offizielles Comeback in Kürze verkündet und er beide Ämter wieder anstrebt.

Springt Hoeneß in die Bresche?

Eingebunden ist der 64-Jährige längst wieder nach der verbüßten Haftstrafe von 21 Monaten wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro. Auch zur Mannschaft hält Hoeneß wieder engen Kontakt. Er deckt dabei gewissermaßen automatisch und eher nebenbei jene Bereiche ab, in denen Sammer seine Kernaufgaben sah: Spielern ins Gewissen zu reden, sie zu motivieren oder sie in schwierigen Phasen zu unterstützen.

Und auch in der Nachwuchsabteilung wolle er sich künftig verstärkt einbringen, hieß es im Zuge von Hoeneß‘ Tätigkeit als Freigänger. Auf Jugendspieler, die den Sprung zu den Profis schaffen wie einst Philipp Lahm, Thomas Müller oder David Alaba, wartet der FC Bayern ja nun schon ziemlich lange. Auch daran hatte Sammer arbeiten sollen.

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