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Papiertiger Financial Fairplay

Spieler von Manchester City

Sport - Papiertiger Financial Fairplay

Die Premier League-Teams werfen dank ihres TV-Vertrags mit den Millionen um sich. Vorläufiger Höhepunkt: der De-Bruyne-Transfer, der in der Bundesliga das Transferkarussell nochmal ins Rollen brachte.

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Da war doch was? Die Klubs der Premier League wirtschaften, als gäbe es kein Financial Fairplay mehr. Die Milliarden aus dem neuen TV-Vertrag fließen erst ab kommender Saison, für diese gelten offiziell noch Schuldengrenzen.

Ob diese Grenzen wirklich eingehalten werden, ist fraglich. „Den Vereinen ist klar, dass sich immer Mittel und Wege finden werden, die Sanktionen zu umgehen“, sagt Sportökonom Henning Vöpel.

So mancher Manger der Fußball-Bundesliga konnte heute Nacht endlich mal wieder ruhig schlafen. Seit gestern Abend darf die Bundesliga keinen Spieler mehr kaufen. Doch vollständige Entwarnung gibt es noch nicht: bis 19 Uhr am heutigen Dienstag darf die englische Premier League noch zuschlagen.

Defizit trotz Beobachtung

Das größte Transferminus auf der Insel hat wieder einmal Manchester City angehäuft, das zuletzt noch Wolfsburgs Kevin De Bruyne für geschätzte 75 Millionen Euro erworben hat. Stand Dienstagvormittag hat der Klub, der wegen seines Finanzgebarens angeblich immer noch unter strenger Beobachtung der UEFA steht, allein in diesem Sommer 136,23 Millionen Euro mehr für Transfers ausgegeben als eingenommen.

Und das, obwohl das Haushaltsdefizit schon in den letzten Jahren deutlich höher war, als es durch  die Regel des Financial Fair Play (FFP) gedeckt ist und der fulminante TV-Vertrag der Premier League erst 2016 in Kraft tritt. Jetzt zeigen sich deutlich die Folgen der Aufweichung der Regeln durch die UEFA im Juni dieses Jahres.

Schlupfloch Selbstanzeige

„Es gibt keinen Verfahrensautomatismus mehr“, sagt der Sportökonom und Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts Henning Vöpel  gegenüber ZDFsport.de. „Ursprünglich durfte man in einem bestimmten Zeitraum nur ein bestimmtes Defizit machen – sonst gab es automatische Sanktionen. Jetzt gibt es die Möglichkeit einer Selbstanzeige, nach der man mit der UEFA hinter verschlossenen Türen über sein Defizit verhandelt.

Kevin De Bruyne
Kevin De Bruyne: 75 Mio. Euro Quelle: imago

So ist der De-Bruyne-Transfer tatsächlich durch die zukünftigen Einnahmen aus dem TV-Vertrag gedeckt, was nach alter Regelauslegung nicht möglich gewesen wäre. „Mit der Möglichkeit der Selbstanzeige sagen sie: wir verschulden uns zwar jetzt, haben in  den kommenden Jahren aber genug Einnahmen, um das Defizit auszugleichen“, sagt Vöpel.

Platinis Spagat

UEFA-Präsident Michel Platini, als dessen Prestige-Projekt das FFP gilt, hatte die Aufweichung damit begründet, dass die Zeit der Sparpolitik für den europäischen Fußball vorbei und mehr Wachstum möglich sei. „Michel Platini versucht einen Spagat hinzubekommen“, sagt Vöpel. „Einerseits soll durch die Aufweichung der Regeln das Projekt Financial Fair Play vor rechtlichen Bedenken gerettet werden. Andererseits soll das locker sitzende Geld der Investoren nochmal richtig in den Fußball umgelenkt werden.“

Raheem Sterling
Raheem Sterling: 69 Mio. Euro Quelle: imago

Das dieses Ziel erreicht wird, zeigen Äußerungen des Präsidenten von Paris Saint Germain Nasser GhanimAl Khelaïfis: "Die bisherige FFP-Regeln haben uns nicht erlaubt, so schnell zu wachsen wie wir es wollten". Der französische Hauptstadtclub, der trotz „strenger Beobachtung“ auch schon wieder ein Transferdefizit von  98,70 Millionen Euro verzeichnet, kann zwar nicht auf einen TV-Vertrag in englischen Dimensionen verweisen. Laut Vöpel können Klubs wie PSG nach neuer FFP-Auslegung aber davon ausgehen „Mittel und Wege zu finden werden, die Sanktionen zu umgehen.“

Rummenigge knickt ein

Nicht ganz nachvollziehen kann Vöpel die Haltung von Bayern München Boss Karl-Heinz Rummenigge, der bislang als Gralshüter des FFP galt, nun aber die Lockerungen begrüßt hat. „Der FC Bayern mit seiner starken Marke und dem hohen Anteil fußballrelevanter Einnahmen ein Profiteur von Financial Fair Play und würde verlieren, wenn andere Vereine über externe Investoren weiter Geld locker machen“, so der Sportökonom. „Möglicherweise äußert sich  Rummenigge positiv über die Aufweichung der Regeln,  weil die komplette Abschaffung noch schlechter für ihn wäre.“

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