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Weltmeisterlicher Auftritt

Sport - Weltmeisterlicher Auftritt

Sehen Sie die 12-Uhr-heute-Sendung vom 9.10.2016 mit dem Spielbericht zur WM-Qualifikation Deutschland - Tschechien. [Aus rechtlichen Günden können wir die Partie nicht als Einzelclip anbieten.]

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.10.2017, 21:27

Die deutsche Nationalmannschat liefert beim 3:0 gegen Tschechien die nächste reife Leistung in der WM-Qualifikation. Vor allem das Aufbauspiel der Innenverteidiger Mats Hummels und Jerome Boateng beeindruckte noch mehr als Doppeltorschütze Thomas Müller.

Direkt vor dem Mannschaftshotel der deutschen Nationalmannschaft in Hamburg ist ein roter Teppich ausgelegt. Die vergangenen Tage haben sich hier regelmäßig die Autogrammjäger gedrängelt, um die Aufmerksamkeit ihrer Idole zu erheischen.

Deutschland - Tschechien
Müller hat zum 1:0 getroffen Quelle: dpa

Am Sonntag könnte der Andrang – trotz des freien Tags der Nationalspieler – noch größer werden, denn ihre Beliebtheit haben die DFB-Stars in der Stadt, die so viele unerfreuliche Kapitel mit der DFB-Auswahl erlebte, mit dem gestrigen Spiel noch einmal sprunghaft gesteigert. Wann bitte hatten Publikum und Profis zuletzt gemeinsam so viel Freude wie bei der 3:0-Gala des Weltmeisters gegen überforderte Tschechien am zweiten Spieltag der WM-Qualifikation?

 Fans singen: "Oh wie ist das schön"

Innenverteidiger Mats Hummels gab Einblicke in seine persönlichen Beliebtheitsrangliste von Länderspielen. Dieser Auftritt am Samstagabend habe "definitiv mit am meisten Spaß gemacht, der gehöre "zu den Top drei" von Heim-Länderspielen. Während die einen auf dem Rasen zauberten, machten auf den Rängen die Fans mit der la Ola ihre Runde. Und am Ende trällerte die sonst im Volksparkstadion nun wahrlich nicht verwöhnte hanseatische Kundschaft noch den "Oh wie ist das schön"-Evergreen.

"Das war eine sehr überzeugende Leistung. Wir hatten das Spiel von Beginn an unser absoluter Kontrolle", sagte Joachim Löw. Der Bundestrainer hatte die kurze Vorbereitungszeit zu einem intensiven Taktiktraining genutzt, das sich als genau die richtige Methodik erwies, um einen teils früh, aber auch planlos attackierenden Gast auszuspielen, der dem spielfreudigen wie engagierten Auftritt fast gar nichts entgegenzusetzen hatte.

Mehr Präsenz im Strafraum

Die Außenverteidiger Joshua Kimmich und Jonas Hector waren als verkappte Außenangreifer unterwegs, während vor allem Julian Draxler und Doppeltorschütze Thomas Müller immer wieder in die Mitte oder den Strafraum zogen, um die Torgefahr zu erhöhen – und für den wie aufgedreht wirkenden Mesut Özil damit die Zahl der Anspielstationen.

"Bei der EM waren wir im Strafraum nicht immer optimal besetzt", meinte der Bundestrainer, "aber die Tore werden dort erzielt und dort wollten wir präsent sein."

Die Abwehr aufreißen

Basis für diese Gala war ein Aufbauspiel, dass es in dieser Art eigentlich noch nicht zu besichtigen gab. Die im Verein noch keine Minute gemeinsam verteidigenden Innenverteidiger Hummels und Jerome Boateng überboten sich beinahe darin, mit hohen Zuspielen immer wieder den Ball auf die Flügel oder in die Spitze zu bringen.

Wenn mal wieder ein Mitspieler mit traumwandlerischer Sicherheit zentimetergenau angespielt wurde, brandete nicht nur einmal Beifall auf. "Wir haben im Training immer mal wieder simuliert, wie Tschechien verteidigt. Wir hatten erkannt, dass mit Diagonalbällen die Abwehr aufzureißen ist", erklärte Löw.

Gegen Nordirland wird es anders

Es war das richtige Stilmittel, auch wenn im Training meist Sami Khedira oder Toni Kroos diese Bälle spielten, wie Hummels erläuterte. "Der lange Ball war aber einstudiert", meinte der Bayern-Verteidiger, der an der Seite seines Klubkollegen eine bärenstarke Vorstellung bot. "Die beiden haben das in der Spielauslösung überragend gemacht", lobte Löw, wohl wissend, dass es am Dienstag in Hannover gegen Nordirland nicht so leicht werden dürfte.

"Der Gegner wird dann mehr zurückgezogen agieren, da brauchen wir dieselbe Zielstrebigkeit, dieselben Laufwege und dieselbe Präzision", so Löw. Hummels geht davon aus, dass dann auch noch andere Lösungen gefragt sind. "Nordirland wird eher defensiv spielen und tief stehen. Die machen uns nicht den Gefallen und laufen so früh an." Mehr Geduld und Kontrolle sind dann vermutlich gefragt. Und einer, der auch aus wenig Chancen Kapital schlägt.

Müller trifft, wenn WM drauf steht

Vielleicht ein Auftrag an Unikum Müller, der gegen Tschechien instinktsicher beim 1:0 (13.) und 3:0 (65.) zu Stelle war – das 2:0 erzielte Kroos (49.) – und als "Spieler des Spiels" gekürt wurde. "Thomas ist immer in der Lage, Tore zu erzielen. Jetzt hat er bei uns wieder einen Lauf", erklärte Löw. Klar, dass der 27-Jährige unweigerlich noch einmal an seine Torflaute bei der EM in Frankreich erinnert wurde. "Da habe ich gegen Nordirland zweimal Aluminium getroffen. Sonst wäre die Diskussion bei der Euro gar nicht dagewesen."

Er selbst findet es ein Stück weit komisch, "dass es immer dann funktioniert, wenn WM draufsteht." Daraus könne man "schöne Geschichten machen – wir wollen das einfach genießen." Auch für den Bayern-Star hatte dieser Abend nämlich viel Spaß gemacht, auch wenn Müller eine eher untertriebene Beschreibung für die fast weltmeisterliche Leistung wählte: "Wir haben seriös gespielt."

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