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Kimmich - der mit dem Gewinner-Gen

Joshua Kimmich

Sport - Kimmich - der mit dem Gewinner-Gen

Heute Abend steht für die deutsche Nationalelf das nächste WM-Quali-Spiel an. Gegen Nordirland. Und Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich in Hannover voller Tatendrang und gut gelaunt.

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Joshua Kimmich hat sich in Windeseile weiterentwickelt. Nun rennt der Rechtsverteidiger im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland (Dienstag, 20.45 Uhr) bereits das zweite Mal binnen vier Monaten in einem Pflichtspiel gegen das grüne Bollwerk an.

Die Lektion hat gesessen: 6:1, 6:0 stand es am Ende, als Manuel Neuer sich gegen Joshua Kimmich durchgesetzt hatte. In einem Tennismatch während des EM-Aufenthalts in Évian-les-Bains, und danach hatte der Torwart der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nichts Besseres zu tun, als den Triumph gegen den Novizen außerhalb des Fußballplatzes bei Facebook zu kommentieren: „Der eine Spielverlust ärgert mich.“

Befördert zum dritten EM-Gruppenspiel

War natürlich nur Spaß. Ansonsten hat Neuer in Verein und Nationalmannschaft nur Freude mit einem jungen Burschen, der im Schnelldurchgang nach oben gekommen ist. Wenn es am Dienstag in Hannover im dritten WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland (20.45 Uhr) zur Sache geht, dann verteidigt der Jungstar vom FC Bayern in seinem erst neunten Länderspiel fast schon wie selbstverständlich rechts hinten. Eine Blitzkarriere.

„Er hat sich da festgespielt“, sagt Joachim Löw. Nur zur Erinnerung: Als der Bundestrainer zum dritten EM-Gruppenspiel gegen Nordirland (1:0) entschied, nicht Benedikt Höwedes, sondern Kimmich in der Viererkette auflaufen zu lassen, wirkte das wie eine Notlösung. Keine vier Monate später ist auf einmal vom legitimen Nachfolger Philipp Lahms die Rede.

Ein verkappter Rechtsaußen

Dem 21-Jährigen können solche Vergleiche gar nichts anhaben: „Wer für Deutschland spielen und  auf dem Platz stehen darf, soll sich einfach nur freuen. So ist es auch bei mir.“ Die Position ist ihm egal. Das kommt an bei den Mitspielern. Gerade Neuer äußerte sich kürzlich öffentlich überrascht davon, „wie nüchtern er alles aufnimmt und wie er auf allen Positionen dazulernt.“

Zufall ist es nicht, dass der Newcomer erneut gegen den grünen Sperrgürtel anrennen darf, den die Nordiren analog zum 21. Juni im Pariser Prinzenpark nun auch in der Arena am Maschsee praktizieren werden. Auftrag an die deutsche Nummer 14: Im Rücken der 13 von Thomas Müller viele Lücken reißen, denn seine taktische Rolle hat sich ein bisschen verändert. Löw postiert die Außenverteidiger gegen defensiv eingestellte Gegner noch deutlich höher als bei der EM, Kimmich und auch Jonas Hector (links) sind verkappte Außenspieler, damit speziell Müller (rechts) und Julian Draxler (links) vermehrt in die Mitte ziehen können.

Imposante Trefferquote

Damit gelingt mehr Präsenz im Strafraum, „dort werden die Tore erzielt“, sagt Löw. Kimmich kommt dem Ästheten auch in dieser Hinsicht entgegen. Sein erstes Länderspieltor in Norwegen zum Auftakt der WM-Quali war ja nur der Anfang: Mittlerweile stellt sich seine Trefferquote mit drei weiteren Bundesliga- und zwei Champions-League-Toren so unheimlich dar, dass darüber teaminterne Witze gemacht werden. Wenn ihm also gegen Nordirland nicht - wie zuletzt vor dem 2:0 gegen Tschechien von Toni Kroos - wieder eine Torvorlage gelingt, dann darf er ruhig selbst ein Tor erzielen.

„Joshua ist ein sehr engagierter Spieler. Er will seinen Weg machen, und er wird seinen Weg machen bei uns“, sagt Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. Die Münchner zahlten für ihn 8,5 Millionen Euro an den VfB Stuttgart, nachdem sich der nur 1,76 Meter große Allrounder zuvor bei RB Leipzig im Stahlbad der zweiten Liga behauptet hatte.

Der Beruf steht an erster Stelle

Schon jetzt werden die Bayern um diesen Profi mit der prächtigen Perspektive beneidet, der als bodenständig, gewissenhaft und gut erzogen gilt. „Ein großartiger Junge, der auf einer Welle schwebt. Ein extrem frischer, forscher, frecher Spieler, der uns gut tut“, urteilt die Führungskraft Sami Khedira. Es freue ihn für Kimmich, „weil der Beruf bei ihm an erster Stelle steht.“

Vieles macht eben doch die Einstellung aus – und da ist Kimmich vielen gleichaltrigen Kollegen voraus.  „Man hat bei ihm vom ersten Tag an gesehen, dass er nicht nur große strategische Fähigkeiten besitzt, sondern auch das Gewinner-Gen in sich trägt“, sagt Löw-Assistent Thomas Schneider, der den Spieler schon aus Jugendzeiten beim VfB Stuttgart kennt. Rasch versucht Kimmich, die Lektionen umzusetzen. Wofür hat der aus Bösingen, einer Gemeinde im Landkreis Rottweil am Neckar, stammende Kicker denn bitte einen Abiturschnitt von 1,7 hingelegt?

Ein Profi, der schnell gelernt hat

Der Bundestrainer erkannte in Kimmich einen polyvalenten Profi, der bereits unter Pep Guardiola in der Innenverteidigung oder im Mittelfeld mit dem richtigen Gespür für Raum und Zeit aufgewartet hatte. Gewiss, die Zahl angekommener Flanken lässt in der Nationalmannschaft noch Luft nach oben,  aber die Kameraden bewundern, wie sich Kimmich in Windeseile verbessert hat. Vermutlich wird es auch nicht mehr lange dauern, bis er beim Tennis zuschlägt.

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