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Alles picobello für den spanischen Showdown

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Sport - Alles picobello für den spanischen Showdown

Ein deutscher Weltmeister mittendrin: Toni Kross. Er könnte der erste Deutsche sein, der mit zwei Vereinen die Champions League gewinnt. 2013 mit den Bayern und nun soll es auch mit Real klappen.

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Mailand galt einmal als Fußball-Hochburg - und das Giuseppe Meazza im Stadtteil San Siro als das schönste Stadion der Welt. Diese Zeiten sind lange vorbei. Dennoch erscheinen Stadt und Stadion als ein würdiger Schauplatz für das Champions-League-Finale zwischen Real und Atletico Madrid (Samstag, 20.45 Uhr, ZDF ab 20.20).

Wer in diesen Tagen Mailand als Tourist besucht, der könnte sich im falschen Film wähnen: Wann hat auf dem Piazza del Duomo, dem gewaltigen Platz vor dem Dom, jemals eine derart große Bühne gestanden? Rechts daneben eine Videowand, über die in Endlosschleifen immer dieselben Tore und Jubelbilder flimmern. Und links daneben übermannsgroße Mannschaftsbilder, die die Protagonisten abbilden: das Starensemble von Real Madrid oben, das Kollektiv von Atletico Madrid darunter. Die lombardische Metropole hat sich fürs Finale ganz König Fußball untergeordnet.

Große Show vor dem Finaltag

Das offizielle Fanfestival - eröffnet am Donnerstag - beschränkt sich nicht allein auf die Auftritte des italienischen Star-DJ Benny Benassi oder der belgischen Sängerin Lea Rue, sondern erstreckt sich mit allerlei Aktionen und Attraktionen bis zum Castello Sforzesco, dem prächtigen Schloss am Rande der Altstadt, wo italienische Lebensart mit internationalem Einfluss verschmilzt.
Hier werden sich am Wochenende die Fanmassen von "Merengues" (Real-Fans) und "Colchoneros" (Atletico-Anhänger) - beide Klubs erhielten von den 80.000 Karten offiziell je 18.000 Tickets - bewegen und Via Dante und Via Mercanti zwischen Dom und Schloss als "Walk of Champions" kennenlernen. Überall Stellwände, Stände und Buden - auch, damit sich die UEFA-Sponsoren präsentieren können.

Auch Lahm und Benaglio sind präsent

Am Eingang hängen Riesen-Banner mit Sergio Ramos, dem draufgängerischen Real-Verteidiger, und Fernando Torres, dem leidenschaftlichen Atletico-Angreifer. Gleich dahinter flattern Fahnen mit dem Konterfei von Philipp Lahm und Diego Benaglio. Ein Beleg, dass sich auch der FC Bayern und der VfL Wolfsburg auf der "Road to Milano" bewegten, ehe ihnen die Finalisten aus der spanischen Hauptstadt unsanft das Stoppschild unter die Nase hielten.

Giuseppe-Meazza-Stadion
Giuseppe-Meazza-Stadion Quelle: reuters

Was genau Mailand davon hält, nach Lissabon 2014 als nächste Staffage für ein spanisches Stadtderby herzuhalten, erscheint noch unklar. Mitunter ist bei der spontanen Befragung ein leichtes Fremdeln herauszuhören. Die einen antworten, der Bessere möge gewinnen. Andere sagen, mal solle sich doch lieber am prächtigen Wetter zu erfreuen.

Die Sogwirkung der Serie A war einmal

Die iberische Übermacht hält dem italienischen Fußball gerade den Spiegel vor. Bis auf Juventus Turin scheint kein Klub mehr über die Konstitution, Klasse und Kraft zu verfügen, in der Königsklasse weit zu kommen.

Vor allem Mailands Aushängeschilder stecken in der Krise: Inter schloss die Saison als Vierter ab, Milan blieb Siebter. Die einen haben damit die Champions League, die anderen gar die Europa League verfehlt.

Schöne Erinnerung an 2010

Zwei begehbare Bauten - eine mit rot-schwarz, die andere mit blau-schwarz gestreifter Außenwand - erinnern an die Jahre, in denen sich Milan (1963, 1969, 1989, 1990, 1994, 2003 und 2007) und Internazionale (1964, 1965 und 2010) den Henkelpott holten.

An den Innenwänden sind die jeweiligen Legenden abgebildet. Hier Kaka, Filippo Inzaghi, Marco van Basten, Ruud Gullit und Frank Rijkaard, dort Diego Milito oder Javier Zanetti in Farbe. Sechs Jahre ist es her, dass das damals von José Mourinho trainierte Inter die Bayern unter Louis van Gaal bezwang (2:0). Gespielt wurde damals übrigens im Bernabeu in Madrid, womit sich der Kreis schließt.

Kein Kummer mit dem Rasen

Andere Heroen wie Giacinto Facchetti oder Luis Suarez entstammen einer Epoche, aus der nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen existieren. Inters Triumph 1965 im alten Europapokal der Landesmeister stellt noch eine Klammer zur Gegenwart dar: Weil der Titel vor 80.000 Zuschauern im uralten San Siro im gleichnamigen Stadtteil errungen wurden.

Das zur WM 1990 umgebaute und immer wieder modernisierte Stadion, das zuletzt 2001 ein Champions-League-Finale (Bayern - Valencia) erlebte, scheint jetzt fast majestätisch auf den Showdown zu warten. Alles ist vorbereitet - und selbst der Rasen, der so oft Sorgen bereitete, sieht picobello aus. Wie sagte doch Hernan Crespo, der ehemalige Inter- und Milan-Profi, einmal: "Bei einem Abendspiel müsste man eigentlich im Smoking spielen."

Milan plant den Auszug aus San Siro

Einige der elf monströsen Außentürme sind mit blauem Tuch umspannt, damit auch jeder sieht, wer hier gerade die Hausmacht hat. Die UEFA ist es auch, die reichlich Lobhudelei über die Spielstätte verbreitet. So wird etwa Real-Recke Ramos zitiert: "Ich bewundere das San Siro sehr, weil einer meiner Lieblingsspieler Paolo Maldini ist."

Der Klub, dem Maldini sein Leben lang diente, findet den Tempel allerdings nicht mehr ganz so zeitgemäß. Jüngst erneuerte der einer Investorengruppe gehörende AC Mailand seine Pläne, ein eigenes Stadion auf dem Expo-Gelände zu errichten. Aber bis der Auszug der "Rossoneri" wirklich erfolgt, wird der Piazza del Duomo wohl noch einige Sommer ganz ohne Fußball erleben.

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