Sie sind hier:

HSV: Wieder Ärger mit dem Investor

Was passiert beim Traditionsklub nach Klaus-Michael Kühne?

Trotz Auftaktsieg kehrt beim HSV keine Ruhe ein. Investor Kühne kritisiert die Vereinsführung und droht mit Liebesentzug. Das hat er zwar schon öfter getan, trotzdem steht die Frage im Raum: "Was kommt nach Kühne“? Immerhin ist der Milliardär auch schon 80 Jahre alt.

Klaus-Michael Kühne
Droht dem HSV mit Liebesentzug: Investor Klaus-Michael Kühne Quelle: dpa

Da startet der HSV mit einem Heimsieg in die neue Saison - und trotzdem prasseln Negativ-Schlagzeilen auf den gebeutelten Klub nieder. Der Spott über den fatalen Torjubel von Nicolai Müller, der mit einem Kreuzbandriss endete, und der Ärger über die jüngste Schimpftirade von Investor Klaus-Michael Kühne halten sich dabei die Waage.

Struktureller Konflikt

Die Sorgen um die Finanzen und die Unberechenbarkeit ihres Hauptinvestors werden voraussichtlich länger anhalten als die sechsmonatige Verletzungspause des besten Angreifers. Kühne hatte sich in der vergangenen Woche zunächst darüber beklagt, dass Sportchef Jens Todt den Vertrag mit Müller noch nicht verlängert hatte, um am Wochenende in einem Spiegel-Interview nachzulegen, dass "die Luschen immer beim HSV hängen bleiben würden“, womit er hauptsächlich Pierre-Michel Lasogga meinte.

Die diffamierende Wortwahl hat der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen inzwischen zurückgewiesen. Hinter dem Gepolter steckt ein struktureller Konflikt der Vereinsführung mit Kühne. Bruchhagen und Finanzvorstand Frank Wettstein versuchen, den Klub mit einer vorsichtigen Transfer- und Umschuldungspolitik langsam aus der Umklammerung Kühnes zu lösen. Der hat über Transferbeteiligungen, Darlehen und den Kauf von 17 Prozent der AG-Anteile (Wert ca. 48 Mio. Euro) inzwischen etwa 60 Millionen Euro in den Klub gesteckt und will den HSV so schnell wie möglich wieder in oberen Tabellenregionen sehen.

Vermögen soll an Stiftung gehen

"Ich bin etwas frustriert und werde wesentlich zurückhaltender sein als bisher", sagt Kühne und droht zum wiederholten Mal mit Liebesentzug. Bereits 2015 hatte er dem Ex-Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff, der ihn auf der Mitgliederversammlung scharf kritisiert hatte, den Kauf seiner HSV-Anteile angeboten. Im Umfeld und den sozialen Netzwerken geht seit langem die Frage um, was passiert, wenn Kühne tatsächlich die Lust am HSV verlieren sollte. Oder aber, wenn eines Tages seine Erben über die Anteile verfügen können. Über diese Szenarien kreist das Schreckgespenst 1860 München, wo der Verein sich in die Hände eines Investors begeben hat, mit dem er im nun im erbitterten Streit liegt.

Falls der kinderlose 80-jährige Kühne sein HSV-Engagement bis ans sein Lebensende fortführt, werden seine Anteile und Schuldscheine irgendwann in den Händen seiner Stiftung liegen, der er laut Pressebereichten sein Vermögen vermachen will. "Wie viel seine Erben beziehungsweise die Verwalter seiner Stiftung eines Tages von seinen Investments in den HSV weiterführen werden, kann man nur vermuten“, schrieb das Fachorgan finance-magazin.de schon im vergangenen Jahr.

Dass der HSV sich rechtzeitig mit diesem Szenario beschäftigen sollte, hat der Klub auf tragische Weise im letzten Jahr erfahren, als zwei der vier Investoren verstarben. Deren Anteile betrugen zwar jeweils nur ein Prozent, die die Erben genau wie Kühne seine 17 Prozent laut AG-Satzung nur mit Zustimmung der Gesellschaft an Dritte übertragen dürfen.

"Mit Blick auf sein Investorenmodell muss der HSV aufpassen, dass er in wichtigen Finanzierungs- und Strategiefragen mittelfristig nicht plötzlich einer heterogenen Gruppe von Erben aus dem Umfeld der bisherigen Anteilseigner gegenübersteht, die womöglich völlig unterschiedliche Interessen verfolgen“, warnt finance-magazin.de dennoch.

Hannover: Kind kündigt Regelung im Testament an

Martin Kind, Präsident Hannover 96
Martin Kind, Präsident von Hannover 96 Quelle: imago sportfotodienst

Noch wesentlich brisanter sind Erbschaftsfragen dann, wenn der Verein nicht durch die 50+1-Regel vor einer Dominanz der Investoren geschützt ist. Bei Hannover 96, wo Präsident Martin nun von sich aus versichert, auch nach einer Übernahme der Mehrheitsanteile der Profigesellschafft daran festhalten zu wollen, dass die Gesellschafter auch in Zukunft mehrheitlich aus der Region kommen sollen: "Ich werde das für meinen Teil im Testament festhalten", sagt Kind.

Damit die Klubs nicht von persönlichen Verfügungen abhängig bleiben, fordern einige Sportökonomen seit längerem neue Regeln für die Zusammenarbeit von Klubs mit Investoren. "Zu solchen Schutzmechanismen gehören Mindestlaufzeiten des Engagements“, sagt Henning Vöpel, der Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, gegenüber zdfsport.de. "Der Ausstieg sollte so definiert sein, dass die Anteile nicht an Drittinvestoren, sondern an den Verein fallen. Und es sollten Fälle definiert werden, in denen dem Investor gekündigt werden kann.“

Anteile der HSV Fußball AG

  • Logistikunternehmemer Klaus-Michael Kühne: 17 %
  • Agrarunermehmer Helmt Bohnhorst: 1,5 %
  • Familie Burmeister: 1,5 %
  • Erben des Weinhändlers Alexander Margaritoff: 0,79 %

Laut Satzung darf die AG nur 24,9, Prozent der Anteile veräußern – für weitere Veräußerungen muss die Mitgliederversammlung des Vereins zustimmen.

Fußball-Bundesliga in Zahlen

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.