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Boateng: "Nationalelf-Kapitän wäre eine Ehre"

Sport - Boateng: "Nationalelf-Kapitän wäre eine Ehre"

Der derzeit verletzte Weltmeister Jerome Boateng berichtet im Sportstudio über seinen Genesungszustand. Eine Rolle als Kapitän der Nationalelf könne er sich gut vorstellen, "das wäre eine große Ehre".

Beitragslänge:
21 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.03.2017, 08:00

Jérôme Boateng hat in seiner Karriere eine beeindruckende Entwicklung genommen. Mittelfristig gilt der Innenverteidiger des FC Bayern und der Nationalelf sogar als Kapitänsanwärter. "Das wäre eine große Ehre", sagte der Bayern-Star als Gast im aktuellen sportstudio. Und auch, dass er von all seinen Trainern viel gelernt habe, aber Jupp Heynckes sei "wie eine Vaterfigur" gewesen.

von Maik Rosner

Als das Jahr 2015 aufs Ende zulief, hat Jérôme Boateng mal aus dem Nähkästchen geplaudert. Vor Weihnachten war das und nach einer Hinrunde, in der sich der Innenverteidiger nochmals gesteigert hatte. Als zweikampfstärksten Stammspieler der Bundesliga hatten die Statistiker den 27-Jährigen vom FC Bayern ermittelt. Zudem hatte er sich den Ruf erworben, mit seinen weiten Diagonalbällen als erster Aufbauspieler der Münchner zu agieren, gewissermaßen als Quarterback.

Und zwischendurch, Ende November gegen Hertha BSC, kam Boateng sogar im Mittelfeld zum Einsatz. Auch diese Herausforderung hat er gemeistert, mit der ihm eigenen Gelassenheit. „Hat eigentlich Spaß gemacht. War nicht so schlimm“, sagte er damals über seinen ungewohnten Job. Sportvorstand Matthias Sammer bezeichnete ihn danach als „absolutes Phänomen“. An diesem Sonnabend wird Boateng im aktuellen sportstudio des ZDF zu Gast sein, um noch einmal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Wie kurz vor Weihnachten und nach der Frage, wie seine beeindruckende Entwicklung möglich geworden war, nachdem er ja lange mit dem Image zu kämpfen hatte, ein Sicherheitsrisiko zu sein.

Videolektion von Guardiola

„Als er nach München kam, hat er mir gleich ein paar Szenen vorgespielt und gesagt: ‚Schau, diese Szene kann nicht sein als Abwehrspieler, diese Szene auch nicht‘“, erzählte Boateng damals der Süddeutschen Zeitung über Trainer Pep Guardiola, der 2013, zwei Jahre nach Boateng, zum FC Bayern gekommen war. Die vorgespielten Szenen seien „so eine Art ‚Best of dumme Fouls‘“ gewesen, sagte Boateng, und Guardiola habe ihm damals eindringlich vermittelt: „‚Als Abwehrspieler darfst du nicht zu Boden gehen!‘ Er hat nicht nur die Grätschen gemeint, sondern das ganze Zweikampfverhalten. ‚Nicht wegstoßen lassen! Oben bleiben!‘“

Haltung und Kontrolle bewahren und intelligent agieren, das war für Boateng lange ein schwieriges Thema. Nach seinem Wechsel 2011 von Manchester City drehten sich die Geschichten um den Nationalspieler ja häufig um Fehler oder rote Karten, die er sich unbedacht einhandelte. Wie im Dezember 2012, als er dem 4:1 im letzten Gruppenspiel der Champions League gegen Borissow einen Makel verlieh, mit einer eingesprungenen Grätsche im Mittelfeld, für die er des Feldes verwiesen wurde und im Achtelfinale gesperrt fehlte. Der damalige Trainer Jupp Heynckes sagte nach Boatengs abermaligem Aussetzer: „Das Foul ist völlig unnötig und sieht wüst aus.“

Lehrreiche Selbstreflektion

Boateng denkt noch heute an diese Szene zurück, er sagt: „Danach hab' ich gedacht: Das kann nicht sein, dass ich schon wieder so ungestüm war. Da hat es klick gemacht.“ Boateng begann, sich selbst zu coachen. Vor den Spielen, indem er sich weniger unter Druck setzte. Und in den Spielen, indem er mit sich selbst sprach, um nicht abzuschalten und die Konzentration zu wahren, anders als zuvor. Große Erfolge, wie das Triple 2013 und der WM-Titel 2014, gaben Boateng zudem jenes Selbstvertrauen, das ihm zuvor fehlte. „Wenn Sie die Entwicklung bei Jérôme in den letzten Jahren Revue passieren lassen, ist das atemberaubend. Er ist der beste Innenverteidiger der Welt“, befand Sammer zuletzt.

Derzeit arbeitet Boateng am Comeback, nach seinem Muskelbündelriss im Adduktorenbereich beim Rückrundenauftakt in Hamburg. In der Vorwoche begann er mit dem Lauftraining , im April hofft er wieder spielen zu können. Und wenn es nach ihm geht, dürfen sich mittelfristig noch zwei Wünsche erfüllen, in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern. „Als erster farbiger Kapitän wäre das mit Blick auf die Integration auch ein starkes Zeichen nach außen“, sagte er im September der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das gilt in der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage umso mehr. Entwickelt hat er sich schon vom Risiko zum Führungsspieler und Vorbild.

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