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Mehr Bewährungsprobe als Revanche

Sport - Mehr Bewährungsprobe als Revanche

Atletico-Präsident Enrique Cerezo spricht im Interview mit Carsten Fuß über das neuerliche Duell gegen die Bayern, die Stärken seines Vereins und die Zukunft von Trainer Diego Simeone.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.09.2017, 10:59

Bei Atlético Madrid geht es für den FC Bayern und Carlo Ancelotti heute, 20.45 Uhr (ZDF ab 20.25 Uhr), nicht um eine Aufarbeitung der letztjährigen Halbfinal-Niederlage. Wichtiger ist die Frage, ob die erste größere Herausforderung der Saison die Hoffnungen auf den neuen Trainer stützt.

Thomas Müller war ausnahmsweise nicht zu Scherzen aufgelegt. Ausdauernd klagte der Nationalspieler des FC Bayern über den Verlauf, er haderte mit der Gerechtigkeit, die der Fußball mal wieder nicht zu bieten gehabt hatte.

"Es ist manchmal bitter, welche Art von Fußball gegen die deutlich bessere Mannschaft gewinnt. Wir haben wirklich mit allem gespielt, was man im Fußball braucht“, sagte Müller, "wir müssen uns nicht schämen. Aber draußen sind wir trotzdem. Das ist der Drops, den wir schlucken müssen.“

Abschiedsbotschaft nach dem Aus

Gut viereinhalb Monate liegt Müllers Frust und der des gesamten FC Bayern nun zurück über das Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Atlético Madrid. Die 0:1-Hinspielniederlage im Estadio Vicente Calderón wog zu schwer, das 2:1 im Rückspiel in München reichte nicht, da Antoine Griezmann jenes so wichtige Auswärtstor erzielt hatte, das den Bayern in jedem ihrer drei Halbfinalanläufe unter Trainer Pep Guardiola gefehlt hatte.

Von "Totenstille“ in der Kabine berichtete Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals, und Guardiola formulierte nach dem abermals verpassten Titel in der Champions League bereits eine Abschiedsbotschaft, obwohl noch das Pokalfinale anstand. Er sagte: "Ich habe den Spielern geholfen, vielleicht war das nicht genug. Aber ich habe mein Bestes getan, ich habe mein Leben gegeben für diese Spieler, für diesen Verein.“

Mindestens ein Punkt soll her

An diesem Mittwoch sind die Bayern erneut mit Diego Simeones Atlético verabredet. Die Erinnerung an die letzte, erfolglose Reise in Spaniens Hauptstadt spielt eine wichtige Rolle. Doch es geht nicht um eine Revanche, die in einer Gruppenpartie ohnehin nicht vollwertig möglich wäre. Es geht vielmehr um die Frage, ob die erste größere Herausforderung der Saison die Hoffnungen auf den neuen Trainer stützt.

Dreimal hat Carlo Ancelotti als Coach bereits den Henkelpott gewonnen, mit ihm hoffen die Münchner zu erreichen, was ihnen mit Guardiola stets verwehrt blieb. Das gilt nicht nur mit Blick auf das Finale am 3. Juni 2017 in Cardiff, es gilt auch schon für die Reise nach Madrid. "Wir haben in den letzten drei Jahren immer gegen Mannschaften aus der Primera División gespielt und verloren. Bei Atlético Madrid wollen wir mit Ancelotti zeigen, dass wir zumindest einen, vielleicht aber auch drei Punkte holen können“, sagte Rummenigge.

Ancelotti geht es nur um Erfolge

Die Ebenen Ästhetik und Erfolg zu vereinen, mit weniger Ballbesitz-Dogma und mehr Pragmatismus, darum geht es nun unter Ancelotti. Bisher lässt sich sein zielorientiertes Schaffen sehr gut an, mit dem Vereinsrekord von acht Siegen in den ersten acht Pflichtspielen. Es geht dem Italiener dabei nicht um Stilfragen, sondern vorrangig wie schlicht um Erfolge.

"Der FC Bayern von Ancelotti, 57, operiert mit der Qualität eines Chirurgen, der alles erlebt zu haben glaubt. Er lässt den Gegner toben, lauert, wartet, bis der Gegner Nerv und Ball verliert – Monsterpass Thiago, Präzisionsflanke Ribéry, Schnittstellen-Sprint Kimmich, drei Stationen, Tor, Abpfiff, Abfahrt“, kommentierte die "Süddeutsche Zeitung" den jüngsten 1:0-Sieg beim Hamburger SV durch ein spätes Tor.

Weniger elegant, aber womöglich aussichtsreicher

Es ist auch dieser alte, zuweilen beinahe zynische Bayernstil, der weniger elegant, aber womöglich aussichtsreicher daherkommt und die Münchner auf den ganz großen Coup in Europa hoffen lässt. Ancelottis erstes großes Bayern-Spiel nun in Madrid, so wünschen sie sich das, soll sie darin bestärken. Sogar Thomas Müller hätte sicher nichts dagegen. Vermutlich noch nicht einmal, wenn danach bei Atlético über die bitteren und ungerechten Momente des Fußballs geklagt werden würde.

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