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Leverkusener Passionsspiele

Fußball-Bundesliga, 33. Spieltag

Trotz exzellenter Voraussetzungen kämpft Leverkusen zwei Spieltage vor Schluss um den Klassenerhalt. Lokalrivale Köln will Bayers Nöte weiter verschärfen – während beim Werksklub bereits die ersten Erkenntnisse über den eigenen, rätselhaften Absturz reifen.

Rudi Völler und Michael Schade (r.)
Rudi Völler und Michael Schade (r.) Quelle: imago/Revierfoto

Michael Schade kommt gerade mal wieder von einem Gespräch mit Rudi Völler. Die Treffen des Geschäftsführers und des Sportdirektors von Bayer Leverkusen haben eine hohe Frequenz in diesem Frühjahr, in dem beim stolzen Dritten der Vorsaison zwei Spieltage vor Schluss noch immer die Angst vor der nervenaufreibenden Relegation durch die Flure geistert. Weswegen der 64-jährige Schade gegenüber zdfsport.de seinen momentan sehnlichsten Wunsch äußert: „Ich möchte gerne mal wieder eine Nacht gut schlafen.“

Brisant wie lange nicht

Der unruhige Schlummer verbindet den Bayer-Chef mit dem sieben Jahre jüngeren Völler, und vor dem Besuch des Lokalrivalen Köln ist die Anspannung besonders groß. „Diesmal ist es ein noch spezielleres Spiel als ohnehin“, weiß Schade. „Weil es für beide Mannschaften um so viel geht wie seit vielen Jahren nicht mehr.“ Für die Domstädter um die erste Europapokalteilnahme seit einem Vierteljahrhundert. Für den Werksklub ums nackte Überleben in der Liga.

„Rudi Völler und ich leiden gleichermaßen, das Ganze geht uns beiden extrem unter die Haut“, berichtet Schade. Denn: „Erstens kann man eine solche Situation nicht trainieren. Und zweitens sind wir seit Jahren nicht damit konfrontiert worden.“ Nun stecken sie mittendrin im Schlamassel – auf der Zielgeraden einer Saison, die für Leverkusen so verheißungsvoll wie kaum eine zuvor begann.

Für immer unerklärlich

Dank der direkten Qualifikation für die Champions League hatte der Klub Planungssicherheit, zudem konnten die wichtigsten Leistungsträger gehalten werden. Die Voraussetzungen, um dem FC Bayern und Dortmund näher auf die Pelle zu rücken, waren wie gemalt. Jetzt ist das Gesamtbild fürs Erste schwer verpfuscht. „Was passiert ist“, seufzt Schade, „wird immer unerklärlich bleiben.“

Das Ziel könne nur noch sein, die Runde glimpflich über die Bühne zu bringen, um sie am Ende als Betriebsunfall zu werten. „Wir werden genau, hart und offen analysieren, was falsch gelaufen ist“, kündigt der Geschäftsführer an. Und nach dem missglückten Versuch mit Übergangscoach Tayfun Korkut, dem Nachfolger des Anfang März entlassenen Roger Schmidt, die Suche nach einem neuen Bank-Chef forcieren.

Gesicht mit Kratzern

An vielen anderen Bundesligastandorten wird nach dem Trainer oft auch der verantwortliche Sportdirektor geschasst, selbst bei einer besseren Bilanz als der aktuellen in Leverkusen. Vor diesem Schicksal scheint Rudi Völler allerdings gefeit – als „das Gesicht von Bayer“, wie Werner Wenning, der Vorsitzende des Gesellschafterausschusses, die übergreifende Rolle des gebürtigen Hanauers beschreibt.

Das Restprogramm im Abstiegskampf

Das Gesicht hat Kratzer abbekommen, keine Frage. „Aber“, betont Schade, „Rudi Völler macht bei uns keine Gratwanderung durch.“ Stattdessen sollen er und seine Mitstreiter in der nächsten Saison beweisen, dass sie es deutlich besser können.

Fehlende Führungsstruktur

„Ab Sommer werden wir Dinge korrigieren, alles wird hinterfragt“, hat Völler die Hand gedanklich schon am großen Kehrbesen. „Wir sind ständig zusammen und planen“, sagt sein Leidensgenosse Michael Schade – der auch schon einen ersten Ansatz zur Vergangenheitsbewältigung verrät: „Wir haben zwar eine junge, talentierte Mannschaft. Doch der fehlten auf dem Platz bisweilen die Erfahrung, die Reife und auch die Führungsstruktur.“

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