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Joshua Kimmich: "Gebe immer mein Bestes"

Sport - Joshua Kimmich: "Gebe immer mein Bestes"

Im sportstudio-Talk mit Jochen Breyer erzählt Bayern-Verteidiger Joshua Kimmich über sein erfolgreiches Jahr beim Rekordmeister und in der Nationalelf.

Beitragslänge:
17 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.08.2017, 23:59

Er ist der Shooting-Star des vergangenen Fußballjahres: Joshua Kimmich (21) startete nicht nur als Defensiv-Allrounder beim FC Bayern durch, sondern überzeugte auch bei der Fußball-EM für Deutschland. Im aktuellen sportstudio spricht er über sein unglaubliches Jahr als Fußballprofi und die Arbeit mit den Trainern Pep Guardiola und Carlo Ancelotti.

Kimmich: Mit elf ein Leader

von Oliver Trust

Die EM 2016 wirkte für seine Karriere wie ein Brandbeschleuniger. Für Joshua Kimmich (21) begann mit einem Schlag ein neues Leben. Auch daheim in Bösingen bei Rottweil ist nichts mehr wie vorher.

Wie schnell es mit dem "normalen Leben“ vorbei sein kann hat Joshua Kimmich im Eiltempo erfahren. Kurz vor der EM 2016 in Frankreich konnte der 21-Jährige noch "unbehelligt durch München gehen“ (Kimmich). Wahrscheinlich wäre es keinem aufgefallen, wenn er dabei knallgelbe Schuhe getragen hätte. Er war (fast) einer unter vielen in der bayerischen Hauptstadt.

Heute, wenige Wochen nach der EM, sind selbst Tennisduelle gegen Teamkollegen aus dem Nationalteam eine Meldung wert. Vor kurzem versuchte sich Kimmich noch tapfer zu wehren, wenn er als zweiter Philipp Lahm gefeiert wurde. "Philipp Lahm hat viele Titel gewonnen, mehr kann man gar nicht gewinnen. Ich stehe erst am Anfang“, sagte er. Und heute? Gegen den schmeichelnden Vergleich wehren? Das ist Vergangenheit.

Kimmich passt überall

Zu rasant verlief seine Karriere in den vergangenen Monaten. Bayerns Ex-Trainer Pep Guardiola setzte den im defensiven Mittelfeldspieler gestarteten Youngster nicht nur als rechten Verteidiger ein. Er spielte Innenverteidiger in der Champions League, in brisanten Pokalduellen und wichtigen Bundesligaspielen. Kimmich passte und passt überall.

Wenig ist noch wie früher. Tennis spielt er für sein Leben gern, isst leidenschaftlich gerne Spätzle mit Soße, wirkt bescheiden und zurückhaltend. So wie damals im Wirtemberg Gymnasium in Stuttgart-Untertürkheim. Nie kam er zu spät, die Hausarbeiten waren immer tipp-top. Pflichtbewusst und korrekt sei er gewesen. Mit der Ruhe aber ist es endgültig vorbei. Kimmich ist da, wo er immer hin wollte. Bei einem großen Klub, seit der EM im deutschen Nationalteam und vor allem bekannt wie ein bunter Hund.

Sein Heimatort Bösingen, ein 3500-Einwohnerörtchen bei Rottweil, stand Kopf als er nach der EM mit Basecap und weißem T-Shirt zum Empfang und Sommerturnieren auftauchte, obwohl er nur Familie und alte Kumpels besuchen wollte.  In Bösingen fing alles an auf dem Bolzplatz. Fußball in jeder freien Minute.

Schmächtiger als die anderen

An  den Tag im Schwarzwald vor knapp zehn Jahren kann sich Thomas Ahlbeck gut erinnern. Der damalige Jugendkoordinator des VfB Stuttgart schaute sich ein Spiel der Bezirksauswahl an und war vom elfjährigen Kimmich beeindruckt. Klein und schmächtig war der, schmächtiger als die meisten anderen. Talentsucher Ahlbeck aber ging er nicht mehr aus dem Kopf.  „Einen so ehrgeizigen, erfolgsorientierten Spieler habe ich in dem Alter selten gesehen“, erinnert sich Ahlbeck, der 2012 aus Stuttgart zu RB Leipzig wechselte und Kimmich dort bald wieder sehen sollte.

Kimmich, der sich in Stuttgart nicht genug wertgeschätzt fühlte, ging in die Dritte Liga und stieg mit RB in die zweite auf. "Es war frappierend“, sagt Ahlbeck, "Joshua kam in fremde Mannschaften und war sofort der Chef.“ Kimmichs Ehrgeiz fiel 2009 auch Thomas Schneider auf. Schneider ist heute Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, damals war er Nachwuchstrainer in Stuttgart. Die U15 des VfB machte ein Testspiel am Rande des Champions-League-Duells der Profis bei den Glasgow Rangers. Im tristen schottischen Regenwetter wollte einer den 0:2-Rückstand des VfB-Nachwuchses nicht akzeptieren. Kimmichs "Wut im Bauch“ half ein 2:2 zu erreichen.

Große strategische Fähigkeiten

"Man hat gesehen, dass er nicht nur große strategische Fähigkeiten besitzt, sondern das Gewinner-Gen in sich trägt“, urteilt Schneider. Das kann Marc Kienle, heutiger Nachwuchschef des VfB und Begleiter Kimmichs, nur bestätigen: "Jo hat schon in der Jugend Führungsqualitäten gezeigt. Er wollte immer eine wichtige Rolle im Team haben“, sagt Kienle.

Dass Kimmich damals erst nach Leipzig abgegeben und schließlich für 8,5 Millionen Euro zu Bayern München verkauft wurde, erscheint manchem in Stuttgart heute wie eine Sünde. Der VfB aber brauchte Geld. Die Tage satter Einnahmen aus der Königsklasse waren vorbei. Kimmich gehörte zum Tafelsilber, dessen Potential große Klubs anlockte.

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