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Bleib bei deinen Leisten? Nicht für Schuster

Dirk Schuster

Sport - Bleib bei deinen Leisten? Nicht für Schuster

"Wir haben stark an der Physis gearbeitet und sind da mittlerweile erstligatauglich", sagt Dirk Schuster, Trainer des Aufsteigers Darmstadt 98, im aktuellen sportstudio.Der Klassenerhalt sei das Ziel.

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Es ist ein Schlag ins Kontor des SV Darmstadt 98: Trainer Dirk Schuster und sein Assistent Sascha Franz haben um Freigabe gebeten und wollen sich Liga-Konkurrent FC Augsburg anschließen. Die Vereinsführung gibt sich gelassen – doch für das ohnehin bröckelnde Darmstädter Fußballmärchen ist es das nächste fatale Signal.

Das letzte Fünkchen Hoffnung auf einen Verbleib Dirk Schusters ist nicht mehr als branchenüblicher Zweckoptimismus – Darmstadts Präsident Klaus Rüdiger Fritsch hält es aber noch diplomatisch am Leben. „Im Moment ist das ein Wunsch des Arbeitnehmers an seinen Arbeitgeber. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, erklärte Fritsch, von Hauptberuf Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht, am Mittwochmorgen dem Hessischen Rundfunk.

Kein Statement aus Augsburg

Entschieden oder gar unterschrieben ist in der Causa Schuster/Franz noch nichts – klar formuliert dagegen schon. „Nachdem der FC Augsburg das Interesse an der Verpflichtung von Dirk Schuster und Co-Trainer Sascha Franz bekundet hat, haben die beiden Trainer nun um Freigabe gebeten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Lilien, in der Fritsch wie folgt zitiert wird: „Der SV Darmstadt 98 muss sich, vor dem Hintergrund der Vertragslaufzeit bis 2018, nun mit dem Freigabewunsch auseinandersetzen. Dies werden wir in aller Ruhe und mit der gebotenen Seriosität tun.“ Schusters nahenden Abschied hatte sein Manager Ronny Zeller zuvor in der „Sport Bild“ verkündet: „Dirk Schuster hat eine tolle und unvergessliche Zeit in Darmstadt erlebt und in dreieinhalb Jahren unglaubliche Erfolge gefeiert. Nun reizt ihn die neue Aufgabe in Augsburg.“

Für weitere Statements war Fritsch am Mittwochmittag nicht zu erreichen. Schuster selbst weilt zurzeit im Urlaub auf den Seychellen – Darmstadts Presseabteilung wies auf Nachfrage darauf hin, dass alles zum aktuellen Stand gesagt sei. Das Augsburger Interesse am Darmstädter Trainerduo, das die Pressemitteilung der Südhessen ja offen preisgibt, kommentierte die FCA-Medienvertretung indes nicht. „Wir halten das wie immer. Von uns gibt es keine Aussage zu Spekulationen“, stellte Pressesprecher Jakob Kunz klar.

 „Lilien-Wunder“ wird zum „Fluch der guten Tat“

Eine Ausstiegsklausel enthält Schusters Arbeitspapier nicht – das hatte Fritsch erst vor wenigen Tagen betont. Sollte ein Wechsel zustande kommen, würde eine frei verhandelbare Ablösesumme fällig. Daran wird Schusters Engagement bei den Schwaben, die wiederum eine (noch höhere) Ablöseeinnahme für den bevorstehenden Transfer von Coach Markus Weinzierl zu Schalke 04 beziehen werden, jedoch nicht scheitern. Dann schon eher am „Fluch der guten Tat“, wie der Sportinformationsdienst (SID) das vielfach beschworene „Wunder von Darmstadt“ nunmehr bezeichnet.

Identifikationsfiguren brechen weg

Den Südhessen geht das Personal aus – und schlimmer noch: Es bricht eine Identifikationsfigur nach der nächsten weg. Top-Torjäger Sandro Wagner hatte seinen Abschied am Rande des letzten Heimspiels (0:2) gegen Gladbach verkündet. Das ist gerade einmal elf Tage her. Seitdem wechselte Stammtorwart Christian Mathenia, Mittelfeldmann Konstantin Rausch schloss sich ablösefrei dem 1. FC Köln an. Jérôme Gondorf, seit Drittliga-Zeiten das Herzstück in der Mittelfeldzentrale der Lilien, ist bei Mainz 05 im Gespräch. Flügelflitzer Marcel Heller, den Schuster ebenfalls in Liga drei nach Darmstadt lotste, liegt ein gut dotiertes Angebot eines Bundesligisten vor.

Wenige Tage vor dem letzten Spieltag hatten Schuster und Franz Publikumsliebling „Toni“ Sailer und Milan Ivana mitgeteilt, dass es für sie keine sportliche Zukunft am Böllenfalltor gibt. Auch andere frühere Leistungsträger wie Dominik Stroh-Engel, Benjamin Gorka oder Yannick Stark spielen trotz laufender Verträge praktisch keine Rolle mehr. Immerhin: Kapitän Aytac Sulu soll – nach jetzigem Stand – bleiben.

Bekenntnis könnte schwer wiegen

Gibt Schuster, der die Südhessen binnen dreieinhalb Jahren vom Fast-Abstieg in die Regionalliga zum vorzeitigen Klassenerhalt in der Bundesliga führte, also nur den Gesetzen des Fußballmarkts nach oder hat er gar die Zeichen der Zeit erkannt? Dass der Vater des Erfolgs vor dem Absprung steht, ist gerade für Darmstadt, wo Schuster mit seinem Credo „Mentalität schlägt Qualität“ aus der Not eine Tugend gemacht hat, ein fatales Zeichen. Zumal der 48-Jährige als Trainer und Sportlicher Leiter in Personalunion hauptzuständig für die Kaderkonstellation beim Bundesligisten mit dem kleinsten Etat ist.

Ohne schnelle Klarheit auf dem Trainerstuhl gerät die Planung der neuen Saison zwangsläufig ins Stocken – auch wenn Fritsch sagt: „Wir haben jetzt aber die längste Sommerpause aller Zeiten und absolut keinen Druck.“ Erst vergangene Woche hatte der 48-jährige Schuster allen Wechselspekulationen ein Ende gesetzt: „Das geht mir auf den Wecker. Ich besitze hier noch einen gültigen Vertrag. Unnötig Zungenschläge hineinzuinterpretieren, ist völliger Quatsch.“

Lilien-Fans entsetzt

Worte, die ihm die Lilien-Fans künftig bitterböse auslegen dürften. „Vor einer Woche noch ein Treueschwur, und nun geht er. Das ist das Schlimme daran, dass sie die Fans so verarschen. Leider ist das mittlerweile in allen Vereinen so. Was zählen heute noch Verträge?“, schreibt der User Jürgen W. auf Facebook. „Begehrlichkeiten sind ok, aber ich bin entsetzt! Das zarte 1.-Liga-Pflänzchen #sv98 wird durch die Erbauer in den Abgrund gerückt. #Schuster“, twittert Marcus W. Und doch: Im Fußballromantik-Standort Darmstadt stirbt die Hoffnung eben zuletzt. „#Schuster bleib bei deinen Leisten… ähm Lilien #sv98“, twittert Andreas G.

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