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Leipzig bietet Bayern und BVB die Stirn

Julian Nagelsmann sucht mit RB den Dreikampf

RB Leipzig mag nicht länger nur Verfolger sein. Nachdem Ralf Rangnick nach Rang drei in der Liga im DFB-Pokalfinale knapp scheiterte, will Julian Nagelsmann möglichst bald die Meisterschale in den Händen halten.

Julian Nagelsmann (M.) beim Pokalsieg gegen Osnabrück
Julian Nagelsmann (M.) beim Pokalsieg gegen Osnabrück
Quelle: imago images / pmk

Wer das Leipziger Trainingsgelände betritt, dem fallen sofort die Spruchbänder an den penibel gepflegten Rasenplätzen auf. Schon Ralf Rangnick setzte als Cheftrainer auf die Motivation am Seitenrand. Sein Nachfolger hat sich allerdings insofern etwas Neues einfallen lassen: Julian Nagelsmann wählte zusammen mit Teampsychologe Max Pelka acht neue Slogans aus. Nun sind nicht nur Sportgrößen wie Michael Jordan („Sag niemals nie, denn Limits, wie Ängste, sind meist nur eine Illusion“) verschriftlicht, sondern kommt sogar der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry („der kleine Prinz“) zu Wort: „Ein Ziel ohne Plan dahinter ist nur ein Wunsch“.

Das beschreibt die Mission, der sich der bereits vor einem Jahr verpflichtete Fußballlehrer verschrieben hat. Der mit 32 Jahren noch immer jüngste Coach der Liga will „etwas Blechernes“ gewinnen. So lapidar hat es Nagelsmann bei Amtsantritt formuliert. „Ich möchte, dass keiner satt ist. Mein Wunsch ist es, dass jeder realisiert, dass noch der eine oder andere Step zu gehen ist.“ Platz drei aus der Vorsaison wird bei solch einer Vorgabe zwangsläufig schon zur Messlatte.

„Hungry for more“

Eigentlich müsste sich der sportliche Bereich erst einmal von seinem geistigen Ziehvater Rangnick emanzipieren, der mit 61 Jahren als „Head of Soccer“ nur noch die Fußball-Standorte des Konzerns in Leipzig, New York und Brasilien koordinieren soll. Rangnick schaffte es mit dem Einzug ins DFB-Pokalfinale (0:3 gegen den FC Bayern), dass die „Roten Bullen“ definitiv für den letzten Schritt Blut geleckt haben.

„Hungry for more“, nennt Vorstandschef Oliver Mintzlaff des Motto. „Wir wollen in der Bundesliga wieder angreifen.“ Die erste Hürde im DFB-Pokal hat RB Leipzig bereits genommen, selbst wenn das 3:2 beim Zweitligaaufsteiger VfL Osnabrück schwer fiel. „Wir waren am Ende platt und zerfahren und haben kaum noch Entlastung gehabt. Ich bin froh, dass wir weitergekommen sind“, sagte Nagelsmann. An der Bremer Brücke offenbarte der Champions-League-Teilnehmer noch einige Schwachstellen. Allerdings wäre es auch verwunderlich, wenn eine Woche vor dem Ligastart bei Union Berlin (Sonntag 18 Uhr) alles auf Anhieb gelingen würde. Der Auftakt wird dabei gleich vom Klassenkampf-Ambiente überlagert: Fanproteste an der Alten Försterei werden unvermeidlich sein.

Neuzugänge für über 50 Millionen Euro

Nagelsmann will den Umschaltfußball weiterentwickeln, ohne die Identität zu verraten. Hohes Tempo, aggressives Pressing sollen Markenkern bleiben. Der Trainer bildet mit dem erst 38-jährigen Sportdirektor Markus Krösche ein junges Führungsgespann. Mehr als 50 Millionen Euro hat sich Leipzig die Neuzugänge Ademola Lookman (FC Everton), Christopher Nkunku (Paris St. Germain), Hannes Wolf (RB Salzburg) und Luan Candido (Palmeiras) kosten lassen.

Auch der weitere Kader gibt einiges her: Torwart Petar Gulacsi hat das Fachmagazin „Kicker“ immerhin als besten Bundesligakeeper eingestuft. Der französische Innenverteidiger Ibrahima Konaté hat genau wie Landsmann Dayot Upamecano Anlagen zum Weltklassespieler. Willi Orban ist seit Jahren einer der besten Abwehrspieler der Liga. Die Verteidiger Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann haben es in die Nationalmannschaft geschafft. Und der Schwede Emil Forsberg ist an guten Tagen immer für eine Überraschung gut.

Werners Verbleib würde helfen

An der Seite von Timo Werner hat sich auch Yussuf Poulsen zum Stürmer von internationalem Format entwickelt. Wenn Werner eine weitere Saison bleiben sollte, obwohl der Nationalspieler dann nächsten Sommer ablösefrei ist, wäre das sportlich von Vorteil. Eigentlich wollten die Verantwortlichen aus wirtschaftlichen Gründen dieses Szenario zwar vermeiden, aber Finanzsorgen sind dem erst vor zehn Jahren aus der Taufe gehobenen Gebilde ohnehin fremd.

Bei der Offenlegung der finanziellen Kennzahlen aller Bundesligisten kam heraus, dass RB Leipzig bei einem Gesamtumsatz von 245 Millionen Euro bereits 2017/18 stolze Personalkosten von 105 Millionen Euro schulterte. Mehr Geld gaben neben dem FC Bayern und Borussia Dortmund nur noch Bayer Leverkusen, Schalke 04 und VfL Wolfsburg in diesem Bereich aus. Dass sich RB Leipzig auch bei den Gehältern langfristig eher an den Branchenriesen aus München und Dortmund orientieren wird, scheint unausweichlich.

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