Sie sind hier:

"Viel mehr Passion": Spaniens Dominanz in Europa

Sport - "Viel mehr Passion": Spaniens Dominanz in Europa

Vor zwei Jahren hat Atlético Madrid gegen Real Madrid im Champions-League-Finale verloren. Dieses Mal soll es in Mailand besser laufen. "Zu gewinnen, das wäre das Größte", sagt Trainer Diego Simeone.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.05.2017, 08:00

Dass die spanischen Klubs im Champions-League-Finale (heute, 20.45 Uhr / ZDF ab 20.20 Uhr) unter sich sind, halten die Fans für keinen Zufall. Sie kennen auch die Gründe, warum Barca, Real und Co. international seit Jahren dominieren.

Könnte man den Fußball besser planen, wäre das diesjährige Champions-League-Finale  sicher in Madrid angesetzt worden. So reisen die Mannschaften von Real und Atletico Madrid am Wochenende nach Mailand, um dort ihre Stadtmeisterschaft auszuspielen. Und mit ihnen Zehntausende Fans, deren Lager sich in tiefer Abneigung gegenüberstehen.

Der Flitzer bleibt zu  Hause

Jimmy Jump muss diesmal zu Hause bleiben Quelle: ZDF

In einem Punkt können die italienischen Sicherheitskräfte aber jetzt schon beruhigt sein: der wohl berüchtigtste spanische Fan wird nicht nach Mailand kommen. Denn der als Jimmy Jump bekannter "berühmteste Flitzer der Welt", der schon bei diversen internationalen Finals den Rasen mit seiner roten Mütze stürmte, saß am vergangenen Sonntag in einer Hamburger Sportsbar und sagte zdfsport.de: "Ich würde sehr gern in Mailand dabei sein, aber mir fehlt das Geld für die Fahrt."

Nicht nur sein durch zahlreiche Geldstrafen angewachsener Schuldenberg hindert den derzeit in Hamburg lebenden Katalanen daran, seiner ungewöhnlichen Leidenschaft nachzugehen - ein  weltweites Stadionverbot macht die Sache auch nicht einfacher.

So ist Jaume Marqeut - wie er mit bürgerlichem Namen heißt - bis auf weiteres auf TV-Übertragungen angewiesen, um am Fußballgeschehen teilzunehmen. Wie etwa am vergangenen Sonntag beim spanischen Pokalfinale zwischen dem FC Sevilla und seinem Lieblingsclub FC Barcelona.

Leidenschaft statt Langeweile

Gerade erzählt Jimmy Jump die Geschichte, wie er beim Abschiedsspiel für Mehmed Scholl 2007 in München Lionel Messi auf die Wange geküsst hat, als eben jener Messi die Vorlage zum erlösenden 1:0 für Barcelona in der Verlängerung gibt. Der frenetische Jubel der circa 50 Zuschauer in der Bar macht klar, wem hier die Sympathien gelten. Auch Jimmy Jump springt auf und gibt zu erkennen, dass er den Fußball nicht nur als Bühne für seinen Darstellungsdrang liebt, sondern tatsächlich ein Fan ist.

"Bei uns ist viel mehr Passion im Spiel" sagt er,  als er nach dem Unterschied zum Deutschen Fußball gefragt wird. "Ja, früher, als Briegel und Breitner noch gespielt haben, da mochte ich den deutschen Fußball auch", sagt er. "Aber heute ist es doch langweilig in der Bundesliga, nur noch Bayern und Dortmund gewinnen."

Guardiolas Erbe

Auch am Nebentisch, wo eine gemischte Gruppe aus jungen Spaniern und Deutschen sitzt, wird der 2:0 Sieg der Katalanen kräftig bejubelt. "Bei uns ist Fußball Teil unserer katalanischen Kultur und Philosophie", sagt der 30-jährige Pol Sunyer, der selbst Mitglied beim FC Barcelona ist.  "Das ist meine Familie." Als er nach den  Vorzügen des spanischen Fußballs allgemein gefragt wird, ist er ganz schnell wieder bei Iniesta und Co.

"So einen schnellen Fußball wie den, den Pep Guardiola bei Barca entwickelt hat, gab es vorher nicht", schwärmt er.  Diesen Stil habe Guardiola jetzt zwar auch nach München gebracht  aber in der Nationalmannschaft sieht er die Spanier gegen die "physisch stärkeren“ Deutschen weiter im Vorteil. Der WM-Titel 2014 für Deutschland gilt für die meisten hier im Raum als Betriebsunfall, der bei der EM in Frankreich wieder behoben wird.

Spanische Dominanz

Pol Sunyer (l.) und Peer Melms Quelle: ZDF

"Der spanische Fußball hat sich erholt", sagt auch der 28-jährige Hamburger Peer Melms, der oft in Barcelona ist. Als Beleg zählt er die spanischen Mannschaften auf, die in den letzten Jahren in europäischen Finals- und Halbfinals standen: FC Barcelona, die beiden Madrider Klubs, FC Valencia, FC Sevilla und Athletic Bilbao.

Für diese Dominanz auf europäischem Parkett hat er auch eine Erklärung: "In Spanien wird viel nachhaltiger auf die technische Ausbildung der Spieler geachtet", sagt er. "In Deutschland hält man den eigenen Fußball für stärker als er international gesehen wird."

4:1 am Zeitungskiosk

Gemeinsam sind die beiden Freunde davon überzeugt, dass die Beschäftigung mit Fußball in Spanien viel stärker in der Gesellschaft verwurzelt ist. "Bei euch gibt es den Kicker, der zweimal in der Woche erscheint", wundert sich Sunyer - und zählt vier spanische Fachorgane auf, die täglich frisch am Kiosk liegen.

Obwohl hier alle den katalanischen Fußball meinen, wenn vom spanischen gesprochen wird, werden sich die meisten am Samstag zum Champions-League-Finale wieder treffen. Dann aber mit weniger Leidenschaft - und ganz klar auf Seiten des Underdogs Atletico Madrid. Und Jimmy Jump wird ein bisschen traurig sein, dass er nicht live dabei ist.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet