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Trainerdiskussion nur auf einer Seite des Deichs

Viktor Skripnik

Sport - Trainerdiskussion nur auf einer Seite des Deichs

Drei Pflichtspiele, drei Niederlagen: Vor der Bundesliga-Partie am Samstagabend in Mönchengladbach steht Werder Bremen mächtig unter Druck. Auch die Borussia hat zuletzt zweimal in Folge verloren.

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Mit drei Niederlagen in den ersten drei Pflichtspielen ging der Saisonstart für Werder Bremen kräftig daneben. Damit steht auch Viktor Skripnik schon wieder stark unter Druck. Die Geschäftsführung weist jede Trainerdiskussion von sich, letztlich werden dem Coach aber wohl nur Erfolge helfen.

Der Osterdeich steht noch genauso da wie vor vier Monaten, grün bewachsen, schräg zum Weserstadion hin abfallend, soll er wie eh und je die östliche Vorstadt Bremens vor den Fluten der meist ruhig dahinfließenden Weser schützen. Und doch hat sich hier im Laufe des Sommers eine Menge verändert.

Symbol des Zusammenhalts

Im Mai stand der Deich für den großen Zusammenhalt, heute markiert er die Grenzlinie zwischen zwei völlig unterschiedlichen Wahrnehmungen über die Situation des SV Werder Bremen: der im Stadion samt Geschäftsräumen innerhalb des Deichs und der in der Stadt auf der anderen Seite. "Wir sind Osterdeich“, skandierten die Werder-Fans im Abstiegskampf der letzten Saison und machen ihn zur Greenwhite-Wonderwall, auf der Tausende den Mannschaftsbus vor den letzten drei siegreichen Heimspielen so frenetisch empfingen, dass dem Vernehmen nach im Bus selbst hartgesottene Profis eine Gänsehaut bekamen.

Einen Manager-, zahlreiche Spieler-Wechsel und drei Niederlagen später ist von der Einheit zwischen Mannschaft, Klub und Anhang nicht mehr viel zu spüren. Während die Fans die Profis nach der Heimniederlage gegen den FC Augsburg mit einem Pfeifkonzert verabschiedeten und sich die Woche über in allen möglichen Foren Sorgen über sie machen, gibt sich die sportliche Führung betont gelassen und unaufgeregt.

Betonte Gelassenheit

"Alles unter Kontrolle“, sagte Trainer Viktor Skripnik einen Tag nach dem Augsburg-Spiel und Sportchef Frank Baumann hatte schon nach der 0:6-Pleite zum Auftakt bei Bayern München gesagt, dass sich auch im Falle von acht weiteren sieglosen Spielen nichts am Trainer ändern werde.

Auf der anderen Seite des Deiches, in der Stadt, ist die Diskussion um die Zukunft von Skripnik dafür umso heftiger entbrannt. Nach dem Pokal-Aus beim Drittligisten Lotte und der Blamage in München galt das Spiel gegen Augsburg als eine Art Neustart – zumal Frank Baumann mit der Verpflichtung von Serge Gnabry, dem Shootings-Star des olympischen Fußballturniers, kurz vorher ein Transfer-Coup gelungen war.

Eindruck der Konzeptlosigkeit

Die Passivität, mit der sich die Mannschaft dann aber trotz einiger positiver Ansätze in der ersten Halbzeit, nach dem Augsburger Ausgleich in die Niederlage fügte, jagte selbst den optimistischsten Fans einen gehörigen Schrecken in die Glieder. Die Versuche des Trainers, die Niederlage schön zu reden, verstärkten schließlich nur noch den Eindruck, wonach Skripnik womöglich über keinen richtigen Plan verfügt, aus dem runderneuerten Kader ein schlagkräftiges Team zu formen.

Selbst wenn man dem Ex-Profi zu Gute hält, dass Leistungsträger wie Claudio Pizarro, Max Kruse, Santiago Garcia und Philipp Bargfrede fehlten, bleibt der Einbruch der Mannschaft gegen einen durchschnittlichen Gegner rätselhaft. Den Eindruck der Konzeptlosigkeit nährt zudem der Umgang mit den jungen Spielern: Während die hochtalentierten Offensivkräfte Johannes Eggestein und Florian Kainz nicht mal im Kader standen, wurde der eigentlich schon ausgemusterte Izet Hajrovic in der Schlussphase eingewechselt.

Pfeifen im Walde

In Bremen tut man sich traditionell schwer mit Trainerentlassungen. Und wenn es sich dazu noch um einen beliebten und verdienten Abkömmling der eigenen Familie handelt, ist die Beißhemmung noch größer. Das ist nicht nur sympathisch, sondern hat in der Vergangenheit auch schon öfter vor Aktionismus und voreiligen Schritten geschützt.

Im aktuellen Fall wird der Osterdeich die Geschäftsstelle aber kaum dauerhaft vor der Trainerdiskussion in der Stadt schützen können. Vor allem nicht, wenn die Mannschaft auch nach der anstehenden Englischen Woche das Tabellenende ziert. "Wir wollten ein bisschen atmen im Wald”, sagte Skripnik über den Zweck einer gemeinsamen Kahnfahrt Mitte der Woche. Vieles hört sich im Moment eher an wie das Pfeifen im Walde.

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