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Kovac warnt vor "brenzliger Situation"

Achtelfinale gegen Liverpool: Bislang schwerste Prüfung für den Bayern-Trainer

Im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool geht es für den Trainer des FC Bayern auch darum, sich gegen Jürgen Klopp im Coaching auf höchstem Niveau zu bewähren.

Bayern-Trainer Niko Kovac
Bayern-Trainer Niko Kovac
Quelle: dpa

Auch Journalisten sind nur Menschen, die ihren Job so gut wie möglich machen und ihm nichts Böses wollen, das hat Niko Kovac spätestens in seiner Trainerkarriere verstanden. Mit seiner inzwischen durchaus größeren Erfahrung aus seinen Engagements bei Kroatiens U21- und A-Nationalteam sowie Eintracht Frankfurt und Bayern München versucht er sich regelmäßig in die Geschichten hineinzudenken, auf die die Fragen zulaufen könnten. Gerne zieht er im Gespräch mit den Medienleuten dann Parallelen zwischen deren Berufsalltag und jenem des Kickergewerbes. Zum Beispiel, wenn es um unzufriedene Spieler in seiner Mannschaft geht, die Kovac dann mit einem Verlag oder einem Sender und der Konkurrenz unter Kollegen vergleicht.

Selten genervt

Die Querverweise dienen dazu, den Geschichten ein bisschen die Schärfe zu nehmen. Konkurrenz gibt’s überall, ist doch normal. Schauen Sie sich in Ihrem Büro um: Jeder hofft, vom Chef bestmöglich gefördert und berücksichtigt zu werden, muss diesen aber überzeugen, so argumentiert er dann. Meist ruhig und zuvorkommend, auf Augenhöhe, selten genervt. Manchmal zwinkert er den Journalisten danach zu.

Wir haben ja noch gegeneinander gespielt, damals in der Zweiten Liga, er in Mainz, ich in Berlin. Wir haben schon die Klingen gekreuzt.
Niko Kovac über Jürgen Klopp

Wenn der FC Bayern am Dienstag beim FC Liverpool zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League antritt, dann weiß Kovac, dass einige der Geschichten von beiden Trainern handeln werden, die sich im Stadion an der Anfield Road gegenüberstehen. Und er ahnt wohl, dass er darin als nicht ganz so großer Trainer beschrieben wird wie Liverpools Coach Jürgen Klopp, der so charismatisch und locker rüberkommen kann, dass sich die Engländer schon gefragt hat, ob er wirklich ein Deutscher ist.

Begegnung mit Klopp in der Zweiten Liga

„Wir haben ja noch gegeneinander gespielt, damals in der Zweiten Liga, er in Mainz, ich in Berlin. Wir haben schon die Klingen gekreuzt“, erzählte Kovac zuletzt bei einer dieser Medienrunden und lobte den Kollegen ausdrücklich, fachlich und menschlich. Was Klopp damals als Spieler verkörpert habe, „lebt er auch als Trainer vor. Das macht ihn authentisch und sympathisch“, befand Kovac.

Das Magazin "Stern" hat Klopp gerade eine große Geschichte gewidmet und diese mit der Zeile „Der Erlöser“ versehen. Die Bild schrieb, der frühere Mainzer und Dortmunder habe die Reds wachgeküsst und werde von vielen Fans verehrt. „Zum King fehlt Klopp ein Titel“, stand in der Überschrift. Nur ein Titel fehlt, sonst bringt er alles mit für die Inthronisierung, so war das zu verstehen.

Im Krisen-Herbst "eine Menge gelernt"

Über Kovac gibt es solche Heldengeschichten nicht, seit er zum FC Bayern im Juli gewechselt ist, nachdem er die Münchner mit Frankfurt im Pokalfinale überlistet hatte. Am häufigsten fand sich Kovac im Krisen-Herbst in den Schlagzeilen wieder, als es um die Frage ging, ob er seinen Job beim Meister bald wieder los sei, auch wegen der nicht gerade freundlichen Worte und einiger Indiskretionen damals unzufriedener Spieler. „Sehr geprägt“ habe ihn diese Phase, und er habe insgesamt „eine Menge gelernt“ in München, sagt er. Viel fehlte damals nicht zur Beurlaubung, was in Kovac noch mehr den Kämpfer und Arbeiter weckte. Geschätzt wird der 47 Jahre alte Kroate dafür, aber nicht geliebt und verehrt.

Jürgen Klopp am 16.12.2018 in Liverpool )Großbritannien)
Jürgen Klopp
Quelle: AP

Die zuletzt wieder vermehrt wackligen Auftritte seiner Mannschaft mit wiederholten Fehlern beim Verteidigen und vielen Gegentoren lassen das verwöhnte Münchner Publikum eher mit Skepsis auf ihn blicken. Zumal als seine Kernkompetenz galt, eine Mannschaft vor allem defensiv voranbringen zu können, also zu stabilisieren. Dass im Offensivspiel die Ideen fehlten, hatten im Krisenherbst sogar manche aus seiner Belegschaft öffentlich kritisiert. „Jeder Trainer hat seine Idee, aber entscheidend ist die individuelle Qualität der Spieler“, sagte er dazu gerade in einem Kicker-Interview, „je mehr eine Mannschaft davon hat, desto mehr kommt die Spielidee des Trainers zum Vorschein. Man kann Muster trainieren, aber der Spieler erfüllt sie mit Leben.“

Gegentore sind ein großes Problem

Nun reiste Kovac nach sechs Spielen in 2019 mit der Bilanz nach Liverpool, keines ohne Gegentor überstanden zu haben. Zehn Mal landete der Ball vor allem nach Kontern in diesem Jahr schon im Netz der Bayern, was für deren Verhältnisse sehr viel ist, zu viel. Und jetzt bekommen sie es mit Klopps pfeilschnellen Umschaltspezialisten zu tun, allen voran mit dem Offensivtrio Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino. „Alles“, antwortete Kovac nach dem wenig überzeugenden 3:2-Sieg beim FC Augsburg auf die Frage, was besser werden müsse in Liverpool. Wenn man wie die Gegenspieler auch dort laufen lasse, „dann befinden wir uns alle paar Minuten in einer brenzligen Situation“, warnte er.

Dass Liverpool in der Defensive gerade einige Absenzen verkraften muss und zuletzt weniger überzeugend agierte, eröffnet zwar auch Chancen. Doch die Sorge vor den Risiken der Münchner Defensivschwäche überwiegt in der Wahrnehmung. Sogar bei Kovac.

Bislang schwerste Prüfung für den Bayern-Trainer

Es ist seine bisher schwerste Prüfung, die dieser Vergleich mit dem derzeit erfolgreichsten deutschen Trainer bereithält. Für Kovac geht es auch darum, sich im Coaching auf höchstem Niveau zu bewähren. Als Benchmark gilt dafür in München Pep Guardiola, der seine Bayern-Profis zwischen 2013 und 2016 regelmäßig mitten im Spiel wie Schachfiguren verschob und mehrere Systemwechsel vornahm. Ein bisschen überhöht wurde das Geschick des Katalanen dabei zuweilen zwar schon. Aber die Interventionen von Kovac kommen im Vergleich dazu sehr verhalten daher. Dass er es versteht, durch sein Coaching ein Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken, wurde Kovac bisher nie wirklich attestiert. Das ist vielleicht ein bisschen zu wenig Anerkennung, zumal ihm bisher auch noch nicht wirklich nachgerufen werden konnte, ein Spiel vollumfänglich vercoacht zu haben.

Andererseits dürfte es auch Kovac sehr geärgert haben, dass sich die Augsburger nach ihrem Führungstor nach nur 13 Sekunden ins Fäustchen lachten, wie sie die Anordnung der Münchner Defensive beim Anstoß planmäßig seziert hatten – ausgerechnet bei deren Generalprobe. FCA-Coach Manuel Baum hatte den Spielzug einstudieren lassen, der auch beim zweiten Tor seiner Elf funktionierte. Hinzu kamen zwischendurch Systemwechsel, die die Bayern in Turbulenzen stürzten. „Das zeigt sein Fachwissen. Er hat uns immer wieder vor Aufgaben gestellt“, lobte Kovac später Baum.

„Entscheiden unter Zeitdruck“

Ein bisschen ausgecoacht musste sich Kovac zwischenzeitlich schon fühlen. Von jenem Kollegen, der sein Sitznachbar bei einem Trainerlehrgang war und mit dem er sich bei einer anderen Schulung mal im Cockpit eines Flugsimulators wiederfand. „Entscheiden unter Zeitdruck“, hieß das Modul, bei dem Kovac Parallelen zum Trainerjob erkannte. „Da muss man auch eine Gruppe durch ruhige und turbulente Zeiten führen“, befand er. In Liverpool und gegen Klopp, das weiß Kovac, gilt das für ihn umso mehr. Auch wegen des Tenors und der Schärfe jener Geschichten, die danach erzählt werden.

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