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Immer beliebter: Trainingsgruppe U23

Wenn Vereine ihre Spieler loswerden wollen

Wenn ein Spieler wie Julian Draxler trotz Vertrags den Verein wechseln will, gilt er als Verräter. Wenn es ein Sportchef schafft, einen Spieler zu veräußern, obwohl der lieber seinen Vertag erfüllen würde, gilt er als geschäftstüchtig. Beim Thema Vertragstreue wird in der Bundesliga mit zweierlei Maß gemessen.

Fußball Bundesliga Typical
Quelle: imago

Der Fußballer Maik Franz hat nie beim HSV gespielt und steht auch nicht auf dessen Wunschliste für die letzten Stunden der bis Dienstagnachmittag geöffneten Transferperiode. Dennoch wird sich das Management des Klubs womöglich in den letzten Tagen mit ihm beschäftigt haben. Franz befand sich nämlich einst mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Hertha BSC in einem ähnlichen Konflikt wie ihn der HSV gerade mit seinem Spieler Emir Spahic austrägt.

Einvernehmliche Lösung angestrebt

Franz war im Winter 2014 von Trainer Jos Luhukay in die U23 abgeschoben worden, reichte Klage auf Weiterbeschäftigung in der Profimannschaft ein und stimmte nach Verhandlungen einem Auflösungsvertrag zu. Eine ähnliche Lösung strebt der neue Vorstandsvorsitzende des HSV Heribert Bruchhagen auch im Fall Spahic an, der nach der Winterpause vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt worden war.

Trainer Markus Gisdol hatte zur Begründung erklärt, man wolle die interne Kultur innerhalb der Mannschaft verändern. Der 36 Jahre alte Bosnier hatte daraufhin eine Einstweilige Verfügung beantragt, um wieder in den Kader des Profi-Teams aufgenommen zu werden. „Wir arbeiten an dem Thema und werden eine gute Lösung finden“, sagte Bruchhagen. Ein für den 31. Januar anberaumter Termin vor dem Arbeitsgericht Hamburg wurde inzwischen um 48 Stunden verschoben.

Der Fall erinnert nicht nur an Maik Franz, sondern auch an die berüchtigte Trainingsgruppe 2, in die bei 1899 Hoffenheim 2013 für eine Zeit jene Profis abgeschoben wurden, von denen der Klub sich trennen wollte. „Von der Bundesliga bis hinunter in die vierten Ligen gibt es Clubs, die versuchen, unerwünschte Spieler mit fragwürdigen Methoden weg zu ekeln“, sagt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdV, gegenüber heute.de..

Recht auf Teilnahme am Profi-Betrieb

Beliebtestes Instrument dafür sei die Versetzung in die U23-Mannschaft – obwohl in Deutschland ein Profi grundsätzlich das Recht auf Teilnahme am Trainingsbetrieb der Profi-Mannschaft habe. So sortierte Werder Bremen im Winter mit Thanos Petsos, Fallou Diagne und Sambou Yatabare gleich drei gestandene Profis aus, die vom alten Sportchef Thomas Eichin erst in der letzten Winter-Transferperiode verpflichtet worden waren, nun aber nicht mehr ins Konzept vom neuen Coach Alexander Nouri passten.

Auch Ulf Baranowsky hält es für normal, dass es unterschiedliche Vorstellungen von der sportlichen Entwicklung geben kann. „Aber dann gilt es respektvoll miteinander umzugehen und Lösungen zu finden, mit denen alle zufrieden sind.“ Das scheint in Bremen zumindest bei Diagne und Petsos gelungen zu sein. Beide sind inzwischen nach Metz bzw. Fulham ausgeliehen worden, bei beiden war in den offiziellen Verlautbarungen fast gleichlautend von einer „guten Lösung“, beziehungsweise „sinnvollen Lösung“ die Rede.

Noch Ende letzten Jahres hatten beide Spieler betont, in Bremen bleiben zu wollen. Wenn es um Vertragstreue geht, wird in der Öffentlichkeit meist mit zweierlei Maß gemessen. Ein Spieler, der wie Julian Draxler öffentlich einen Vereinswechsel wünscht, muss mit heftiger Kritik leben. Manager, die es schaffen, Spieler trotz laufender Verträge abzugeben, gelten als geschäftstüchtig. Er habe „im Winter ausgemistet“, schreibt Ex-Moderator Jörg Wontorra im Weser Kurier über Frank Baumann. „Eine Bravourleistung, denn nichts ist schwieriger als die Veräußerung von Restposten im Fußball.“

In die Wüste geschickt

Trotz mancher verbalen Entgleisung scheint der Umgang mit Spielern hierzulande noch relativ respektvoll zu sein – jedenfalls im Vergleich zu Praktiken, die Spielergewerkschaftler Ulf Baranowsky aus einigen anderen Ländern gehört hat. „Da gab es Fälle, wo Manager mit der Schusswaffe versucht haben, eine Vertragsauflösung durchzusetzen, oder Spieler ohne Wasser in der Wüste ausgesetzt worden sind.“ Aber auch hierzulande gibt es echte Härtefälle, wenn ein Spieler in den unteren Ligen ausgemustert werden soll. „Ein Spieler in der 3. oder 4. Liga, der 1000 oder 1500 Euro Grundgehalt bekommt, spürt es deutlich, wenn er keine Prämien mehr erhält oder sein Marktwert sinkt“, sagt Baranowsky.

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