Sie sind hier:

Wolfsburg: Wille statt Spielkultur

Relegation-Rückspiel: Braunschweig - Wolfsburg

Lange hielt man sich beim VfL Wolfsburg für zu stark zum Absteigen. Nun mussten Verantwortliche und Spieler erfahren, dass spielerisches Potenzial allein im Abstiegskampf nicht ausreicht. Das entscheidende Relegationsspiel bei Eintracht Braunschweig steigt heute, 20.30 Uhr.

Mario Gomez (m.)
Mario Gomez (m.) Quelle: imago

"Arbeit-Fußball-Leidenschaft" - mit einem großen Transparent erinnerten Fans des VfL Wolfsburg ihre Mannschaft beim ersten Relegationsspiel gegen Eintracht Braunschweig daran, was sie von ihr im Kampf um den Klassenerhalt erwarten. Wie viele neutrale Beobachter schienen auch sie davon auszugehen, dass die Spieler diese Erinnerung an die Grundtugenden im Abstiegskampf benötigen. Die Verantwortlichen des Klubs hatten noch kurz zuvor andere Botschaften ausgesendet.

Kurztrainingslager

"Mit unserem spielerischen Potenzial sollten wir in der Relegation im Vorteil sein", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Wolfgang Hotze nach dem letzten Saisonspiel beim HSV und offenbarte damit genau die Haltung, die den Werksklub ins Desaster geführt hat. Denn da, wo sich der VfL Wolfsburg im Moment befindet, ist das spielerische Potenzial eine zu vernachlässigende Größe - das hat nicht nur die Niederlage gegen den HSV, sondern auch der knappe 1:0-Erfolg im Relegations-Hinspiel gezeigt.

Trainer Andries Jonker scheint gerade noch rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. "Es reicht nicht mehr, zu wissen, dass wir gut spielen können. Es ist hilfreich, wenn man Fußball spielen kann. Es geht aber auch um den Willen zu gewinnen und Kampfgeist", sagte er kurz vor dem Hinspiel. Und griff sogar zwei Mal auf die teambildende Maßnahme eines Kurztrainingslagers zurück, die er vorher noch verpönt hatte.

Entwicklung statt Appelle

Ob die Appelle von Fans und Trainer tatsächlich beim zweitteuersten Kader der Bundesliga angekommen sind, konnte das Hinspiel nicht gänzlich klären. Wille und Kampfgeist waren erkennbar, aber als die Mannschaft es trotz großem Aufwand nach 75 Minuten nicht geschafft hatte, das Ergebnis zu erhöhen, war ein Spannungsabfall spürbar, der fast noch den Sieg gekostet hätte.

Eine Mannschaft, in der jeder wirklich in jeder Sekunde für jeden mitarbeitet, mitdenkt und mitfühlt, entwickelt sich nicht durch Appelle. Dafür braucht es gemeinsame Erfahrungen und Perspektiven, eine gute Struktur im Kader und im Umfeld sowie einen respektvollen Umgang auf allen Ebenen. Der VfL Wolfsburg wirkte in den letzen zwei Jahren dagegen eher wie ein Durchlauferhitzer für vermeintliche Stars, die schnell wieder weg wollten.

Umbruch angekündigt

Und selbst im augenblicklichen Existenzkampf nehmen Gerüchte über Abwanderungsgelüste und Ausstiegsklauseln kein Ende - zusätzlich befeuert von Aussagen der Klubführung über einen wieder einmal bevorstehenden Umbruch. "Es wird eine Idee, ein Gesamtkonzept entstehen, wie die Zukunft des VfL Wolfsburg aussehen soll - und darin werden sich neben unseren eigenen strategischen Zielen sowohl die Interessen von Volkswagen, unseren weiteren Partnern und Sponsoren als auch natürlich die unserer Fans und Unterstützer in Wolfsburg und der Region wiederfinden", sagte Geschäftsführer Hotze noch kurz vor dem Spiel gegen den HSV.

Als einzige Konstante in den Plänen der Strategen gilt Mario Gomez, bei dem Hotze "wie bei nur wenigen anderen das Gefühl (hat), dass er sich sowohl im Verein selbst als auch in unserer Stadt wirklich rundum wohlfühlt und in Wolfsburg vom ersten Tag auch genau das gefunden hat, was er gesucht hatte." Vertrauen in die bestehende Mannschaft klingt anders.

Gegner mit Wut im Bauch

Klar ist, dass es diese Mannschaft, auf deren Zusammenhalt es heute Abend ankommt, morgen früh so nicht mehr geben wird. Sie trifft dabei auf einen Gegner, der sich am eigenen Underdog-Image berauscht und nach dem unberechtigten Elfmeter im Hinspiel reichlich Wut hat. Das sind neben der frenetischen Unterstützung im eigenen Stadion gute Zutaten, um Arbeit, Fußball und Leidenschaft auf den Platz zu bringen. Die Wölfe müssen ihr Rezept dafür noch finden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.