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Griezmann und die unerfüllte Mission

Sport - Griezmann und die unerfüllte Mission

Atletico-Präsident Enrique Cerezo spricht im Interview mit Carsten Fuß über das neuerliche Duell gegen die Bayern, die Stärken seines Vereins und die Zukunft von Trainer Diego Simeone.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.09.2017, 08:00

Antoine Griezmann ist der Schrecken deutscher Mannschaften - und in rasantem Tempo unter die absoluten Branchenstars aufgestiegen. Seinem Klub Atlético Madrid, der heute um 20.45 Uhr (ZDF ab 20.25) den FC Bayern empfängt, hält er die Treue, nicht zuletzt wegen Trainer Diego Simeone.

Sein jungenhaftes, verschmitztes Lächeln ist zurück. Antoine Griezmann mag das Champions-League-Finale im Elfmeterschießen verloren haben und das EM-Finale in der Verlängerung, aber er hat sich davon nicht unterkriegen lassen, im Gegenteil.

"Ich bin noch entschlossener, Titel zu gewinnen", sagt er. Schon führt der Angreifer von Atlético Madrid mit fünf Treffern die spanische Torschützenliste an. Zuletzt rettete er am Sonntag mit dem 1:0-Siegtor gegen Deportivo La Coruña die Generalprobe für die Champions-League-Partie gegen den FC Bayern.

Kandidat für den Goldenen Ball

Griezmann, der die Münchner vorige Saison mit seinem Kontertor im Halbfinalrückspiel aus dem Wettbewerb schoss und die deutsche Nationalelf mit zwei Treffern aus der EM, ist nach den ersten Eindrücken dieser Spielzeit tatsächlich noch mal besser geworden. Noch vielseitiger in seinem Spiel, noch kaltschnäuziger im Abschluss, noch intelligenter in seinem Verständnis für den Raum.

Schon jetzt gilt er als chancenreicher Kandidat bei den anstehenden Auszeichnungen zum Fußballer des Jahres. "Ich will an einem Tisch mit Messi und Ronaldo essen", sagt er, und für viele Beobachter tut er das schon. So wie in Spanien die Spiele von Barça an Messi entlang erzählt werden und die von Real Madrid an Ronaldo, so setzt sich auch immer mehr die Gleichsetzung von Griezmann mit Atlético durch.

Ein untypischer Profi

Gesegnetes Atlético: Nach den im Fußball sonst so wirkungsmächtigen Marktgesetzen dürfte er ja eigentlich gar nicht mehr dort spielen, beim 15. der europäischen Geldrangliste. Haben wollen ihn alle, und seine Ausstiegsklausel von 100 Millionen Euro ist angesichts der aktuellen bewegten Summen nicht mal sonderlich utopisch.

Aber Griezmann ist kein handelsüblicher Profi, nicht nur wegen seines Talents, oder weil er seinen Job sofort für eine Anstellung in der von ihm geliebten Basketballliga NBA eintauschen würde, wie er kürzlich verriet. Er macht sich auch einfach nicht so viel aus der üblichen Gewinnmaximierung in der Branche; und verzichtet eben auf ein paar Millionen, weil er sich bei Atlético am richtigen Ort fühlt.

Inzwischen halber Spanier

2014 kam der heute 25-Jährige von Real Sociedad aus San Sebastián, wo er schon mit 13 landete, weil ihn die französischen Klubs für zu schmächtig befanden. Im Baskenland wurde er zum Profi, dort lernte er auch seine Freundin kennen, mit der er mittlerweile eine Tochter hat. Anfangs redete er mit der Kleinen nur Spanisch - so selbstverständlich lebt er inzwischen den Alltag in der Sprache seiner Adoptivnation.

Bei Atlético versteht er sich am besten mit den Südamerikanern, mit denen er nach dem Training oft Mate trinkt. "Ich bin glücklich hier und ich sehe, dass wir wichtige Dinge erreichen können", sagt er: "Ich will mit in das neue Stadion einziehen." Nächsten Sommer wechselt der Arbeiterklub in eine Fünfsternearena am Ostrand Madrids, die den Aufstieg unter Europas Topadressen endgültig zementieren soll.

Enge Bindung an den Trainer

Doch all diese Argumente hätten Atlético nicht geholfen, wenn der Klub im Sommer seinen Trainer verloren hätte -  wie zu befürchten stand, nachdem Diego Pablo Simeone in der Enttäuschung des verlorenen Champions-League-Finales mit dunklen Andeutungen um sich geworfen hatte. "Ich hatte Angst, dass er gehen würde", so Griezmann.

In dem argentinischen Coach sieht er den Schlüssel für seine Entwicklung, der Vergangenheit wie der Zukunft. Besorgt rief er vor der EM bei Simeone an. Der beruhigte ihn, er würde bleiben. Erst daraufhin verlängerte Griezmann seinen Vertrag bis 2021. "Ich brauche die Arbeit mit ihm, ich möchte weiter von ihm lernen", sagt Griezmann.

Mindestens zwei Anläufe bleiben

Da Simeones Kontrakt nach einer kuriosen Verkürzung nun schon 2018 ausläuft, bleiben also noch zwei gemeinsame Anläufe auf den ersehnten Champions-League-Sieg. Beim letzten Finale gegen Real setzte Griezmann in der regulären Spielzeit einen Elfmeter an die Latte.  "Sonst hätten wir gewonnen, davon bin ich überzeugt." Der Franzose sieht sich in der Schuld. Seine Mission in Madrid ist noch nicht erfüllt.

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