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Ein episches Drama

Sport - Ein episches Drama

Nach intensiven, spannenden 120 Minuten entscheide ein Fehlschuss Ronaldos Treffer im Elfmeterschießen die Partie zugunsten von Real Madrid. Atlético verliert sein zweites Finale in Folge gegen Real.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.05.2017, 00:24

Nur ein paar Zentimeter zwischen Triumph und Tragik: Das Madrider Stadtduell Real gegen Atlético hat Zutaten für ein Champions-League-Finale mit Erinnerungswert geliefert. Und am Ende posieren im San Siro wieder die üblichen Verdächtigen.

Es hat tatsächlich ziemlich viele Menschen gegeben, die die Trikots ihrer Idole eine ganze Nacht trugen. Und die irgendwann im Morgengrauen zwischen den Metrostationen Cairoli und Cadorna, dort wo in Mailand das pompöse Champions Festival organisiert worden war, sich auch von den Kehrmaschinen nicht vertreiben lassen wollten.

Wer als "Madridista", als Fan von Real Madrid, in die Lombardei gekommen war und die Jerseys von Cristiano Ronaldo oder Sergio Ramos trug, der mochte vielleicht auch kein Auge zu tun.

"Extrem besonders"

Dafür fühlte sich das 6:4 (1:1, 1:0) nach Elfmeterschießen gegen den Stadtrivalen Atlético im Finale der Champions League zu frisch und vor allem zu gut an. "La Undécima", der elfte Titel in der Königsklasse, ist perfekt. Und bei so etwas kann einfach keine Gewohnheit einkehren.

"Das ist etwas extrem Besonderes", sagte der deutsche Nationalspieler Toni Kroos, der einst mit dem FC Bayern nicht auf dem Platz stand, als 2013 der Finalsieg glückte. Trotz seiner Auswechslung kam der 26-Jährige nun als einer der besten Spieler aus diesem epischen Drama.

"Campeone, Campeone" schallte es die ganze lauwarme Nacht. In den Zügen, auf den Straßen, auf den Plätzen. Und kein Geringerer als Ronaldo, der mit seiner besten Tat - den allerletzten Elfmeter zu verwandeln - sich wie ein Held vorkam, flötete dazu: "Das ist ein besonderer Moment, ein magischer Moment, den die Spieler und die Fans verdienen, die immer hier waren“, sagte der Portugiese.

Ronaldos Bühne

Die Stilikone war lässig wie ein Businesstyp mit aufgeknöpftem Hemd, aufgekrempelten Ärmeln, Luxusuhr am Handgelenk und Diamantstecker im Ohr in die Mixed Zone, um allen noch einmal zu erzählen, wie viel ihm dieser Titel bedeutete. Der 31-Jährige lechzt wie kein Zweiter nach Momenten wie diesen.

"CR7" hatte genau wie 2014 das i-Tüpfelchen in diesem Stadtduell gegen den Club de Atlético gesetzt, doch anders als im Estadio da Luz von Lissabon - damals entblößte Ronald nach dem Elfmetertor zum 4:1 seinen muskulösen Oberkörper - war der Fangschuss im Guiseppe-Meazza-Stadion von Mailand wirklich wichtig. Zuvor hatte Juanfran den vierten Atlético-Elfer an den Pfosten gezimmert. Ein paar Zentimeter zu genau erzielt, und alles war vorbei.

Zinedine Zidane blieb bescheiden

Während die Real-Spieler wie die Kinder herumtrollten und später für das Siegerfoto fast alle den Nachwuchs mit auf den Rasen holten, blieb Zinedine Zidane gewohnt zurückhaltend. Kein Triumphgeheul, keine Kampfansage. "Der Präsident hat mir die Chance gegeben, diesen Klub trainieren zu dürfen", erklärte der Franzose artig in Richtung Florentino Pérez, "dieser Champions-League-Titel bedeutet uns allen unendlich viel."

Der 43-Jährige hat als Spieler, Co-Trainer und Chefcoach nun mit den Königlichen den Henkelpott geholt - der Platz in den Annalen ist Zidane sicher. Er erinnerte dabei an Carlo Ancelotti, den künftigen Bayern-Trainer, der ihm geflüstert habe: "Wenn die Chance da ist, dann ergreife sie."

Vor allem in der Anfangsphase, in der Sergio Ramos traf (15.) und in der Verlängerung, in der Real die besseren Chancen hatte, verdiente sich sein Team diesen Sieg, auch wenn Atletico nicht nur den Ausgleich durch den großartigen Einwechselspieler Yannick Carrasco (79.) verdient gehabt hätte.

Altbekannte Tragik bei Atlético

Und doch entfaltete sich die altbekannte Tragik bei den "Rojiblancos". "Das Team, das gewinnt, ist das bessere“, sagte Diego Simeone tapfer, und der Exzentriker lächelte sogar tapfer.

Der ganz in schwarz gekleidete Argentinier bewahrte Haltung im nächsten traumatischen Endspiel-Erlebnis: Nach 1974 und 2014 geht auch das Finale 2016 als eine besondere Geschichte des Scheiterns in die Atlético-Annalen ein.

Auf zum nächsten Versuch

"Für die Mannschaft ist es ein extrem schwerer Moment. Wir sind alle sehr traurig, es ist sehr bitter", meinte Kapitän Gabi und versprach: "Wir werden uns wieder aufrichten und weiter versuchen, diesen Titel zu gewinnen."

Ob allerdings sein Mentor Simeone da noch mitmacht, scheint so sicher nicht: Der Argentinier beantwortete alle Fragen nach seiner Zukunft ausweichend. "Ich bevorzuge es, darüber nachzudenken, bevor ich dazu etwas sage. Wir haben alles getan, was wir konnten. Es war ein beachtlicher Erfolg, so weit zu kommen. Nun gehe ich ersteinmal nach Hause."

Griezmann schwer zu halten

Ahnt da einer, dass sich das Ende der Ära dieser Widerstandskämpfer ankündigt, die sich nicht in der Endlosschleife so heldenhaft gegen den Finanzadel Europas zur Wehr setzen können?

Vielleicht weiß Simeone bereits, dass Ausnahmekönner wie der Franzose Antoine Griezmann, der in der regulären Spielzeit einen Elfmeter verschoss (48.), um anschließend beim Entscheid vom Strafstoßpunkt gleich den ersten Versuch lässig zu verwandeln, vielleicht doch ihr Glück woanders suchen. Dort, wo der Henkelpott halt viel häufiger hinwandert.

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