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Videobeweis in der Bundesliga: Wissen, wo man dran ist

Ex-Profis als Berater - Fans bleiben skeptisch

Tor oder nicht, ein Millimeter abseits oder ein verstecktes Foul? 37-mal wurden in der Hinserie der Fußball-Bundesliga in einem Keller in Köln Fehlentscheidungen des Hauptschiedsrichters korrigiert. Die Diskussionen über den "VAR"-Videoassistenten aber gehen auch in der am Freitag beginnenden Rückrunde weiter.

Fußball-Bundesliga: Videoassistent
Blick in den Kölner Keller
Quelle: dpa
Felix Zwayer
Meldung aus dem Kölner Keller: Schiedsrichter Felix Zwayer
Quelle: dpa

Wenn Hoffenheim am Freitag (20.30 Uhr/ZDF ab 20.15 Uhr) den FC Bayern zum Auftakt der Rückrunde empfängt, ist eins so sicher wie ein ausverkauftes Stadion: Die Fans beider Vereine werden nach einem Tor für ihre Mannschaft jubeln – und dann erst einmal bangen müssen, ob die Freude nicht zu früh war. Die Einführung des „VAR“ (Video Assistant Referee) zur Saison 2017/18 hat den Fußball hierzulande verändert. Der Spielfluss geriet durch den Eingriff von außen ins Stocken. Spieler wie Fans konnten nicht nachvollziehen, was da vor den Bildschirmen in der Domstadt moniert wurde. Selbst die Entscheidungen des Trios am Picassoplatz, das aus einem Bundesliga-Referee und zwei Video-Operatoren besteht, waren längst nicht alle korrekt und nachvollziehbar.

„Der Videoassistent ist an sich eine gute Einrichtung und macht den Fußball insgesamt sicher gerechter, wenn durch ihn falsche Entscheidungen des Feldschiedsrichters korrigiert werden“, sagt Bayern-Fan Helmut Aurnhammer. Was der erste Vorsitzende der „Red Dogs Stopfenheim“, dem mit über 5000 Mitgliedern größten Fanklubs des deutschen Rekordmeisters aber ärgert: „Manchmal sind die Entscheidungen aber auch dort nicht nachvollziehbar und als Fan weißt du im Stadion sowieso erst einmal nicht, wo du dran bist, wenn der Feldschiedsrichter mit den Händen den Bildschirm angezeigt. Das Warten dann, ob du wirklich über ein Tor jubeln kannst oder es zurückgenommen wird, geht uns Fans an die Nerven.“

Neu: Ex-Profis als Berater

Wie die meisten Bundesliga-Klubs haben sich auch die Elite-Schiedsrichter des DFB in südlichen Gefilden auf die Rückrunde der Bundesliga vorbereitet. In Lagos an der portugiesischen Algarve gab es für die 73 höchstrangigen Referees neben Athletiktraining auf dem Platz sowie theoretischen Einheiten auch praktische Schulungen zum Thema Videoassistent. „Ich denke, wir haben sehr erfolgreich gearbeitet und sind gut gerüstet für die Rückrunde“, ließ Lutz-Michael Fröhlich danach auf www.dfb.de verlauten. „Wir haben super Impulse zum Thema Kommunikation und Körpersprache erhalten. Auch regeltechnisch haben wir gut mit unserem DFB-Lehrwart Lutz Wagner gearbeitet und uns im Bereich Videoassistent speziell auf eine mögliche Einführung in der 2. Bundesliga vorbereitet“, zog der sportliche Leiter der Elite-Schiedsrichter ein positives Fazit.

Um das Spektrum der Unparteiischen zu erweitern, sollen in Sachen Videobeweis künftig auch Ex-Profis mit ins Boot genommen werden. „Das ist ein total sinnvoller Vorschlag. Ich bin dafür sehr offen, das werden wir diskutieren“, sagte Jochen Drees, Technischer Leiter des Videoprojekts beim DFB, „ehemalige Spieler haben noch mal eine andere Sichtweise auf Situationen, das kann uns weiterhelfen.“

Drees: „Hochkonzentriert bei der Arbeit“

Allerdings sollen die früheren Bundesliga-Kicker keinesfalls im Video Assist Center in Köln sitzen und live ins Geschehen eingreifen. „Die Leute sind da hochkonzentriert bei der Arbeit. Alles, was da zusätzlich ist, stört letztendlich“, erklärt Drees. Angedacht ist ein Erfahrungsaustausch im Rahmen einer Schulung oder eines Workshops. „Dort könnte man eventuell mal so einen Programmpunkt etablieren, um einmal Sachen zu besprechen, die aus deren Sicht wichtig sind und die wir vielleicht als Input gebrauchen können.“

Schiedsrichter guckt eine Spielszene auf einem Monitor
Nervt viele Fans: Der Blick des Schiedsrichter auf den Monitor
Quelle: imago

Jürgen Post ist selbst Schiedsrichter. Der Inhaber der Mönchengladbacher Kultkneipe „Markt 26“ und Fan der Borussen vom Niederrhein pfeift allerdings nur Amateurspiele. Die Einführung des Videobeweises in der Bundesliga findet er richtig, aber „auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass die Autorität des Hauptschiedsrichters so ein wenig untergraben wird.“ Das Gleiche gelte für die weitergehende Überlegung, Ex-Profis in das Thema einzubinden und um ihren Rat zu bitten. „Wer weiß, wer dann alles seinen Senf dazu gibt?“

"Nichts mehr als eine PR-Nummer"

Auch Heiko Walkenhorst hält nichts von dieser Idee. „In der Bundesliga pfeifen Schiedsrichter, die das seit vielen Jahren machen. Das Gleiche gilt für die eingesetzten Videoassistenten. Und diese Experten in Sachen Spielleitung sollen sich jetzt von früheren Kickern da reinreden lassen? Das ist doch nichts mehr als eine PR-Nummer“, meint der Vorsitzende des „Akademiker-Fanklubs 1899 Hoffenheim Rhein Neckar Heidelberg 2007“. Dass der Videobeweis bei der WM in Russland mit Unparteiischen aus der ganzen Welt, die völlig verschiedene Sprachen reden, gut funktioniert hat, es in der Bundesliga aber immer noch Schwierigkeiten gebe, wundert Walkenhorst nicht: „Bei uns aber läuft es natürlich typisch deutsch. Es geht nicht um die Sache, sondern um Rechthaberei. Da will sich der Mann im Keller gegenüber dem Hauptschiedsrichter profilieren.“

Um Entscheidungen aus dem Keller in Köln für die Fans nachvollziehbarer und vor allem die elende Wartezeit von nicht selten zwei, drei Minuten zu verkürzen, schlägt der TSG-Anhänger vor: „Wer etwas gesehen hat, sollte zeitnah auf einen Buzzer drücken. Dann muss man die Szene schnell überprüfen und die Mehrheit entscheidet. Wenn da drei Leute sitzen, reichen ja zwei Aussagen. Das Signal muss der Schiri im Stadion schnell aufs Ohr kriegen und den Zuschauern muss man die ganze Szene per Stadion-TV zeigen können.“

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