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Schmidt: "Leistung kann man planen"

Sport - Schmidt: "Leistung kann man planen"

Eine starke Mentalität und überragende Laufleistung nennt Mainz-Trainer Martin Schmidt als Gründe für den Höhenflug seiner 05er und berichtet über ein ungewöhnliches Teambuildung in der Winterpause.

Beitragslänge:
15 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.04.2017, 23:00

Eine starke Mentalität und überragende Laufleistung nennt Mainz-Trainer Martin Schmidt im Sportstudio als Gründe für den Höhenflug seiner 05er und berichtet über ein ungewöhnliches Teambuilding in der Winterpause.

Von der Alm in die Bundesliga

von Dennis Rink
Martin Schmidt ist ein etwas anderer Bundesligatrainer. Er war Extremskifahrer, Automechaniker und Besitzer eines Bekleidungsgeschäftes. Seit etwas mehr als einem Jahr trainiert der 48-Jährige den FSV Mainz 05. Mit großem Erfolg.

Alleine die wenigen Anekdoten bei seiner Vorstellung als Cheftrainer des FSV Mainz 05 weckten bei den anwesenden Journalisten Glücksgefühle. Endlich ein Typ mit Ecken und Kanten in diesem immer braver werdenden Geschäft Fußball-Bundesliga. Mit 47 Jahren betrat Martin Schmidt an Fastnacht 2015 als Nachfolger des entlassenen Kasper Hjulmand die große Bühne. Erst mit 47. Denn vorher hatte er viele andere Dinge zu tun.

Abwechslungsreiche Vita

Extremskifahrer, Automechaniker, Besitzer eines Bekleidungsgeschäftes - Fußball stand lange Zeit nicht im Mittelpunkt seines Lebens. Martin Schmidt ist zwar ein Neuling, aber der Gegenentwurf zu der jungen Trainergeneration, die schon als Jugendliche wie Trainer dachten und akribisch in die Bundesliga drängten. In seiner Jugend hatte Schmidt andere Dinge im Kopf. Doch seine abwechslungsreiche Vita hat den Schweizer nicht nur als Menschen geformt, sondern auch seine Trainerkarriere geprägt.

Als Kind hütete er in den Sommermonaten die Kühe und Schafe auf der Belalp, der Alphütte seines Großvaters, im Wallis. Mit seinen sechs Geschwistern unterstützte er die Familie. Die Ruhe, die Berge, die Heimat - das schätzt Schmidt auch heute noch. Wann immer es der Trainingsplan des FSV Mainz 05 zulässt, und das ist selten, fährt der 48-Jährige in seine Schweizer Heimat.

Sieben Kreuzbandrisse

2003 begann er seine Trainerlaufbahn. Nach unfassbaren sieben Kreuzbandrissen beendete er seine Karriere als mittelmäßiger Kicker und wurde Trainer beim Zweitligisten FC Raron. 2008 übernahm er die zweite Mannschaft des FC Thun und besiegte in dieser Zeit bei einem Jugendturnier mit seinem Team einen gewissen Thomas Tuchel, damals A-Jugendtrainer der 05er.

Tuchel imponierte die taktische Vorstellung der Schweizer so sehr, dass er - inzwischen zum Bundesligacoach aufgestiegen - jenen Martin Schmidt 2010 als Trainer für die zweite Mannschaft der Mainzer nach Deutschland holte. Mit dem Team stieg Schmidt 2014 in die Dritte Liga auf.

Enges Verhältnis zu Tuchel

Tuchel prägte Schmidt. Beide arbeiteten eng zusammen. Der Schweizer gehörte zum Trainerstab Tuchels. Auch er predigt den Umschaltfußball im 4-2-3-1-System. Unter ihm sind die 05er das laufstärkste Team der Bundesliga. Das Erfolgsrezept für einen Verein wie Mainz. Nach dem Intermezzo von Vorgänger und Ballbesitz-Fan Kasper Hjulmand betonte Schmidt, wieder zu den Wurzeln zurückkehren zu wollen. Zu Tuchels Wurzeln. Defensiv gut stehen, Bälle erobern und dann ab die Post. Und das funktioniert ausgesprochen gut. Seine 05er gehören zu den Überraschungsteams der Saison und haben noch immer Chancen auf das internationale Geschäft.

In den 34 Partien seines ersten Bundesligajahres holte Schmidt 1,5 Punkte im Schnitt. Mentor Tuchel sammelte 1,41, Jürgen Klopp 1,13 und der schnell wieder entlassene Hjulmand 1,05. Wie Tuchel setzt auch Schmidt auf Teamgeist. Auf die Stärke des Kollektivs. Anfang Januar führte er seine Mannschaft in die Heimat in die Berge und ließ Julian Baumgartlinger und Co. bei Minusgraden in Zelten übernachten. "Impulstage" nannte Schmidt die Expedition, auf der seine Jungs nur Zahnbürste, Zahnpasta, Deo und Handy mitnehmen durften.

Seltenheit in der Bundesliga

Thomas Tuchel (li.) und Martin Schmidt
Thomas Tuchel (li.) und Martin Schmidt Quelle: imago

Martin Schmidt legt höchsten Wert auf Respekt - und lebt das auch selbst vor. Im Team und in der Öffentlichkeit. Gegenüber Journalisten ist er stets höflich. Ein angenehmer Zeitgenosse. Bodenständig und aufgeschlossen. Selten im Geschäft Fußball-Bundesliga. So war ihm der Rummel um seine Person bei der Beförderung vor einem Jahr auch zu groß.

Kein Wunder, denn die Geschichten des Extremskifahrers, Automechanikers und Modeunternehmers Martin Schmidt bestimmten die Schlagzeilen. Doch seither sorgte er mit seinen Erfolgen auch als Fußballtrainer für Aufsehen und lieferte den Journalisten ausreichend (sportlichen) Stoff.

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