Sie sind hier:

Die Nummer eins im deutschen Sturm

WM-Qualifikation: Deutschland - Norwegen

Timo Werner kehrt zum WM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Norwegen (Montag 20.45 Uhr) nach Stuttgart zurück. Die sportliche Leitung der Nationalmannschaft appelliert an einen fairen Umgang mit dem verlorenen Sohn.

Timo Werner
Timo Werner Quelle: dpa

Auf den Werbeplakaten für das Qualifikationsspiel fehlt das Konterfei von Timo Werner. "Endlich wieder Montag!" steht ironisch auf den Ankündigungen, die an Straßen und Plätzen hängen oder im Internet geschaltet sind. Darauf grinsen die ehemaligen Stuttgarter Sami Khedira oder Joshua Kimmich den Betrachter an.

Nicht aber der in Stuttgart geborene und aufgewachsene Werner, der von sich sagt: "Ich weiß schon noch, wo meine Lieblingsecken in der Stadt sind und wo meine Kumpels wohnen." Zwei Jahrzehnte seines Lebens hat der 21 Jährige hier verbracht, seine Eltern wohnen in der Schwabenmetropole. Und: "Ich bin immer noch VfB-Fan."

"Mit Freude und Leidenschaft für Deutschland"

Und doch wird der verlorene Sohn so skeptisch betrachtet, dass sowohl Oliver Bierhoff als auch Joachim Löw einen flammenden Appell ans schwäbische Publikum gerichtet haben, den stürmenden Protagonisten in der so gut wie ausverkauften Mercedes-Benz-Arena doch bitte fair zu behandeln. "Ich hoffe auf Unterstützung der Fans für jeden Nationalspieler, auch für Timo Werner", bat Nationalmannschaftsmanager Bierhoff bereits vor Tagen.

Der Angreifer von RB Leipzig spiele "mit großer Freude und Leidenschaft" für Deutschland, stellte Bundestrainer Löw erst am Sonntag wieder heraus und erbat sich eine respektvolle Behandlung. Dass Werner nach dem Abstieg des VfB Stuttgart im vergangenen Jahr mit dem Wechsel zum Aufsteiger aus Sachsen den "nächsten Schritt" habe manchen wollen, sei doch nur verständlich gewesen.

Vom Wunderkind zum Buhmann

Zumal: Werner wurde in der Abstiegssaison als Sündenbock auserkoren; er habe richtig spüren können, "wie das Image allmählich kippt." Aus dem Wunderkind, jüngster Bundesligaspieler und -torschütze aller Zeiten für den Traditionsverein, wurde der Buhmann, der unter den ständigen Trainerwechseln am meisten litt.

Mal war er linker Verteidiger, dann Linksaußen, Mittelstürmer oder Joker: Ein fester Platz für das Eigengewächs fehlte, zudem musste Werner ertragen, dass Trainer seinen Torjubel nachäfften oder Mitspieler seinen Stellenwert infrage stellten. Doch kommt das wirklich bei den Fußballfans an?

Projiziert sich bei ihm die Abneigung gegen Red Bull?

Länger als bei jedem anderen polarisiert ein Täuschungsversuch, den Werner in seiner Premierensaison bei den Roten Bullen beging. Die Schwalbe im vergangenen Herbst gegen Schalke hängt dem Leipziger immer noch nach, und selbst mag er kaum mehr darüber reden - weil er vermutet, dass er damit symbolhaft für die Abneigung steht, die dem Red-Bull-Projekt generell in der Fanszene entgegenschlägt.

"Ich habe früh gelernt, dass der Fußball auch eine zweite Seite hat und dass man das akzeptieren muss", erklärte Werner kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung". "Ich habe gelernt, gegen Widerstände anzukämpfen." Und mit den Beschimpfungen und Beleidigungen irgendwie umzugehen.

Torschützenkönig beim Confed-Cup

Gerade erst wieder ist die deutsche Nummer elf beim 2:1-Arbeitssieg gegen Tschechien in Prag von den mitgereisten Chaoten übel beleidigt wurden; Löw geißelte in diesem Zusammenhang die "oberpeinlichen Pöbeleien", denn: "Das ist nicht mehr lustig." Sondern zum Fremdschämen. Nun aber geht der Blick bei Trainer und Spieler positiv voraus.

Werner freut sich nach eigenem Bekunden auf das Gastspiel in Stuttgart. "Wenn da irgendwelche Pfiffe kommen, das ist mir relativ egal. Ich spiele mein Spiel." So wie vergangenen Freitag in Prag, wo er nach musterhaftem Zuspiel von Mesut Özil gedankenschnell den Führungstreffer erzielte. Damit setzte der flinke Irrwisch jenen Lauf fort, den er beim Confed-Cup hatte. Beim Testlauf in Russland bildete er meist mit dem Gladbacher Lars Stindl ein fast kongeniales Duo, erzielte in fünf Partien drei Treffer und gab zwei Vorlagen und empfing nach dem Finale aus den Händen von Diego Maradona einen Goldenen Schuh als Torschützenkönig.

Mario Gomez wünscht sich auch einen Einsatz

Mit seinem vierten Länderspieltor im siebten Einsatz hat er sich heimlich, still und leise an die erste Stelle der deutschen Stürmer-Hierarchie katapultiert und gilt wegen seiner Schnelligkeit für die WM 2018 fast schon gesetzt, auch wenn Löw von einer Rangfolge in vorderer Linie nichts hält. "Weil es alles ganz unterschiedliche Typen sind", erklärt der Badener, der allerdings Werner von seiner Kardinalkritik gegen Tschechien ausnahm, weil Werner als einziger die geforderten Läufe "in die Tiefe" unternommen habe.

Nur hat er sich damit auch einen Startelfeinsatz gegen Norwegen verdient? Dazu wollte Löw auf der Pressekonferenz am Sonntag noch nichts sagen. Mit Mario Gomez würde sich ein klassischer Mittelstürmer auch einen Einsatz wünschen. Der elf Jahre ältere Werner-Konkurrent habe im Training "einen guten Eindruck" hinterlassen, so Löw. Auch der Torjäger vom VfL Wolfsburg (70 Länderspiele/30 Tore) ist bekanntlich beim VfB Stuttgart einst groß geworden, aber auch sein Konterfei fehlt auf den Ankündigungsplakaten.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.